Die Mumie wird reisefertig gemacht

© Diözesankonservatorat/Wimmer

Chronik | Oberösterreich
06/08/2019

Mumien aus Waldhausen werden erforscht

Münchner Ötzi-Experte untersucht nun auch drei Mumien aus Waldhausen.

In der Gruft unterhalb des ehemaligen Chorherrenstiftes Waldhausen (Bezirk Perg) befinden sich drei (Teil-) Mumien, die bislang nicht öffentlich zugänglich waren. Für ihre naturwissenschaftlich-medizinische Untersuchung konnten nun der Münchner Pathologe und Mumienexperte Prof. Andreas Nerlich und der Rechtsmediziner Prof. Oliver Peschel, Konservierungsbeauftragter für die Eismumie „Ötzi“, gewonnen werden.

 

Dieses Team war bereits 2017/2018 für die Befundung der Mumie aus St. Thomas am Blasenstein, des sogenannten „Luftgselchten Pfarrers“, zuständig. In diesem Fall konnte zum einen die Identität des Toten geklärt werden und zum anderen der Nachweis für einfache Balsamierungsmaßnahmen erbracht werden.

Gewisse Ähnlichkeiten

Die Mumien aus Waldhausen sind nicht so gut erhalten wie die prominente Mumie aus St. Thomas, da während der NS-Zeit die Gruft verwüstet wurde und so z. B. die einst vorhandenen Textilien größtenteils verloren sind. Erste naturwissenschaftliche Untersuchungen durch Dr. Bernhard Mayer (Wien) im Jahr 2001 konnten die Ursache für die Mumifizierung nicht klären. Da zwischen den Mumien aus Waldhausen und jener aus St. Thomas, deren Kirche von den Waldhausener Mönchen betreut wurde, gewisse Ähnlichkeiten bestehen, werden die Ergebnisse mit Spannung erwartet.

 

Die Waldhausener Mumien wurden am 7. Juni 2019 nach München gebracht, wo sie den Sommer über untersucht werden. Nach ihrer Rückkehr sollen sie in einem anderen Teil der Kirchengruft auch im Rahmen von Führungen zu besichtigen sein. Bei der künftigen Präsentation soll behutsam vorgegangen werden, denn die Darstellung eines toten Körpers sollte ja gerade dem Bewusstmachen und der Wissensförderung zu den meist so unbeliebten Themen Tod und Vergänglichkeit dienen.

Unterstützung

Die Unterstützung der Münchner Wissenschaftler bei der Befundung sowie den begleitenden konservatorischen Maßnahmen an den Mumien bedeutet ein großes Entgegenkommen für die Pfarre Waldhausen. Ermöglicht wird dies durch die finanzielle Unterstützung des Vereins „Archäomedizin – Förderverein für interdisziplinäre Paläopathologie e. V.“ in München. Begleitet werden die Maßnahmen durch das Kunstreferat/Diözesankonervatorat der Diözese Linz.