© Nagl Matthias

Chronik Oberösterreich
01/26/2019

Moderne statt Luxus auf 2740 Metern

Der Alpenverein hat aus Oberösterreichs höchstgelegenem Haus bewusst kein Berghotel gemacht und setzt auf Reduktion.

von Matthias Nagl

Bei der offiziellen Eröffnung heute, Samstag, muss die Seethaler Hütte am Dachstein mit ihren inneren Reizen glänzen. Bei Schneefall und Wind werden die Teilnehmer von der beeindruckenden Umgebung der Schutzhütte nämlich nur wenig mitbekommen.

Was für die hochkarätige Gästeschar Pech ist, ist für die innerhalb von zwei Sommern komplett neu gebaute Hütte auf 2740 Metern Seehöhe Selbstzweck. Sie soll vor allem Schutz bieten und für Bergsteiger Basis für Klettertouren im Dachsteinmassiv sein.

Jetzt auch im Winter. Seit Weihnachten ist die Hütte in Betrieb. „Bisher war noch nicht viel los“, erzählt Hüttenwirt Wilfried Schrempf, der 22 Schlafplätze in drei Lagern anbietet. Aufgrund der heftigen Schneefälle zu Jahresbeginn hat Schrempf auch die erste ungeplante, zweiwöchige Schließung des Neubaus schon hinter sich: „Es hat ein bissl geschneit.“

Futuristisch

Der zwei Millionen teure Neubau ist für den Ganzjahresbetrieb konzipiert, erstmals in der 90-jährigen Geschichte der Hütte. Das ist eine Herausforderung, schließlich will der Alpenverein die Hütte auch ganzjährig umweltfreundlich betreiben.

Und am Gletscher herrschen auch an schönen Wintertagen Verhältnisse wie am Freitag bei der Medienführung durch die Hütte: Minus 18 Grad Außentemperatur, Sonnenschein, aber eisig kalter Wind aus Nordwest.

Diesen unwirtlichen Bedingungen wurde beim Bau auch alles untergeordnet. So steht nun zwischen Hohem Dachstein und den Dirndln ein futuristisch anmutender Bau – der Alpenverein hatte für den Bau einen Architekturwettbewerb ausgeschrieben.

Innen hat auch der Neubau Schutzhüttenflair.

Innen hat auch der Neubau Schutzhüttenflair.

Innen hat auch der Neubau Schutzhüttenflair.

Funktion bestimmt Aussehen

Dieses Aussehen ist im Vorfeld nicht nur auf Begeisterung gestoßen. „Es hat ein Shitstörmchen gegeben“, sagt Fritz Macher, Vorsitzender der Alpenvereinssektion Austria, die die Hütte betreibt. Richard Goldeband, technischer Hüttenreferent der Sektion Austria, sagt: „Immer, wenn etwas Neues entsteht, ist die Hälfte dafür und die Hälfte dagegen. Das Aussehen einer Hütte hängt stark davon ab, wo sie steht.“

Tatsächlich fügt sich das Gebäude mit seiner Metallhülle farblich besser in die Umgebung aus Stein und Eis als ein klassischer Bau aus Lärchenschindeln. Auch an der Form entzündete sich Kritik, die ergibt sich aber aus der Funktion. Die Südwand ist etwa um 15 Grad geneigt, das liegt am optimalen Einfallswinkel für die Sonnenkollektoren, dem wichtigsten Energielieferanten im Winter.

In der neuen Hütte gibt es deutlich mehr Strom, Warmwasser und Tageslicht als in einer althergebrachten Schutzhütte. Auf großen Komfort verzichtet der Alpenverein aber. Bewusst, wie Peter Kapelari, Generalsekretär-Stellvertreter des ÖAV sagt: „Wir setzen auf Innovation durch Reduktion.“

Erwartungen bremsen

Macher berichtet vom Spannungsfeld, in dem sich die alpinen Vereine befinden. Früher sei es auf Kletterkursen normal gewesen, dass nach zwei, drei Tagen nicht mehr alle ganz frisch gerochen haben. Weil das heute nicht mehr so ist, wird es auf der neuen Seethaler Hütte auch eine Dusche geben – allerdings nur im Sommer.

Das Wasser wird wie das Trinkwasser vom Dach gesammelt und mittels UV-Bestrahlung gereinigt. „Heute werden Kursteilnehmer manchmal fast schon ungehalten, wenn es nach zwei Mal Duschen heißt, wir müssen Wasser sparen“, erzählt Macher.

Da habe man als alpiner Verein quasi auch einen Bildungsauftrag. „Mit der einfachen Erwartung an die Hütten müssen wir die Bergsteiger auf den Boden der Tatsachen zurückholen.“

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