Chronik | Oberösterreich
14.10.2018

Mit dem Pferd zur Ruine Prandegg

Mühlviertler Alm. Die zweitgrößte Burg Oberösterreichs ist ein beliebtes Ziel von Reitern und Wanderern

Lang ist es her, dass die Burg Prandegg in der Gemeinde Schönau (Bez. Freistadt) ein Zentrum adeliger Grundherrschaft war und ein repräsentativer Wohnsitz sowie Verwaltungs- und Wirtschaftszentrum. Mit dem Pferd waren damals ausschließlich adelige Ritter unterwegs. Wir machen an einem strahlenden Herbstsonntag als Wanderreiter hier Rast. Nach einem zweistündigen Genussritt vom Reitpark Gstöttner in Schönau genießen wir die Lage dieses Ortes.

Ludwig Kriechbaumer hat vor 30 Jahren den Reitpark gegründet und seinen Hof von Rinder- auf Pferdehaltung umgestellt. Eingebettet in das 700 Kilometer lange Wanderreitnetz der Mühlviertler Alm ist er ein idealer Ausgangspunkt für einen Ausritt in die umgebende reizvolle Hügellandschaft. „Reitfreunde aus ganz Europa schätzen mittlerweile unser besonderes Ambiente. So sind Edeltraud aus Leipzig und Esther aus Berlin hier bereits seit mehr als 20 Jahren Stammgäste.“

Blick in die Alpen

Sicher tragen uns die Wallache Branco und Arthur auf bestens markierten Wiesen- und Waldwegen durch die Landschaft. Rasch haben wir uns mit ihnen angefreundet. So bewegen wir uns in harmonischem Einklang mit den Tieren in sanftem Trab und spritzigem Galopp weiter. Immer wieder ergeben sich Ausblicke weit in die Region und darüber hinaus bis in die Alpen. Schließlich erreichen wir die auf einem Höhenrücken im Waldaisttal gelegene zweitgrößte Burgruine Oberösterreichs. Unsere Tiere lassen wir unterhalb der Burg grasen. Die Burgtaverne ist voller Gäste, die in der Herbstsonne den einmaligen Ausblick genießen. Wirt Franz Leitner hat vor zehn Jahren die Taverne als Ruine übernommen und zu einem gastronomischen Gustostückerl ausgebaut. Sein Credo: „Ob hungrig, durstig, müde oder einfach lebenslustig und voller Tatendrang: Hier direkt unterhalb der Ruine Prandegg findet jeder, wonach er sucht.“ Neben Tauf- und Hochzeitsfeiernden finden Johannesweg-Pilger Unterkunft in gemütlichen Pilgerkojen.

Besitzer wechselten

Zur Begrüßung drückt er uns ein ofenfrisches Brotweckerl in die Hand. Immer an Wochenenden bäckt er in einem historischen Backofen köstliches Bauernbrot. Während unsere Pferde auf der Wiese grasen, verzehren wir mit Genuss ein Kotelett. Burgführer Berthold Moser: „Ab dem 12. Jahrhundert wechselten mehrmals die Besitzer, die aus bedeutenden Rittergeschlechtern stammten. Von 1534 bis 1631 gehörte sie den mächtigen Jörgern und wurde in den Urkunden als „stark und wohlversehen“ beschrieben. Die nachfolgenden Scherffenberger und Salburger ließen Prandegg unbewohnt. So verfiel die Burg rasch und wurde schon 1786 als Ruine bezeichnet. 1823 ging sie in den Besitz der Herzöge von Sachsen-Coburg über und blieb es bis heute. Seit 1996 arbeitet der Burgverein Prandegg mit vielen freiwilligen Helfern an der Erhaltung der Burg.“ So können wir auf den 26 Meter hohen Rundturm steigen und die Aussicht über das Mühlviertel bis zum Großen Priel und zum Ötscher genießen.

Josef Leitner ist Universitätslektor und besucht mit seinem Reisemobil interessante Plätze der Kultur und Natur