12.02.2013, Laakirchen, MIBA, Bild zeigt Peter Mitterbauer, Foto Alfred Reiter

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Miba AG
02/16/2013

"Zukunft liegt in der Technologie"

Peter Mitterbauer übergibt Anfang Juli das Unternehmen, das „finanziell sehr gut dasteht“, an seinen 38-jährigen Sohn. Im globalisierten Wettbewerb sieht er Österreichs Chancen vor allem in der Technologie und in der Leistungsbereitschaft.

von Josef Ertl

Die Miba AG ist ein Auto-Zulieferunternehmen. 4000 Mitarbeiter produzieren an 20 Standorten in elf Ländern. Der Umsatz betrug 2011/12 rund 600 Mio. bei einem Ergebnis vor Zinsen und Steuern von 67 Mio. Euro.

KURIER: Papst Benedikt XVI. ist zurückgetreten. Was waren Ihre Gedanken?
Peter Mitterbauer: Respekt. Ich war sehr beeindruckt, dass jemand mit der Verantwortung und der Bedeutung selbst zum Schluss kommt, dass die Erfordernisse seine Kräfte übersteigen. So einen Fall hat es in der Kirchengeschichte noch nie gegeben. Nur Papst Coelestin V. ist im 13. Jahrhundert nach fünf Monaten zurückgetreten. Das war allerdings aus Gründen der Überforderung.

Welche Erwartungshaltung haben Sie gegenüber seinem Nachfolger?
Es wird zu einer grundsätzlichen Auseinandersetzung kommen zwischen den Konservativ-Reaktionären, die sagen, es soll alles so bleiben wie es immer war, und denjenigen, die die Themen setzen, die die Welt bewegen. Es ist nur wünschenswert, dass sich jene, die die Probleme der ganzen Welt sehen wie das Bevölkerungswachstum oder die Geburtenkontrolle, sich ins Gespräch miteinbringen. Es sollen Fragen fortgesetzt werden, die das II. Vatikanische Konzil eingeleitet hat. Dabei dürfen wir eines nicht vergessen. Wir messen in der Wirtschaft in wesentlich kürzeren Zyklen als die Kirche. Das wird weiterhin ein großes Spannungsfeld bleiben.

Sie übergeben Ihr Unternehmen Anfang Juli an Ihren Sohn.
Das ist das Ergebnis eines jahrelangen Prozesses, bei dem der Aufsichtsrat gemeinsam mit mir die Nachfolge vorbereitet hat. Das Unternehmen ist enorm gewachsen. Wir sind zur Entscheidung gekommen, dass mein Sohn die Eignung, die Reife und die Fähigkeiten hat. Wir haben eine Mannschaft, die unter seiner Führung den Erfolgsweg fortsetzen kann. Er wird jetzt 38 und ist schon lange im Unternehmen.

Worauf sind Sie im Rückblick stolz?
Stolz bin ich auf das Bekenntnis zur Technologieführerschaft. Das permanente Suchen nach neuen Anwendungen und Verbesserungen, die Suche nach neuen Verfahren, das Finden neuer Märkte. Das hat das Unternehmen seit der Gründung durch meinen Vater geformt. Das Streben nach Alleinstellungsmerkmalen, das Besser sein als der Wettbewerb. Dazu kam die Globalisierung der Wirtschaft. Wir hatten immer eine Exportquote von 80 bis 90 Prozent. Die Hälfte der mehr als 4000 Mitarbeiter sind außerhalb Österreichs. Die Expansion erfolgte entweder durch Aquisitionen oder durch den Aufbau neuer Produktionsstätten. Das ist nicht zu Lasten, sondern zugunsten der österreichischen Standorte gegangen. Wenn wir die Internationalisierung nicht gemacht hätten, hätten sich die österreichischen Standorte nicht so entwickelt. Worauf ich auch stolz bin, ist die Entwicklung unserer Mitarbeiter. Das ist der Schlüssel. Für ein Unternehmen braucht man einmal die Idee und die Kraft, es voranzutreiben, den Unternehmergeist. Weiters benötigt man dazu Menschen und Geld. Geld ist nicht so schwierig aufzutreiben wie parallel dazu Mitarbeiter zu finden, zu halten und zu entwickeln. Das ist ein langjähriger Prozess. Ganz entscheidend ist die Lehrlingsausbildung. Die Miba hat sicher eines der besten Lehrlingsausbildungssysteme. Ein Drittel unserer 2000 Mitarbeiter in Österreich haben als Lehrlinge begonnen. Wir haben auch sehr viel für die begleitende Ausbildung unserer Führungskräfte gemacht. Die Miba hat auch immer sehr viel investiert in die Forschung und in die Entwicklung von modernen Produktionsanlagen und in Kapazitätserweitrungen. Ende der 1980er-Jahre habe ich auf deren Wunsch die Anteile meiner Geschwister gekauft. Es war dann ein Familienunternehmen, das auch an der Wiener Börse notiert. Das hat dem Unternehmen aus Transparenzgründen sehr geholfen.

Wirtschaft und Industrie beklagen einen Fachkräftemangel. Spüren Sie ihn?
Natürlich hätte man gern immer mehr hochqualifizierte Leute. Bei uns ist es nicht so kritisch, weil wir durch die Lehrlingsausbildung sehr guten Nachwuchs haben. Es ist auch wichtig, dass man von den HTL, den Fachhochschulen und den technischen Universitäten Absolventen findet, für die das Unternehmen interessant bleibt.
Wir haben eine junge Mannschaft, unser Durchschnittsalter liegt bei 37 Jahren. Wir gehen aber auch mit unseren älteren Mitarbeitern sehr, sehr pfleglich um.

Sie haben Produktionsstandorte rund um die Welt. Welche Erfordernisse erwachsen durch die zunehmende Konkurrenz aus Asien für Österreich?
Wir erwarten für Europa in absehbarer Zeit kein bedeutendes Wachstum. Die Wachstumsregion ist für unseren Bereich der Ferne Osten. Wir verdreifachen unsere Produktionsfläche in China auf 25.000 Quadratmeter. Hier sind unsere Hauptentwicklungspartner wie der VW-Konzern unglaublich erfolgreich unterwegs. Audi verkauft bereits ein Drittel seiner Autos in China. Wir sind aktiv in Indien, das ein ganz anderer Markt ist. Der andere Schwerpunkt sind die USA, die im Begriff sind, sich zu reindustrialisieren. Sie wollen die Jobs, die ausgelagert wurden, wieder zurückholen. Wir sind auch aktiv in Brasilien. Diese Schritte erfolgten auch deshalb, weil unsere Kunden, die europäische Autoindustrie, sehr stark in diese Ländern gegangen sind. Aber auch die amerikanische Autoindustrie mit den großen Firmen Ford, General Motors oder Chrysler braucht moderne Technologien, um die Anforderungen von weniger Verbrauch und weniger Schadstoffausstoß erfüllen zu können. Darum bauen wir auch in den USA stark aus.

Die Schwellenländer werden immer stärker. Wie können wir uns wappnen?
Wir müssen in Europa erkennen, dass unsere Zukunft sehr stark im Bereich der Technologie und in der Leistungsbereitschaft liegt. Die Frage wird sein, wie sehr sich Europa und Österreich den Luxus eines übertriebenen Wohlfahrtsstaates leisten kann.

Was ist Ausdruck dieses übertriebenen Wohlfahrtsstaates?
Dass es für viele Menschen nicht sehr attraktiv ist zu arbeiten. Auf der einen Seite erhalten sie soziale Unterstützung, auf der anderen Seite gehen sie pfuschen. Damit zeigen sie jenen, die arbeiten, die lange Nase. Es gibt zu viele einengende Vorschriften. Zum Beispiel bei den Arbeitszeiten, den Kontrollen durch die Arbeitsinspektoren. Es gibt ein zunehmendes Misstrauen gegenüber der Wirtschaft und einzelnen Unternehmen, dass Leute ausgebeutet werden. Das ist nicht gut. Wir als Führungskräfte und Unternehmer werden als Blutsauger und Ausbeuter hingestellt. Wir brauchen mehr private Initiative, der geschützte Bereich wurde in den vergangenen Jahren zu stark ausgebaut.

Eine Führungspersönlichkeit wie Sie geht nicht von heute auf morgen in den Ruhestand. Was werden Sie machen?
Ich bin ja aus der Miba nicht weg. Man wird mich vielleicht hin und wieder um Rat fragen. Ich mache das aber nur, wenn ich ausdrücklich gefragt werde. Ich habe auch einige Aufsichtsratsmandate in verschiedenen Firmen. Ich bin Vorsitzender des Aufsichtsrates der ÖIAG. Meine Periode dort endet im Mai 2014. Damit ist für mich das Kapitel ÖIAG nach acht Jahren vorbei. Ich habe außerdem viele private Interessen, denen ich nachgehen werde.