„Meine Freiheit ist mir viel wert“

Siegfried Fürst hält Mutterkühe, bäckt Brot und produziert Kekse, Nudeln und Müsli.

Siegfried
Fürst im neuen, gekühlten Lagerraum für  Getreide und Getreideprodukte.  Unter anderem  Dinkel,  Fünf-Korn-Flocken und Linsen. In den Händen hält er das Brot, das er bäckt. Die Getreidemühle Burli ist der Name des 1100 kg  schweren Deckstiers. Müsli und Nudeln sind Produkte seiner Mühlviertler Biospezereien.

Siegfried Fürst ist ein außergewöhnlicher  Bauer. Die Freiheit ist ihm das Wichtigste. „Ich kann tun, was mich freut. Das ist vielleicht wirtschaftlich nicht von so großem Vorteil, für mich persönlich aber schon. Das ist das Schöne im Leben, obwohl ich alleine bin.“

Der 55-Jährige lebt mit seiner Mutter auf dem Hof in Möhringdorf 8 bei Neumarkt im Mühlkreis.  Warum hat er nie geheiratet? Das ist doch ungewöhnlich für einen  Bauern? „Meine Eltern   waren sehr glücklich. Soll ich jetzt einen Schritt zurück machen?“ Er habe noch nie eine längere Beziehung gehabt, „ich habe immer schon nach ein, zwei Monaten gewusst, dass es nicht passt“.  Er habe beobachtet, dass viele Paare zusammenblieben, obwohl sie nicht zufrieden  seien.  Sie nähmen eher die Unzufriedenheit in Kauf als alleine zu sein.


Immer etwas Neues

Auch in seiner Arbeit will er „etwas ganz anderes, immer wieder Neues, weil es interessant ist“.   Seine Eltern haben den 37-Joch-Hof  noch  im Vollerwerb geführt, dazu kommen rund 20-Joch-Wald. Er hat  sich auf die Mutterkuh-Haltung spezialisiert, die rund 20 Stück Vieh  sind von April bis Anfang   November auf der Weide.  Dazu baut er noch Weizen, Roggen, Dinkel und Erdäpfel an. Alles ist bio.  Die Landwirtschaft bringt  rund 40 Prozent des Erlöses, 60 Prozent das Nebengewerbe. Seit Jahren bäckt er  Bio-Dinkel- und Vollkornbrote, weiters produziert er Nusskipferl, Mohn- und Dinkel-Vollkornkekse, rund 600 bis 700 Kilogramm im Jahr.

Weiters stellt er die verschiedensten Müsli-Sorten her. So zum Beispiel  Bio-Honig- oder Schokomüsli. Unter der Marke „Mühlviertler Spezereien“ beliefert er verschiedene Märkte,  dienstags und freitags den Winkler-Markt in Linz-Aufhof. Regelmäßig fährt er auch in die Spar-Zentrale in Marchtrenk. „Als ich dort das erste Mal mit meinem   Autoanhänger  aufgekreuzt bin, haben sie gelacht.“ Er werde  aber wegen seiner regionalen Produkte sehr geschätzt, „ich bin  angenehm überrascht, wie gut das funktioniert“.

80 Arbeitsstunden

Die  Mutter findet, dass der Siegi sehr viel arbeitet.  Wenn er am nächsten Tag Brot ausliefert,  beginnt er um 17.30 Uhr mit der Teigherstellung. Die letzten Brote sind gegen 23 Uhr fertig, erst gegen Mitternacht ist für ihn Feierabend. Pro Woche kommt er auf  80 Arbeitsstunden. Das stört ihn nicht,  Fernsehen ist sowieso nicht seine Sache. In der Stube steht auch kein TV-Apparat. Wenn ihn eine Sendung  interessiert, schaut er  sie im Internet an. Die Stube dient auch als Büro. Computer, Drucker, Schreibtische und Ordner füllen den halben Raum.

Siegried Fürst  ist nicht nur fleißig, sondern auch technisch begabt. Er fährt in keine  fremden Werkstätten, er macht alles selbst.  Er installiert die Stromleitungen, zeichnet Pläne   und baut  die Schaltkästen. Die Reparaturen und das Service an den Maschinen macht er selbst. „Wenn eine Bohrmaschine  bricht, zerlege ich sie, weil es mich interessiert, warum sie nicht mehr funktioniert.“
 Dadurch spart er viel Geld. Drei Werkstätten hat  sich der Tüftler zu Hause eingerichtet: eine Eisen-,  eine Holz- und eine  Elektrowerkstatt.

Mit Geld kann er umgehen. Obwohl er  den gesamten Hof umgebaut hat, musste er dafür keinen Kredit aufnehmen. „Ich investiere nur so viel Geld, wie ich  habe. Ich habe noch nie Schulden gemacht. Weil ich keine Außenstände habe, bin ich nicht gezwungen, etwas zu tun, sondern ich kann etwas tun.“ So hat er sich seine Unabhängigkeit gesichert.

Der 55-Jährige weiß genau, wie es  langfristig weitergehen soll. Der ehemalige Heuboden wird in einen großen Wirtsraum umgebaut.  An einem Ende  will er eine Hofbrauerei  hinstellen.  Große Fenster sollen den  Gästen  den Blick auf die  auf den umliegenden Wiesen  grasenden Tiere  ermöglichen.  „Die Gäste sollen Spaß und Freude haben.“ Der Parkplatz  ist   auf anreisende  Busse ausgerichtet.   Vier bis fünf Mitarbeiter möchte er in Zukunft beschäftigen. „Dass wer da ist, sonst bin ich allein. Außerdem tue ich in 30 Jahren noch was.“ Dann ist er 85.

(Kurier) Erstellt am
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