Chronik | Oberösterreich
19.01.2013

„Meine Freiheit ist mir viel wert“

Siegfried Fürst hält Mutterkühe, bäckt Brot und produziert Kekse, Nudeln und Müsli.

Siegfried Fürst ist ein außergewöhnlicher Bauer. Die Freiheit ist ihm das Wichtigste. „Ich kann tun, was mich freut. Das ist vielleicht wirtschaftlich nicht von so großem Vorteil, für mich persönlich aber schon. Das ist das Schöne im Leben, obwohl ich alleine bin.“

Der 55-Jährige lebt mit seiner Mutter auf dem Hof in Möhringdorf 8 bei Neumarkt im Mühlkreis. Warum hat er nie geheiratet? Das ist doch ungewöhnlich für einen Bauern? „Meine Eltern waren sehr glücklich. Soll ich jetzt einen Schritt zurück machen?“ Er habe noch nie eine längere Beziehung gehabt, „ich habe immer schon nach ein, zwei Monaten gewusst, dass es nicht passt“. Er habe beobachtet, dass viele Paare zusammenblieben, obwohl sie nicht zufrieden seien. Sie nähmen eher die Unzufriedenheit in Kauf als alleine zu sein.


Immer etwas Neues

Auch in seiner Arbeit will er „etwas ganz anderes, immer wieder Neues, weil es interessant ist“. Seine Eltern haben den 37-Joch-Hof noch im Vollerwerb geführt, dazu kommen rund 20-Joch-Wald. Er hat sich auf die Mutterkuh-Haltung spezialisiert, die rund 20 Stück Vieh sind von April bis Anfang November auf der Weide. Dazu baut er noch Weizen, Roggen, Dinkel und Erdäpfel an. Alles ist bio. Die Landwirtschaft bringt rund 40 Prozent des Erlöses, 60 Prozent das Nebengewerbe. Seit Jahren bäckt er Bio-Dinkel- und Vollkornbrote, weiters produziert er Nusskipferl, Mohn- und Dinkel-Vollkornkekse, rund 600 bis 700 Kilogramm im Jahr.

Weiters stellt er die verschiedensten Müsli-Sorten her. So zum Beispiel Bio-Honig- oder Schokomüsli. Unter der Marke „Mühlviertler Spezereien“ beliefert er verschiedene Märkte, dienstags und freitags den Winkler-Markt in Linz-Aufhof. Regelmäßig fährt er auch in die Spar-Zentrale in Marchtrenk. „Als ich dort das erste Mal mit meinem Autoanhänger aufgekreuzt bin, haben sie gelacht.“ Er werde aber wegen seiner regionalen Produkte sehr geschätzt, „ich bin angenehm überrascht, wie gut das funktioniert“.

80 Arbeitsstunden

Die Mutter findet, dass der Siegi sehr viel arbeitet. Wenn er am nächsten Tag Brot ausliefert, beginnt er um 17.30 Uhr mit der Teigherstellung. Die letzten Brote sind gegen 23 Uhr fertig, erst gegen Mitternacht ist für ihn Feierabend. Pro Woche kommt er auf 80 Arbeitsstunden. Das stört ihn nicht, Fernsehen ist sowieso nicht seine Sache. In der Stube steht auch kein TV-Apparat. Wenn ihn eine Sendung interessiert, schaut er sie im Internet an. Die Stube dient auch als Büro. Computer, Drucker, Schreibtische und Ordner füllen den halben Raum.

Siegried Fürst ist nicht nur fleißig, sondern auch technisch begabt. Er fährt in keine fremden Werkstätten, er macht alles selbst. Er installiert die Stromleitungen, zeichnet Pläne und baut die Schaltkästen. Die Reparaturen und das Service an den Maschinen macht er selbst. „Wenn eine Bohrmaschine bricht, zerlege ich sie, weil es mich interessiert, warum sie nicht mehr funktioniert.“
Dadurch spart er viel Geld. Drei Werkstätten hat sich der Tüftler zu Hause eingerichtet: eine Eisen-, eine Holz- und eine Elektrowerkstatt.

Mit Geld kann er umgehen. Obwohl er den gesamten Hof umgebaut hat, musste er dafür keinen Kredit aufnehmen. „Ich investiere nur so viel Geld, wie ich habe. Ich habe noch nie Schulden gemacht. Weil ich keine Außenstände habe, bin ich nicht gezwungen, etwas zu tun, sondern ich kann etwas tun.“ So hat er sich seine Unabhängigkeit gesichert.

Der 55-Jährige weiß genau, wie es langfristig weitergehen soll. Der ehemalige Heuboden wird in einen großen Wirtsraum umgebaut. An einem Ende will er eine Hofbrauerei hinstellen. Große Fenster sollen den Gästen den Blick auf die auf den umliegenden Wiesen grasenden Tiere ermöglichen. „Die Gäste sollen Spaß und Freude haben.“ Der Parkplatz ist auf anreisende Busse ausgerichtet. Vier bis fünf Mitarbeiter möchte er in Zukunft beschäftigen. „Dass wer da ist, sonst bin ich allein. Außerdem tue ich in 30 Jahren noch was.“ Dann ist er 85.