Chronik | Oberösterreich
09.04.2017

Massenausbruch mit Messern geplant

Bei Großrazzia in Oberösterreich wurden auch Sturmhauben in den Zellen entdeckt.

94 Justizwachebeamte stürmten am Samstag gegen fünf Uhr Früh die Justizanstalt Garsten. Die Zellen der knapp 360 Insassen wurden von oben bis unten durchsucht. "Es wurden mehrere Sturmhauben und zugeschnittene Speisemesser sichergestellt", berichtete General Josef Schmoll vom Justizministerium dem KURIER:"Da war jedenfalls etwas handfestes dahinter, dabei waren sicherlich mehr als zehn Personen beteiligt."

Bei Gefängnisausgang

Am Samstag und Sonntag waren noch zahlreiche Verhöre mit Insassen angesetzt. Offenbar war geplant, bei einem Ausgang im Freien eine Massenschlägerei anzufangen und dann die Wachen zu überwältigen. Im Laufe des Tages stellte sich dann heraus, dass weit mehr Personen in den Plan eingeweiht waren. Die genaue Zahl soll nun ermittelt werden. Bereits am Samstag wurden laut Schmoll mehrere Insassen in die zwei anderen Hochsicherheits-Anstalten in Stein und Graz-Karlau verlegt (siehe auch Zusatzbericht); weitere waren für das Wochenende geplant.

Laut ersten Befragungen dürfte der Angriff kurz bevor gestanden sein, Schmoll sprach von mehreren involvierten Gruppen. Die Osterferien mit möglicherweise geringerer Besetzung der Wachen wären sicherlich ein guter Zeitpunkt gewesen. Die Justiz reagierte deshalb rasch und schlug in aller Früh zu. Die Beamten hatten offensichtlich im Vorfeld einen Tipp bekommen.

Zur Verstärkung wurde laut Schmoll die so genannte Justizeinsatzgruppe eingesetzt, die für brenzlige Situationen in den Gefängnissen zusammengestellt worden ist und deshalb etwa auch Taser zur Verfügung hat. Bei der Razzia waren Beamte aus mehreren Bundesländern, etwa Wien und NÖ, im Einsatz.

Drogenvorfälle im Dezember

Die Justizanstalt Garsten hatte erst im Dezember für Schlagzeilen gesorgt. Damals waren über mehrere Tage verteilt drei Personen mit Rauschgift-Überdosen ins Spital gebracht werden. Vermutet wurde damals, dass die Droge Spice in das Gefängnis eingeschmuggelt wurde.

Auch ein kurz zuvor entlassener Insasse hatte damals zum KURIER gesagt, dass "es in Garsten aktuell drunter und drüber geht, weil viele Drogen, aber auch Mobiltelefone" in dem Gefängnis kursieren. Darüber hinaus war es rund um die Rauschgiftvorfälle auch zu einem Selbstmordversuch mit einem eingeschmuggelten Stanleymesser gekommen. Ein Zusammenhang soll nicht bestanden haben, hieß es damals.