Verträge enthüllt: Wie die Linz AG den Spitzensport und die VIPs fördert

Der Infrastrukturkonzern Linz AG bedient die Großklubs LASK, Blau-Weiß und Black Wings mit üppigen Geldsummen. Das sorgt intern für wachsende Kritik. Streng vertrauliche Dokumente offenbaren brisante Details.
FUSSBALL/ADMIRAL BUNDESLIGA/TESTSPIEL: BLAU-WEISS LINZ - PSV EINDHOVEN

Linz kämpft – wie viele andere Städte und Kommunen – mit hohen Schulden und leeren Kassen. Im Herbst wurde ein Schuldenstand jenseits der 1-Milliarde-Euro-Grenze publik, der ein Sparpaket für die nächsten Budgets unvermeidlich macht. Fast zeitgleich durfte der Linzer Fußball-Bundesligist Blau-Weiß in aller Öffentlichkeit jubilieren: Der einst marode Krisenklub sei nicht nur schuldenfrei, sondern weise sogar ein positives Eigenkapital von 335.000 Euro auf. Nicht dazugesagt wurde freilich, dass just die öffentliche Hand – und damit die schuldengeplagten Linzer – dieses „Wunder“ vollbracht haben, denn aus Kanälen der Stahlstadt fließen üppige Geldbeträge an Blau-Weiß.

Als der KURIER im Oktober 2025 die hohen Sponsormittel kommunaler Betriebe an die Klubs LASK und Blau-Weiß offenlegte, war die Aufregung im Land ob der Enns groß. Weil damit selbst Großklubs wie Rapid in den Schatten gestellt werden. Mittlerweile gibt es nicht nur neuere Zahlen, die noch höhere Zuwendungen ausweisen, sondern auch Aussagen von Insidern, die sich mit streng vertraulichen Unterlagen an den KURIER gewandt haben.

3,2 Mio. für Blau-Weiß

Die Linz AG – zu 100 Prozent in Besitz der drittgrößten Stadt Österreichs – gilt mittlerweile als größter öffentlicher Sportsponsor Österreichs. Das untermauern die aktuellsten Daten des Telekomregulierers RTR aus der vergangenen Saison 2024/25: Blau-Weiß erhielt vom Infrastrukturdienstleister, der als Haupt- und Brustsponsor agiert, satte 3,18 Millionen Euro; der LASK lukrierte von seinem „Mobilitätspartner“ 1,03 Millionen. Aber nicht nur der grüne Rasen, sondern auch das glatte Eisparkett wurde von der Linz AG mit Geld geflutet: Auf die Hockey-Cracks der Black Wings entfielen 2,32 Millionen aus den Töpfen ihres „Leading Partners“.

Um die Summen einzuordnen, lohnt ein Blick nach Wien, wo die Stadt ebenfalls hohe Beträge bereitstellt: Rekordmeister Rapid erhielt von Hauptsponsor Wien Energie 2,69 Millionen, die Vienna Capitals „nur“ 560.000 Euro an Sponsorzuwendungen öffentlicher Institutionen.

Zurück nach Linz: Während der LASK ein Dutzend Stellen bei Stadt und Land anzapft und sich so mit 4,57 Millionen Euro die höchste Summe aller Bundesliga-Klubs holte, ist der kleinere Stadtrivale von der Linz AG de facto abhängig. Nennenswerte weitere Geldbeträge kommen nämlich nur von der Firma Liwest (314.000) – und das ist eine Tochter der Linz AG. Auffällig ist die Einkünfte-Situation des heuer akut abstiegsbedrohten Schlusslichts Blau-Weiß: Laut Jahresabschlussdaten der Bundesliga kommen fast 30 Prozent der gesamten Erträge (12,2 Millionen/siehe Grafik) allein aus den Töpfen des Linz-AG-Konzerns. Eine derartige Abhängigkeit erinnert fast schon an den früheren Werksklub SK Vöest (Meister 1974), in dessen Tradition sich Blau-Weiß ja sieht.

Grafik

Intern erregt das großzügige Sponsoring längst Unmut: So wandten sich (namentlich bekannte) Insider aus der Linz AG an den KURIER, um das eigene Engagement massiv zu kritisieren: „Wir sind zu einer Art Sport-Bankomat geworden, wo ohne echte Kontrolle riesige Beträge verteilt werden, denen kein Gegenwert gegenübersteht“, heißt es. Denn die Linz AG sei im oö. Zentralraum als Quasi-Monopolist de facto nicht am freien Markt aktiv – ergo seien die Marketingmittel in dieser Höhe nicht zu rechtfertigen. „Es sind immerhin die Kundengelder. Und die Mittel fehlen dann ja auch im Stadt-Budget.“

++ ARCHIVBILD ++ OLG KIPPT DIVERSION FÜR LINZER EX-BÜRGERMEISTER LUGER

Blau-Weiß-Fan Klaus Luger: Ex-Bürgermeister und Ex-Aufsichtsratschef der Linz AG. 

Rotes Duo Haider/Luger

Hinzu käme eine politische und persönliche Dimension: Blau-Weiß gilt seit jeher als „linker“ Klub und verfügt daher über beste Verbindungen zur roten Stadt- und Landespolitik. Die zentralen Akteure auf dem Spielfeld: Linz-AG-Chef Erich Haider als langjähriger roter Ex-Landesparteichef – und Ex-SP-Bürgermeister Klaus Luger (im Zuge der Brucknerhausaffäre 2024 zurückgetreten und nunmehr wieder angeklagt), der als bekennender blau-weißer Edelfan zugleich als Aufsichtsratschef der Linz AG fungierte.

Beide sollen dieses Sport-Fördersystem mit immer höheren Beträgen „erfunden“ haben, wobei die jeweiligen Sponsorverträge „nie extra durch den Aufsichtsrat“ mussten, „sondern immer nur mit dem gesamten Marketingbudget abgenickt wurden“, wird kritisiert. Dazu spiele auch die frühere Arbeiterkammer-Spitze Johann Kalliauer (jetzt BW-Vorstand) und Josef Peischer (Linz-AG-AR) den Doppelpass.

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Erich Haider: Direktor der Linz AG, vormals unter anderem Landeshauptmann-Stellvertreter von Oberösterreich (SPÖ). 

Die dem KURIER vorliegenden Sponsorverträge zeigen etliche pikante Aspekte:

  • „Soziale“ Klub-Rettung: Vor sieben Jahren stand der damalige Zweitligist Blau-Weiß kurz vor der Pleite (und damit vor dem Zwangsabstieg in den Amateurfußball). Um die Liquidität sicherzustellen, sprang die Linz AG gleich doppelt ein: Zunächst flossen im Herbst 2019 190.000 Euro, danach gab es eine weitere Finanzspritze über 915.000 Euro an den Klub. Wie das? Erstere Zahlung wurde abseits bestehender Vereinbarungen als „Sozialengagement“ an den Klub verbucht. Die größere Summe war dann eine Vorleistung aus der Sponsorvereinbarung für die kommenden Saisonen – ausbezahlt in vier Tranchen zwischen Jänner und März 2020; das, obwohl der Vertrag erst im Juli darauf unterzeichnet wurde. Später wurde die Summe dann peu à peu zinsenfrei zurückgezahlt.

Laut den Linz-AG-Insidern sei die „Sozialzahlung“ später als Finanzierung des Behinderten-Teams („Special Needs“) deklariert worden. „Es ist völlig lebensfremd, dass ein am Abgrund stehender Verein so hohe Mittel für diese Initiative einsetzt.“ Zudem sei es äußerst riskant gewesen, 1,1 Millionen in den Verein zu pumpen – denn bei einer Pleite wäre das ganze Geld verloren gewesen.

  • Viele, viele VIPs: Mit dem Aufstieg in die oberste Spielklasse der Bundesliga und den Bezug des neuen Stadions an der Linzer Donaulände (2023) wurde ein noch besser dotierter Sponsorvertrag aufgesetzt. Als Gegenleistung für die Gelder der Linz AG, also der Allgemeinheit, gab es dann Privilegien für einige Wenige: nämlich für die VIPs. Für die Linz AG Skybox mussten sogar zwei Logen zusammengelegt werden, um 24 Personen Platz zu bieten. Catering und VIP-Parkplätze sind gratis von Blau-Weiß zur Verfügung zu stellen – auch, wenn gar kein Liga-Spiel ist. Denn die Linz AG sicherte sich den Gratis-Zutritt gleich für alle Stadion-Events des Jahres (explizit genannt werden Konzerte und Matches von ÖFB-Auswahlen). Dem nicht genug, muss der Klub seinem Sponsor auch 20 Premium-VIP-Saisonkarten für die Business-Außentribüne und pro Heimspiel weitere 40 VIP-Tagestickets bereitstellen (alles inklusive Parkplätzen).

Dieses „gewaltige Kontingent“ von 84 VIP-Tickets für eine 6.000-Zuschauer-Arena ergäbe eine für Sozialdemokraten „besonders schiefe Optik“, so die Kritiker.

  • Neuer Stadion-Name: Dass trotz hoher Zahlungen immer neue Wege für weitere Geldflüsse gesucht werden, zeigt sich gut am Beispiel des Stadion-Namens: Hier sichert sich die Linz AG vertraglich ein „Letztangebot“ für die ab Sommer 2026 neu zu vergebenden Namensrechte. Das jetzige Hofmann-Personal-Stadion soll zum Linz AG Donauparkstadion werden. Kostenpunkt: wohl eine weitere sechsstellige Summe.

     

  • Unbezahlte Rechnungen: Brisant scheint auch der Passus 8.2. des Vertrages, in dem allfällige, nicht-bezahlte Betriebskosten (Strom, Wasser etc.) thematisiert werden: Inkasso-Forderungen von Gesellschaften der Linz AG werden automatisch an die Konzern-Mutter „abgetreten“. „Offenkundig deshalb, damit bei Zahlungsschwierigkeiten auf die Forderungen ganz rasch verzichtet werden kann“, erklären die Insider.

     

  • Familiäre Bande am Eis: Selbigen Passus gibt es auch für den Eishockeyklub Black Wings Linz, der 2005 schon in Konkurs geschlittert ist. Die für das rot-weiß-rote Hockey beispiellos hohen Geldmittel erklären die Insider mit der familiären Bande des Linz-AG-Chefs Haider zum Klub – denn Sohn Erich jun. fungiert in der zweiten „Linie“ als Team-Manager. Pikant: Die 2,32 Millionen reichen nicht einmal aus, um alleiniger Brust- und Hauptsponsor zu sein (das ist nämlich „Steinbach“). „Eigentlich hätte die Compliance-Stelle bei diesem Family-Business längst einschreiten müssen“, wird kritisiert.

     

  • Hockey-VIPs: Und auch bei den Black Wings sticht in den Verträgen das VIP-Kontingent hervor: 25 Saison-VIP-Tickets, eine VIP-Loge, dazu 20 VIP-Eintrittsgutscheine und zusätzlich 20 Saison-Karten sind als Gegenleistung für die Linz AG bereitzustellen. Dem nicht genug: Ein Jahr nach dem Kontrakt von 2022 wurde eine räumlich vergrößerte Linz AG VIP Business Loge vereinbart. Laut Co-Branding-Vertrag mussten 15 weitere Saison-VIP-Tickets und 20 VIP-Gutscheine her. Kostenpunkt: 840.000 Euro extra von der Linz AG u.a. für die nunmehr 80 VIPs. Wer aller diese Personen sind, bleibt geheim.

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