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KZ-Wächter
11/21/2013

Auch Cousin und Onkel waren in Auschwitz

Johann H. war nicht der Einzige seiner Familie, der als SS-Aufseher im Lager tätig war.

von Jürgen Pachner

Ich habe immer Dienst in der großen Postenkette beim Lager Birkenau versehen. Zeitweise wurde ich auch zur Begleitung kleinerer Häftlingsgruppen zu Außenarbeiten in der Nähe des Lagers eingesetzt“, bestätigte der ehemalige Auschwitz-Wächter Johann H. am 15. November 1978 in einer Zeugenaussage für den letzten Frankfurter Auschwitz-Prozess (Niederschrift liegt dem KURIER vor).

Wie berichtet, ermittelt seit dem Vorjahr die Staatsanwaltschaft Wels wegen des Verdachts der Beihilfe zum Massenmord gegen den inzwischen 90-Jährigen (mehr dazu lesen Sie hier). Erst durch Recherchen und die Anzeige engagierter Privatpersonen war die Sache ins Rollen gekommen. Davor hatte H. von den heimischen Strafverfolgungsbehörden jahrzehntelang unbehelligt in der Nähe von Eferding gelebt. Ein aktuelles medizinisches Gutachten dürfte ihm nun aber Verhandlungsunfähigkeit attestieren. Der Akt wird derzeit im Justizministerium geprüft. Dort fällt auch die Entscheidung, ob das Verfahren fortgeführt wird.

Wiesenthal

H. behauptete 1978, zu keiner Zeit „innerhalb des Lagers“ im Einsatz gestanden zu sein: „Auch nicht in einem der vielen Nebenlager.“ Im November 1944 sei er schließlich von Birkenau zum Nebenlager Ohrtruf des KZ Buchenwald versetzt worden. Nach Auschwitz-Birkenau ist H. im Oktober 1942 eingezogen worden. „Zunächst fand eine Grundausbildung statt, die etwa fünf Wochen dauerte“, erklärte er. Anschließend sei er einer Wachkompanie des SS-Totenkopfsturmbanns zugeteilt worden. Er gehörte damit zum Stammpersonal des KZ.

„Mit mir wurden gleichzeitig auch mein Onkel Josef H. und mein Cousin Stefan H. nach Auschwitz eingezogen. Mein Onkel war damals 36 Jahre alt. So viel mir bekannt ist, versah er Dienst im Nebenlager Rosnowitz. Er ist vor einigen Jahren in Amerika gestorben“, erzählte Johann H. Sein Cousin Stefan H. sei ein oder zwei Jahre älter gewesen. „Er ist schon vor mir von Auschwitz weggekommen, und zwar zu einer Feldeinheit.“ Laut der sogenannten „Auschwitzliste“ starb Stefan H. (geb. 16. 06. 1921) am 4. November 1944 in Ujsasz/Ungarn. Alle drei Verwandten stammten übrigens aus Ruma (heute Serbien). Der Waffen-SS-Pass von Johann H.s Onkel Josef H. (geb. 2. 02. 1908) wurde im Juni 2000 Simon Wiesenthal zugespielt.

KS-Auschwitz - Die Mordfabrik der Nazis:

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