Selbstkritik kann oft mit schmerzhaften Erfahrungen verbunden sein

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Chronik Oberösterreich
12/16/2018

Kritik ist ein Freundschaftsdienst

Ein Anstoß zum Lernen: Kritik darf nicht persönlich sein – Nein zu Tadel, Verriss und persönlichen Angriffen

Das Wort Kritik wurde Ende des 17. Jahrhunderts aus dem Französischen übernommen. Das Französische critique wiederum geht auf das Griechische – kritike, abgeleitet von krínein, (unter-)scheiden, trennen) – zurück. Wobei Kritik oft mit persönlichem Angriff verwechselt wird.

Kritik darf nie persönlich sein, sondern immer nur sachlich. Sie darf aber sehr wohl die zu kritisierende Person betreffen. Kritik sollte nicht mit Tadel verwechselt werden. Tadel ist die missbilligende Beurteilung eines Verhaltens. Oder dem Verriss, dessen Argumente nicht auf eine Verbesserung des kritisierten Gegenstandes abzielen, sondern auf seine Vernichtung. „Wirf’ in die Gosse keinen Stein, sonst wirst du schmutzig werden“, sagt ein türkisches Sprichwort. „Bessere dich zuerst, bevor du andere bessern willst“, meinte Konfuzius „Wer anderen den Spiegel vorhält, braucht selber nicht hineinschauen“ (Johannes Gross, deutscher Publizist und Journalist). Mag sein. Aber jede Kritik, sei sie nun berechtigt oder nicht, hat ihre Berechtigung.

Jeder, der Kritik übt, hat sich zumindest mit einem Teil der Aussagen auseinandergesetzt. Was würden wir ohne Kritik tun? Wir würden einfach stehen bleiben und uns selbst beweihräuchern, ohne etwas zu verändern. Kritik ist ein Anstoß zum Lernen. „Glücklich sind diejenigen, die erfahren, was man an ihnen aussetzt und die sich danach verbessern können“, sagte William Shakespeare. Nehmen Sie jede Kritik ernst, wenn sie sachlich und womöglich auch noch gut begründet ist.

Hier sind wir bei einem Kernpunkt der Kritik: der Begründung. Wenn Sie jemand nur um des Kritisierens willen kritisiert, vergessen Sie es. Wenn Sie jemand aber begründet kritisiert, nehmen Sie sie ernst. Schießen Sie nicht gleich zurück. Zuerst darüber nachdenken und dann bei Bedarf handeln. Was Sie aus einer Kritik machen, ob begründet oder nicht, gerechtfertigt oder nicht, bleibt ganz alleine Ihre Sache.

Kritisieren Sie nie, wenn Sie selbst „Dreck am Stecken haben“. Werfen Sie nie mit Steinen, wenn Sie im Glashaus sitzen. In der Regel ist gesunde, ehrliche Kritik ein Freundschaftsdienst. „Der letzte Beweis von Größe liegt darin, Kritik ohne Groll zu ertragen“ (Victor Hugo, französischer Schriftsteller). „Wer sich über Kritik ärgert, gibt zu, dass er sie verdient hat“, meinte der römische Historiker Tacitus. „Es ist leichter kritisch als korrekt zu sein“ (Benjamin Disraeli, britischer Staatsmann und Schriftsteller).

Ein weiterer, äußerst wichtiger Aspekt ist die Selbstkritik, nämlich sich selbst konstruktiv zu kritisieren. Von unseren Fehlern lernen wir am meisten, so wir sie erkennen. Dieser Lernprozess ist zumeist mit schmerzvollen Erfahrungen verbunden. Manchmal kann sie sogar das Gegenteil bewirken: Wenn wir mit uns zu hart ins Gericht gehen und die Selbstkritik zur Selbstzerfleischung und Selbstsabotage mutiert. Nie zufrieden, nie richtig, nie gut genug, diese Haltung führt in einen inneren Wettkampf mit sich selbst, bei dem es nur einen, aber ewigen Verlierer gibt: sich selbst.

Viele Menschen kommen sich ein Leben lang unvollkommen, unzulänglich und minderwertig vor. Sie fühlen sich überfordert, sie resignieren oder werden gar depressiv. Soweit muss es aber nicht kommen. Konstruktive Selbstkritik ist zwar eine Kunst, aber eine erlernbare. Das heißt, seien Sie ehrlich zu sich, aber nicht zu ehrlich. Kleine Fehler und Unzulänglichkeiten sind erlaubt und machen uns menschlich und liebenswert. Wer ohne Fehler ist, werfe den ersten Stein.

Alois Zangerle ist Unternehmensberater und akademischer Exportkaufmann www.alois-zangerle.at, office@alois-zangerle.at

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