Kinderfreuden am Biobauernhof

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Foto: Alfred Reiter Elke und Johann Haslinger mit einem ihrer drei Pferde. Ihr Biohof heißt „Hof zu Steinern“ und ist 900 Jahre alt.

Elke und Johann Haslinger setzen auf Zimmer, Kälber und Reitpädagogik.

Rosemarie Buchegger hat heute Gulaschsuppe gemacht. Wie  auf vielen anderen Höfen kümmert sich auch hier die 69-jährige Altbäuerin ums Kochen. Sie und ihr Mann Friedrich (73) helfen mit, um ihre Tochter und deren Mann bei der Arbeit zu entlasten.

Ein Moarhof

Der „Hof zu Steinern“ ist 900 Jahre alt und war der Moarhof der Burg Altpernstein in Micheldorf, Bezirk Kirchdorf. Das belegen die hohe Räume, die für so einen alten Bauernhof unüblich sind. Elke (44) und Johann Haslinger (50) haben ihn vor 15 Jahren übernommen und in   ein Schmuckstück  verwandelt. Es ist  ein Nebenerwerbsbetrieb, denn 9,5 Hektar Grünland und 14 Hektar Wald lassen einen Haupterwerb schon längst nicht mehr zu.  Johann verdient sein Brot als technischer Angestellter bei der Autozulieferfirma Unitech.

146-53021560.jpg Foto: Alfred Reiter Auch Altbauer Friedrich, der seinerseits den Hof 1966 übernommen hat,   war schon technischer Angestellter. Seine Frau Rosemarie begann, Zimmer zu vermieten. Damals gab es nur ein Etagenbad. Heute sind es  drei Doppel- und  zwei Einzelzimmer  und zwei Ferienwohnungen. Das Zimmer mit Biofrühstück gibt es ab 26 Euro, die Ferienwohnung ab 48 Euro. Die Gäste kommen aus Wien, Deutschland, Irland, Spanien, den Niederlanden. Sie suchen das Bauernhoferlebnis.

Kinder entscheiden

146-53027479.jpg Foto: Alfred Reiter Besonders die Kinder zieht es hierher. Sie sind auch die Lieblinge von Elke. „Die Kinder bestimmen, wohin die Eltern auf Urlaub fahren.“ Vor allem die Pferde üben  eine große Anziehungskraft aus. „Die Kinder  reden noch zu Hause vom Aranus, dem kleinen Schwarzen und sie schicken  ihm auch Karten.“

Die Zimmervermietung ist zwar das Wichtigste, aber nur eines der Standbeine  des Hofes. Elke und Johann  ziehen  mit sieben Mutterkühen und einem hornlosen Angus-Stier Kälber hoch, alle zwei Monate wird eines im hauseigenen, EU-konformen Schlachtraum von einem Fleischhauer verarbeitet. Das Fleisch wird ab Hof verkauft.  Das Kalb wiegt im Schnitt zwischen 140 und 160 Kilogramm.

Immer  schon bio

146-53021546.jpg Foto: Alfred Reiter Die Entscheidung, den Hof bio zu führen, war eine gewachsene. „Wir haben nie Kunstdünger gestreut“, sagt Altbauer Friedrich. Auch  s ein Vater nicht. Die  Kühe seien nie mit Getreide gefüttert worden, sondern immer nur mit bestem Grünfutter. Auch bei der Stallhaltung sei man umsichtig gewesen. „Die Teire sind immer frei herumgelaufen.“ Man habe immer Festmist und nie Gülle verwendet. Zwei Mal jährlich werde der Hof kontrolliert.

Naturbezug verloren

Die  zunehmende Verstädterung der Gesellschaft führt zur Entfremdung der Kinder von der Natur. „Den Kindern fehlt der Bezug zur Natur und zu den Tieren. Sie wissen nicht mehr, wo das Schnitzel herkommt. Das ist katastrophal.“ Schulklassen aus der Umgebung kommen  zu Elke, um  das Leben am Hof zu erfahren.

Die Kinder  sollen den achtsamen Umgang mit der Natur lernen, erfahren, wie man einen Acker umgräbt, wie viel Wasser eine Kuh trinkt, wie schwer ein Stier ist, lernen, dass die Arbeit in der Landwirtschaft eine harte ist und dass Tiere  dazu  da sind, um vermarktet zu werden.  Elke: „Ich versuche in den drei Stunden, die die Kinder hier sind, Bewusstsein zu schaffen.“

Das fällt ihr nicht schwer, denn sie schätzt die Ehrlichkeit der Kinder. „Sie sagen sofort, was ihnen passt und was nicht. Das ist herrlich. Ihre Statements sind nicht vergleichbar mit denen von Erwachsenen.“

(Kurier) Erstellt am
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