Chronik | Oberösterreich
26.03.2017

Kampf gegen Enteignungen

52 Grundbesitzer treffen Neo-Landeschef und Energiekonzern am runden Tisch.

In einem wohl letzten Anlauf wollen Gemeinden und Grundbesitzer in Oberösterreich eine ob des Baus einer 110-kV-Leitung drohende Massenenteignung verhindern. Seit sieben Jahren wird um die Errichtung der rund 25 Kilometer langen Hochspannungsleitung von Vorchdorf nach Kirchdorf/Krems gekämpft. Jetzt soll eine letzte Verhandlungsrunde mit dem angehenden neuen Landeshauptmann Thomas Stelzer und dem neuen Generaldirektor der oö. Energie AG, Werner Steinecker, vielleicht doch noch einen Kompromiss bescheren.

"Der Druck und die Ohnmacht für die Betroffenen ist riesengroß", sagt Bürgermeisterin Bettina Lancaster aus Steinbach am Ziehberg. Auch in ihrer Gemeinde befinden sich etliche jener 52 Grundeigner, denen demnächst von der Energie AG-Tochter, Netz OÖ GmbH, angestrengte Enteignungen drohen. Lancaster holte am Freitag Abgeordnete aus dem Alm- und Kremstal an einen Tisch. Dabei zeigte sich ein tiefer Graben. Die Befürworter der Leitung mit 105 Masten quer durch die Natur verwiesen auf die Notwendigkeit für die Energieversorgung. Die Gegner kritisierten die mangelnde Bürgerbeteiligung, sowie die Trassenführung. "Eine Erdverkabelung müsste verpflichtend geprüft und prioritär umgesetzt werden", verlangte der grüne Nationalrat Wolfgang Pirklhuber bei dem Treffen.

Kosten

Eine Studie im Jahr 2014 ergab, dass die Erdkabel-Variante um bis zu 40 Millionen Euro teurer wäre als die Freileitung. Aus wirtschaftlichen Gründen werde wohl die Freileitung kommen, meint der ÖVP-Abgeordnete Christian Dörfel. Er, aber auch Vertreter von SPÖ und FPÖ, verlangten aber, dass die Energie AG alles versucht, um mit möglichst vielen Grundbesitzern einvernehmliche Lösungen zu erreichen. Ein runder Tisch mit Stelzer und Steinecker soll Möglichkeiten für Kompromisse ausloten. Michael Praschma, ein Betroffener und der Sprecher der Initiative "110kV-ade" fordert das Erdkabel. Falls Enteignungen kommen, soll die Politik auf die Energie AG einwirken, dass nicht nur die Flächen für die Mastenfundamente, sondern auch für die Grundentwertung gezahlt wird.