Chronik | Oberösterreich
03.08.2013

Jetzt ist Senfgurkenzeit

Reinhard Derntl aus Naarn im Machland ist Gemüsebauer aus Leidenschaft.

Es ist ein ständiges Kommen und Gehen am Danhofergut am Ortsrand von Naarn. Autos mit Perger und Amstettner Nummer fahren zu und weg, die Leute beladen ihre Kofferräume mit Schachteln voll von Gemüse, das in allen Farben leuchtet: rote Paradeiser, grüne, gelbe und rote Paprika, grüne und dunkelrote Salate, weißer Radi, Gurken, Zucchini, Frühkraut, etc. „Wir bauen 35 Gemüsesorten an“, erzählt der 43-jährige Reinhard Derntl, der den 28 Hektar großen Hof mit seiner Frau Heide (38) seit 1999 führt.

Der Gemüsebauer, der sich keinen schöneren Beruf vorstellen kann, hat am Hof einen Verkaufsladen eingerichtet, in dem die Leute das Gemüse direkt bei ihm erwerben können. Hier bietet er aber auch Produkte von anderen regionalen Produzenten an: hausgemachte Würste aus Ried in der Riedmark, Wein aus dem Mühlviertel, Schokolade aus Frankenmarkt, diverse Säfte und Möste, Schnäpse, Ziegen- und Schafkäse, hausgemachte Nudeln, Mühlviertler Kürbiskernöl, Honig etc. Alles schaut hervorragend und lecker aus.

Mit viel Liebe und Einsatz setzt Derntl seine Vorstellungen konsequent um. „Ich bin ein Verfechter von regionalen Produkten. Regional und bio ist sicher das Höchste, aber der 30 Prozent höhere Preis ist der Gastronomie zu teuer. Aber es kommt regional sicher vor bio, weil es keinen Sinn macht, biologische Produkte 1000 km weit zu transportieren.“

Neben dem Direktverkauf beliefert Derntl, der auch Obmannstellvertreter des Gemüsebauernverbandes und Aufsichtsrat der efko ist, die Gasthäuser in der Umgebung. Sein Radius beträgt rund 20 km. Vereinzelt beliefert er auch Märkte wie Spar in Steyregg.

Keine Subventionen

„Wir leben sehr gut von der Landwirtschaft“, antwortet Derntl auf die Frage nach dem Ertrag. „Ich bin einer der wenigen unabhängigen Bauern, denn die Gemüsebauern erhalten keine Agrarsubventionen. Ich kriege das Geld vom Kunden. Wir arbeiten schon viel, aber das gefällt mir.“ Derntl hat das Angebot abgelehnt eine Supermarkt kette zu beliefern. „Ich hätte 60 bis 70 Hektar dazupachten müssen. Weiters hätte ich 30 ausländische Arbeitskräfte gebraucht und ich hätte die Investitionen fremdfinanzieren müssen. „Dann bin ich Sklave und nicht mehr Herr meiner selbst.“ Er wolle nicht wie bayerische Bauern auf 100 Hektar Gurkerln machen. „Das Wachstum in der Landwirtschaft ist nicht die Lösung.“ Er setze auf die Verwertungstiefe, auf die Direktvermarktung. „Wir sind in den vergangenen drei Jahren wieder kleiner geworden.“ Auch wenn Derntl kein Bio-Produzent ist, so versteht er sich doch als Qualitätsgemüseproduzent.

„Ich probiere den Mittelweg zwischen bio und Düngung. Zu wenig und zu viel ist des Narren Ziel.“ Auch bei der Fruchtfolge nimmt er Rücksicht. „Es kommt höchstens alle fünf Jahre ein Salat auf dasselbe Feld. Je intensiver ich fahren würde, umso stärker wäre der Krankheitsdruck auf die Pflanzen.“

Beim Danhofer herrscht derzeit Hochbetrieb. Die Senfgurken werden geerntet. Auf der Rückseite des Hofes werden die 30 Zentimeter langen, leicht gekrümmten, zwischen zwei und fünf Kilogramm schweren Gurken gewaschen, geschält und der Länge nach in zwei Hälften geschnitten, bevor ein Arbeiter sie unter eine sich rasch drehende Hartgummi-Rundbürste hält, wodurch die Kerne entfernt werden.

15.000 Gläser

Die gesäuberten und entkernten Hälften wandern in einen Wasserbottich, der rund 20 Meter weiter ums Hauseck transportiert wird. Dort warten schon rund 20 Helferinnen und Helfer mit ihren scharf gewetzten Messern, schneiden die Hälften in kleine Stücke, die dann per Hand in die Gläser gesteckt werden, bereichert um ein Pfefferoni. 15.000 Senfgurken-Gläser werden auf diese Art und Weise hergestellt. „Das ist alles reine Handarbeit, deshalb sind die Senfgurken auch so knackig.“ Von März bis November beschäftigt Derntl fünf Polen, „es gibt keine besseren Arbeitskräfte“. Beim Abfüllen der Gläser helfen Schüler und Studenten. Ihr Einsatz macht es möglich, dass pro Tag 4000 Gläser gefüllt werden können. Die Bauersleute wissen, was sie an den Arbeitskräften haben. Um 14 Uhr bringt ihnen Heide Derntl Kaffee und frisch gebackenen Marillenkuchen.

Derntls Felder liegen im Machland, das bei Donau-hochwasser überschwemmt wird. 2002 hatte er einen Schaden von 90 Prozent, diesmal waren es lediglich 30 Prozent. „Der Machlanddamm ist ein großer Segen.“