Walter Ablinger in Aktion

© Klaus Althuber

Chronik Oberösterreich
08/03/2019

Im Eilzugtempo Richtung Japan

Walter Ablinger fliegt auf dem Handbike der Konkurrenz auf und davon

„Man braucht sehr lange, bis man an die Spitze kommt, man muss viel Zeit und Geld investieren“, sagt Walter Ablinger. Aber einmal dort angelangt, könne man es auch professionell betreiben. Der 50-jährige Innviertler ist Profibehindertensportler. Seine Domäne ist das Handbike, ein mit den Händen angetriebenes Gefährt, das sich zwar Rad nennt, eher aber einem Rennboliden gleicht.

Bereits zwei Siege

Zwei Weltcuprennen hat Ablinger heuer bereits gewonnen, einmal ist er als Zweiter, einmal als Vierter angekommen – ergibt die Führung im Weltcup. Am kommenden Wochenende finden in Kanada die beiden letzten Rennen statt. Das große Saisonziel ist jedoch die Weltmeisterschaft Mitte September in den Niederlanden. „Dort möchte ich anschreiben.“ Das heißt, am besten gewinnen. Denn damit wäre auch die Qualifikation für die Paralympics 2020 in Tokio gesichert.

Arbeitsunfall des Zimmerers

Alles begann vor 20 Jahren mit einem Arbeitsunfall. Schlechtes Wetter, zu geringe Absicherung, ein Moment der Unaufmerksamkeit – der Zimmermann stürzt dreieinhalb Meter tief vom Dach, schlägt mit dem Rücken auf. Zehnter und elfter Brustwirbel gebrochen, das Rückenmark zerfetzt. Querschnittlähmung vom Bauchnabel abwärts. Mit einem Schlag waren alle Lebenspläne über den Haufen geworfen und die Sorgen groß. Ehefrau Marietta war damals zum dritten Kind schwanger, auf dem Haus lasteten Schulden. „Das soziale Umfeld war extrem wichtig“, erinnert sich Ablinger an den beschwerlichen Neustart und blickt zufrieden zurück: „Es hat sich ein sehr glückliches Leben entwickelt.“ Nach der Umschulung arbeitete er zehn Jahre als Bürokaufmann, bis der Sport eine immer zentralere Rolle einnahm.

 

„Es macht einfach Spaß, mit hoher Geschwindigkeit durch die Gegend zu fahren.“ Bis zu 90 Stundenkilometer gehen sich bergab locker aus. Daheim in Rainbach im Bezirk Schärding ist es rundherum hügelig, hier holt er sich seine spezielle Stärke. Sobald es im Rennen bergauf geht, enteilt er der Konkurrenz.

Profi seit 2011

2011 entschied sich Ablinger, auf Profi umzusatteln. Bei den Paralympics in London im folgenden Jahr gewann er Gold im Straßenrennen und Silber im Zeitfahren. 2016 in Rio kam Silber auf der Straße dazu. Vier WM-Medaillen, eine in Gold und drei in Bronze, komplettieren die Sammlung. Hinter den Erfolgen steht ein starkes Team.Mit Christoph Etzelstorfer arbeitet Ablinger bereits seit elf Jahren zusammen, er entwirft den Trainingsplan. Für Fitness und Ernährung ist Markus Kinzlbauer verantwortlich, Christoph Kohlbauer für Physiotherapie, Bernhard Streif für das Mentale, Schwägerin Irmi Ablinger und Robert Wier für das Mediale. „Und ohne funktionierende Familie würde es ohnehin nicht gehen“, sagt Ablinger: „Sie gibt mir Rückhalt.“

Mehrere Sponsoren

Seit eineinhalb Jahren ist er beim Heeresleistungszentrum Linz angestellt, dazu kommen Sportförderungen und Sponsorengelder. Die Stiftung der Brauerei Baumgartner in Schärding unterstützt ihn seit Jahren. Eine Saison verschlingt rund 40.000 €, exklusive Fahrgerät. Drei davon stehen daheim in der Garage, ein Rennbike kostet alles in allem rund 17.000 €. Ludwig Kickinger, ein guter Freund, bastelt zurzeit an einem neuen Carbon-Rad, das im Windkanal optimiert wird. Und Ablinger selbst arbeitet extrem hart. Zweimal am Tag wird trainiert, entweder in der Kraftkammer oder auf dem Rad. An die 16.000 Kilometer stehen in dieser Saison bereits auf dem Tacho. Es werden noch einige dazu kommen.

Autor: Gerhard Marschall