epa03730251 View of floodwaters in Walding, Upper Austria, on 04 June 2013. After heavy rains, areas along the Danube river in eastern Austria are flooded as the high water levels move downstream. EPA/RUBRA

© APA/RUBRA

Hochwasser
06/29/2013

„Grobe Verständigungsprobleme“

Im gefluteten Eferdinger Becken könnten 200 bis 300 Häuser abgesiedelt werden.

von Raffaela Lindorfer

Waldings Bürgermeister Josef Eidenberger ist empört: „Seit Wochen hat man mich belächelt und abqualifiziert. Jetzt ist es offiziell, dass man die Bevölkerung ,gemäß Vorschrift‘ absaufen lassen hat – und das nächtens ohne jegliche Warnung.“

Reinhard Kremslehner, Verbund-Werksleiter Obere Donau, hatte im ORF-Magazin „Heute Konkret“ zum Hochwasser im Eferdinger Becken erklärt: „In der Beckenlandschaft wird so gefahren, dass entsprechend der Wehrordnung durch die Überströmstrecken ein kontrolliertes Fluten des Hinterlandes eingeleitet wird.“

Eidenberger dazu: „Dass Wasser Platz braucht, ist keine Frage, aber wenn man das strategische Konzept hat, das Eferdinger Becken als Überflutungszone zu sehen, dann muss man das den Leuten vorher sagen.“

Zuletzt hatte der Verbund den Verdacht als „Fehlinterpretation“ der Wehrordnung zurückgewiesen. Eine Evakuierung der Gebiete wäre sinnvoll gewesen, gehöre aber in die Zuständigkeit des Landes.
Eidenberger geht deshalb nicht nur mit dem Verbund hart ins Gericht. Das Krisenmanagement des Landes sei „dilettantisch“, sagt er, da die vom Verbund online gestellten Daten mutmaßlich falsch eingeschätzt worden seien. Dieser Vorwurf bedarf laut Landeshauptmann Josef Pühringer noch einer Klärung: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Landeswarnzentrale Informationen nicht weitergegeben hat. Das wird ganz genau geprüft.“

Klare Aussagen

Er und Landesrat Rudolf Anschober laden am 9. Juli zu einer Konferenz, bei der Vertreter des Verbunds den Bürgermeistern und Regionalpolitikern Rede und Antwort stehen sollen. Mit der Erklärung, die Flutung sei „planmäßig“ gewesen, sei es nicht getan, betont er. „Ich frage mich, wieso man diese klare Ansage nicht gleich zu Beginn der Katastrophe gemacht hat. Damals wurde vom Verbund lediglich erklärt, man halte sich an die Wehrbetriebsordnung, ohne ihren Inhalt bekannt zugeben und die Menschen darauf vorzubereiten.“ Die Informationsmängel müssten aufgeklärt und notwendige Schutzmaßnahmen untersucht werden.

Auch Absiedelungen seien im Bereich des Möglichen. „Wenn es vernünftig ist und die Menschen dazu bereit sind, sind auch wir bereit abzusiedeln.“ Der Landeshauptmann schätzt die Zahl der eventuell davon betroffenen Häuser auf 200 bis 300.

Absiedelung

Wenig überrascht ist Johann Müllner, Bürgermeister von Goldwörth, über die Offenbarung von Verbund-Werkleiter Kremslehner. „Uns war bewusst, dass wir planmäßig dran sind. Nur mit dem Ausmaß hat keiner gerechnet. Es hat grobe Verständigungsprobleme gegeben“, sagt er.

In Goldwörth fand am Freitag ein Informationsabend mit Umweltlandesrat Rudi Anschober und hunderten Betroffenen statt. Die Bereitschaft zu einer Absiedlung der Ortschaft Hagenau sei gestiegen, sagt Müllner: „Erst hatten die Anrainer Angst vor einer Zwangsabsiedelung, aber davon kann keine Rede sein. Etwa 60 Personen wären bereit, wegzugehen, andere wollen bleiben. Das ist jedem selbst überlassen.“ Von Anschober habe es jedenfalls ein Freizeichen gegeben. Betroffene könnten bei der Gemeinde ihre Absichten deponieren.

Neben dieser guten Nachricht gab es von Anschober aber auch eine Rüge für die Regionalpolitik: Bei der Errichtung des Kraftwerks Ottensheim 1970 sei die Donau mit Überströmstrecken ausgestattet worden, die ab einem gewissen Hochwasserniveau aktiv werden.

Die Anrainergemeinden seien damals über die Risiken informiert worden, erläuterte er. „Heute stellt sich die Frage, warum die Bevölkerung über dieses seit 43 Jahren bestehende Faktum offensichtlich unzureichend informiert war und warum es in Teilbereichen eine intensive Bautätigkeit gegeben hat.“

Die Sache sei etwas komplizierter, entgegnet Bürgermeister Müllner: „In den Neunzigerjahren ist viel umgewidmet worden, das geben wir zu. Nachdem nie etwas passiert ist, waren wir lange optimistisch.“ Seit dem Hochwasser 2002 gebe es aber ein striktes Umwidmungsverbot. „Wir alle haben noch viel zu lernen für die Zukunft“, lautet sein Fazit.

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