„Hochdeutsch nicht authentisch“

Kabarettist, Jongleur, Komiker und Schauspieler ist ein Verfechter der Mundart. Im Jänner startet sein neues Programm.

Der Kleinkünstler Günther Lainer  steht nur als Jongleur Gausl  gerne alleine auf der Bühne. Bei seinen Kabarettprogrammen bevorzugt er Gesellschaft. „Das ist spannender, man hat mehr Meinungen, es können sich Konflikte entwickeln und man kann sich auch gegenseitig aufbauen.“


 Dem Rezept folgt er auch ab Jänner  mit  Klaus Eckel. Mit ihm probt er gerade am Programm „99“.  „Darin stehen zwei Geschäftsleute, die  99 Produkte verkauft haben, im  Konkurrenzkampf. Wer das 100. Stück verkauft, wird Abteilungsleiter des anderen“, verrät der 42-Jährige. „Hier treffen zwei Lebensentwürfe aufeinander, die auf den ersten Blick nichts gemeinsam haben. Und auf den zweiten schon gar nicht.“ Oberösterreich-Premiere  ist am 18. Jänner im Linzer Posthof.

Zusammenarbeit

Es ist nicht Lainers erste Kollaboration mit Kollegen. Mit Manfred Linhart hat er schon zehn Programme unter dem Namen Lainer&Linhart gespielt. Mit dem Religionslehrer Ernst Aigner hat der Künstler, der früher ebenfalls Religion unterrichtete und auch Pastoralassistent war,  zwei Kirchenkabaretts  geschrieben. Ihre Machtkritik an der katholischen Kirche läuft mit großem Erfolg, sogar in Pfarren. „Zu Beginn fürchteten wir, es könnte als blasphemisch und arg aufgefasst werden. Aber das Gegenteil war der Fall.“

 Unter anderem lese er beim aktuellen Programm „Aktion Schaf“ Stellen aus der Schrift „Wahrheit und Bedeutung“ vor, die der Vatikan herausgebracht hat, und die Sexualität zum Thema haben.  „Gott sei Dank nehmen das sehr wenige ernst. Ich habe nicht geglaubt, dass es das gibt.“ Der konservativen Ausrichtung vieler Kirchenoberen hält der ehemalige Pastoralassistent so einen Spiegel vor. „Wenn die Kirche ankommen will, muss sie mit dem Zeitgeist gehen.“

Wut

Nach seinem Verständnis soll Kabarett nicht nur unterhalten. „Es geht auch darum, Gedanken zu spinnen, die aus dem Leben gegriffen sind, und einen weiterbringen.“  Gesellschafts- oder Politikkritik verwende er aber nicht oft. Ob es bei ihm   vorkommen könne,  wie der zuletzt gefeierte Roland Düringer eine Brandrede eines Wutbürgers  zu halten? „Ich habe sie mir angehört und finde es großartig. Es ist große Schauspielkunst, fünf Minuten wütend zu sein und keine Lacher zu haben.“ Eine derart scharfe Kritik der Politik sei bei ihm  nicht vorstellbar. „Ich würde es so machen, dass man lachen kann.“

Mundart

Worüber viele in Österreich schmunzeln, sind die oberösterreichischen Ausdrücke, die er in der ORF-Sendung „Was gibt es Neues?“ verwendet. Hier hält er die Fahne der Umgangssprache aus dem Land ob der Enns hoch und hat sich so das Image des erdigen Ratekandidaten aufgebaut. „Nach der zweiten Sendung, habe ich Oliver Baier gefragt, ob er mich versteht und  ich Hochdeutsch sprechen soll. Er hat  gesagt, um Gottes Willen, sprich nur nicht Hochdeutsch.“  Glück für ihn. Schließlich, so sagt er, würde die Authentizität damit verloren gehen.

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( Kurier ) Erstellt am 17.12.2011