Chronik | Oberösterreich
06.04.2018

Hitlers Geburtshaus: „Minister Kickl steht hinter Plänen“

Neben den geplanten Gesprächen mit der Lebenshilfe gebe es „keine Parallelverhandlungen“, sagt der zuständige Sektionschef.

Ankauf und Abriss durch einen russischen Parlamentsabgeordneten, eine Ausstiegsstelle für Mitglieder der Neonazi-Szene oder gar eine Geburtenstation? An Vorschlägen für die Nutzung des seit 2011 leer stehenden Geburtshauses von Adolf Hitler in Braunau mangelte es nie.

Zuletzt war es ruhig geworden um das Gebäude. Der grüne Bundesrat David Stögmüller, der im Braunauer Gemeinderat sitzt, hat, wie berichtet, eine Anfrage an den neuen Innenminister Herbert Kickl (FPÖ) gestellt. „Seit eineinhalb Jahren ist nichts passiert. Die Frage ist, was er vor hat“, sagt Stögmüller. Er wollte auch wissen, ob Kickl nun womöglich die Idee der FPÖ-Ortspartei aufgreifen wolle, in dem Haus eine Geburtenstation unterzubringen. „Ich kenne nämlich keinen anderen Vorschlag der FPÖ.“

Der Innenminister wollte dem KURIER zwar kein Interview geben, schickte aber Hermann Feiner vor. Er ist der für das Gebäude zuständige Sektionschef im Ministerium. „Man kann klar sagen, der Herr Bundesminister Kickl steht zu hundert Prozent hinter der historischen und staatspolitischen Bedeutung dieses Ortes“, meint Feiner.

Heißt: Eine Geburtenstation ist definitiv kein Thema. Es werden Gespräche mit der Lebenshilfe fortgeführt, die der letzte Mieter in dem Gebäude war und mit der unter Kickls Vorgänger, Wolfgang Sobotka (ÖVP), bereits ein Austausch stattgefunden hatte. Mit anderen Institutionen gebe es keine Verhandlungen. „Wir führen keine Parallelgespräche“, sagt Feiner.

Raumkonzept in Arbeit

Derzeit werde eine „Feinabstimmung des Raum- und Funktionskonzepts“ ausgearbeitet. Danach soll der seit Langem angekündigte europaweite Architektenwettbewerb ausgeschrieben werden. Laut Feiner dürfte das im Laufe des Jahres geschehen. Auf einen Monat wollte er sich aber ebenso wenig festlegen wie auf ein Budget für das Projekt. „Ich will nicht die Zeitschiene in den Mittelpunkt stellen“, meint Feiner. Qualität gehe vor Tempo.

Wie künftig auf die Bedeutung des Ortes hingewiesen werden soll – derzeit steht ein Mahnstein vor dem Haus – sei offen und solle ebenfalls im Rahmen des Architektenwettbewerbs geklärt werden. Fest steht bisher nur eines: „Wir müssen dem Haus die Optik nehmen.“

Während das Ministerium an den Vorbereitungen für den Wettbewerb arbeitet, tobt unverändert der Rechtsstreit mit der Ex-Eigentümerin Gerlinde P. Sie will gerichtlich eine höhere Entschädigungssumme als die 310.000 Euro erstreiten, die die Republik für die Liegenschaft gezahlt hätte. Zugeständnisse an P. seien jedenfalls ausgeschlossen, betont Feiner. „Die Basis für das, was die Republik zahlt, können immer nur Schätzungsgutachten von beeideten Sachverständigen sein. Basarische Entgegenkommen kann ich mit Sicherheit ausschließen.“