Über die Zukunft von Hitlers Geburtshaus berät eine Historikerkommission

© KURIER/Walter Schweinöster

Braunau
06/26/2016

Hitlers Geburtshaus: "Abriss ist auch keine Lösung"

Das Gebäude zu schleifen, stößt in Braunau auf wenig Verständnis.

von Thomas Sendlhofer

Kurz bleibt ein Radfahrer vor dem Haus mit der gelblichen Fassade in der Salzburger Vorstadt in Braunau stehen, fotografiert es und fährt weiter. Szenen, wie sie sich in der Straße hinter dem Stadttor täglich abspielen. In den benachbarten Geschäften ist man das Interesse an Hitlers Geburtshaus gewöhnt. Selbst Touristen würden sich ab und zu hier blicken lassen, sagt die Besitzerin einer Boutique.

Die Einwohner der Stadt im Innviertel scheinen sich längst mit dem Haus arrangiert zu haben, in dem der spätere Diktator 1889 zur Welt gekommen war. Umso weniger Verständnis erntet Innenminister Wolfgang Sobotka (ÖVP) für seine Aussage, das Haus schleifen lassen zu wollen. Eine Sprecherin ruderte umgehend zurück und sprach von einer "privaten Meinung". Wegen der Sorge, das Haus könnte zu einer "Pilger- oder Gedenkstätte" für Menschen mit nationalsozialistischem Gedankengut werden, soll die Besitzerin enteignet werden. Ein Gesetz dazu ging Ende Mai in Begutachtung.

Alfred Wagenhammer kann weder einem Abriss, noch der geplanten Enteignung etwas abgewinnen. "Wo bleibt da die Rechtsstaatlichkeit?", fragt er. Eine Pilgerstätte Ewiggestriger fürchtet Wagenhammer nicht. Er erinnere sich nur an den 100. Geburtstag Hitlers 1989, wo es einen größeren Aufmarsch gegeben habe. "Wenn es vor dem Haus nicht immer wieder Proteste gegen die Rechten geben würde, wär da gar nix mehr los", meint der Herr.
Xenia Spitzer kann die Sorge, dass das Haus in falsche Hände geraten könnte, durchaus nachvollziehen. Sie habe einige Male Rechtsradikale beobachtet. Gerade am 20. April, Hitlers Geburtstag, würde sich vor dem Haus etwas tun, sagt sie. "Aber ein Abriss ist auch keine Lösung für das Problem", meint die Angestellte.

Seit fünf Jahren leer

Das Gebäude ist dem Verfall preisgegeben, der Putz bröckelt. Seit rund fünf Jahren steht es leer. Das Innenministerium mietet das Haus seit 1972. Dafür zahlt es kolportiert rund 5000 Euro im Monat. Über die Jahre gab es mehrere Untermieter – so waren bereits die HTL und eine Bücherei darin untergebracht. Zuletzt war die Lebenshilfe im Gebäude eingemietet. Alle Gespräche mit der Eigentümerin über einen Nachmieter verliefen ergebnislos. "In den vielen Verhandlungen ist eine Patt-Situation entstanden", sagt Bürgermeister Johannes Waidbacher (ÖVP). Er setze sich weiterhin eine gemeinnützige Verwendung des Hauses ein.

Eine ähnliche Nachnutzung würde Corina A. begrüßen. Abreißen komme für sie nicht infrage. "Was kann das Haus dafür? Es wäre besser, sie täten wieder irgendetwas rein, Flüchtlinge zum Beispiel", meint die Parkwächterin. Über die künftige Verwendung berät kommende Woche eine Historikerkommission.

Hermine Oberhuemer sieht den Ausgang der Gespräche gelassen, während sie mit einer Schulklasse in Braunau unterwegs ist. Als Stadtführerin bringt sie den Kindern die Geschichte der Stadt mit einem Rundgang näher. Das Geburtshaus Hitlers hat darin keinen Platz. Sie kosten die Diskussionen nur noch ein mildes Lächeln. "Ich war selbst 35 Jahre in einer Zeitungsredaktion. "Es gibt Zeiten im Journalismus, da muss man Spalten füllen und dann kommt das immer wieder auf", meint sie.
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