So soll die neue, geplante Anlage mit 18 Wohungen aussehen

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Chronik Oberösterreich
07/14/2019

Heftiger Konflikt um Wohnungsneubau in Weyregg/A.

Der geplante Bau von 18 Wohnungen im Zentrum von Weyregg entzweit die betroffenen Anrainer mit dem Bürgermeister und dem Gemeinderat.

von Josef Ertl

Die Wogen gehen hoch in Weyregg am Attersee, alte Bekanntschaften werden zerrissen. Der geplante Neubau von 18 Wohnungen im Zentrum (Kirchendorf) durch den Mondseer Bauentwickler Wohnzone stößt auf den Widerstand der Anrainer, die sich in der Initiative „Rettet das Kirchendorf“ zusammengeschlossen haben. Ihr Sprecher ist Nikolas Bracher, der beruflich Richter am Bundesverwaltungsgerichts in Linz ist.

 

„Der Bau dieser drei großen Wohnblocks mit 18 Wohnungen und einer riesigen Tiefgarage ist nur realisierbar, wenn der gesamte Altbestand weggerissen wird. Das Dorfensemble, das uralt und der historische Kern des Orts ist, wird damit zerstört. Das eine Haus ist urkundlich im 15. Jahrhundert bestätigt. Es heißt Kramerhäusl und es war immer der Dorfladen drinnen. Das Haus ist in einem bautechnisch sehr guten Zustand. und es gibt keine Notwendigkeit, es wegzureißen. Auch das zweite Haus ist in einem Zustand, dass man es adaptieren könnte, wenn man es will“, argumentiert Bracher beim Lokalaugenaugenschein vor Ort.

 

Vor zwei Jahren habe es einen Architekten gegeben, der an den beiden Häusern interessiert gewesen sei und sie so renovieren wollte, dass sie ins Ortsensemble passen. „Da ist ihm aber die Bauträgergesellschaft Wohnzone aus Mondsee dazwischengekommen, die 2017 die Häuser gekauft hat.“

Bracher und Bettina Haitzinger, eine weitere Anrainerin, stoßen sich an der Dimension des Neubauprojekt. „Laut unseren Berechnungen hat es eine Höhe von zehn bis elf Metern, darunter ist noch die Tiefgarage. Es wird zwar argumentiert, dass es sich um drei lose Baueinheiten handelt, in Wahrheit sind sie durch Treppenhäuser miteinander verbunden. Das heißt, es entsteht ein Riesenensemble ähnlich einem Schulzentrum. Da ist dann eine zehn Meter hohe und 30 Meter lange Hauswand.“

 

Bracher bezweifelt auch, dass es sich um Hauptwohnsitze handeln wird, wie das die Gemeinde festgelegt hat. „Das wird in Wahrheit oft umgangen und die Wohnungen werden als Zweitwohnsitze verwendet.“ Wenn man Appartementhäuser bauen wollen, solle man das auf der grünen Wiese machen, aber nicht im Zentrum. „Das ist der falsche Platz.“ Es entstehe auch ein Verkehrsproblem, die Zufahrten seien sehr eng.

 

Alleine für den Ausbau der Tiefgarage brauche man zwischen 500 und 1000 schwere Lkw-Fuhren zum Abtransport. „Was passiert mit den alten, unbefestigten Straßen und mit den Häusern, die da stehen? Die Vibrationen der Fahrzeuge werden Mauerrisse erzeugen.“ Im Unterbau gebe es Felsen, in die mit schweren Maschinen hineingestemmt werden müsse. „Und das alles, weil die Wohnzone mit dem Projekt möglichst viel Kapital rausschlagen will.“ Nachdem der Gemeinderat am Donnerstag die Beschlussfassung des Baubebauungsplanes verschoben hat, ist Bracher siegessicher. „Wir werden das Match gewinnen.“