Chronik | Oberösterreich
22.04.2018

„Hätte gerne mit Sinatra gesungen“

Marianne Mendt. In Linz präsentiert die Wiener Sängerin am 8. Mai Lieder aus fünf Jahrzehnten Bühnenerfahrung

von Michaela Greil„Mein Durchbruch war, dass ich mit 18 Jahren meine Mutter überzeugen konnte, endlich Berufsmusikerin zu werden“, meint Sängerin und Schauspielerin Marianne Mendt (72). Damals sei das gleichbedeutend gewesen mit dem Wegfahren von zu Hause. „Diese fünf Jahre Tingelzeit haben mich geprägt.“

Den Schritt in die Welt der Musik hat die Wienerin bis heute nie bereut. „Es ist das, was ich am liebsten mache und was ich mir als Kind gewünscht habe. Ich konnte mir alles leisten, was ich im Leben brauche. Das ist mehr als Glück“, sagt sie dem KURIER. Mit der Arbeit als Berufsmusikerin und Schauspielerin habe sie sich ihre Existenz aufgebaut, ihre Tochter studieren lassen und ein Haus gebaut.

Wien als Startpunkt

Was die Popularität betrifft, gelang Mendt der Durchbruch in den 1970er Jahren in Wien mit dem Lied A Glock’n, die 24 Stunden läut’. Heute ist sie über die Landesgrenzen hinaus bekannt und gibt immer noch Konzerte.

Bei einem „fulminanten Konzert mit Sextett“ präsentieren Mendt und ihre Band am Dienstag, 8. Mai um 19.30 Uhr im Linzer Musiktheater eine musikalische Bandbreite Vom Wienerlied zum Jazz.

Ob es eine Verbindung der beiden Genres gibt? „Gute Musik ist Jazz, das hat schon Joe Zawinul gesagt“, meint Mendt. Es sei vielleicht keine schlechte Idee, ein Wienerlied zu „verjazzen“, also mittels Arrangement in Jazz zu verwandeln. „Das Wienerlied ist ein schönes Kulturerbe. Aber ich sehe mich nicht als Wienerliedsängerin. Ich bin eigentlich Jazzerin.“ In Linz steht ein Repertoire aus Mendts Leben am Programm. Darunter sind Werke von André Heller, Georg Danzer und Gerhard Bronner. „Sie alle haben für mich geschrieben, Danzer sogar bis zu seinem Tod“, erzählt Mendt, die auch anderen die Bühne zugänglich macht.

Die Nachwuchsförderung liegt ihr am Herzen. Jährlich organisiert sie ein Jazzfestival in St. Pölten, zu dem sie Newcomer und bekannte Musiker einlädt. Beim heurigen Festival am 1. und 2. Juni wird unter anderem die gebürtige Gallspacherin Ina Regen auftreten. Jungen Talenten empfiehlt Mendt, das Handwerk als Musiker zu lernen. „Im Jazz musst du die Musik studieren.“ Denn Improvisationen seien herausfordernd.

Marianne Mendt mit Jazzy, dem Hund, der keine Musik mag

Glückliche Zeit

Schöne Momente habe es viele in Mendts bisherigen Leben gegeben. „Mit 17 Jahren habe ich das Musical Funny Girl gesehen und wollte das auch spielen.“ Jahre später war es ihre erste Musicalrolle in Essen. „Es ist schön, dass sich meine beiden Karrierewege parallel entwickelt haben“, meint sie. Eigentlich könne das kaum etwas toppen. „Aber mit Frank Sinatra hätte ich schon gerne ein Lied gesungen.“

Privat sei jener Tag im Jahr 1979 der schönste gewesen, als ihre Tochter geboren wurde. Sie arbeitet heute in der Musikbranche im Marketing. Für beide seien Hunde wichtig. Derzeit lebt Jazzy bei Mendt, eine fünf Jahre alte Hündin aus dem Tierheim. Zu Konzerten kann sie aber nicht mitkommen. „Sie mag leider keine Musik und keine lauten Geräusche“, sagt Mendt.