Sepp Rothwangl hat das Groër-Denkmal in Hohenzell umgestaltet.

© /Sepp Rothwangl

Chronik | Oberösterreich
11/21/2014

Groër-Denkmal umgestaltet: Kardinal Mühlstein umgehängt

Inschrift an Kirche von Hohenzell leugne die Verbrechen des Kardinals, kritisiert Opfer-Plattform.

Dem verstorbenen Wiener Erzbischof Hans Hermann Groër (1919–2003) ist ein Relief an der Fassade der Pfarrkirche von Hohenzell, Bezirk Ried (OÖ), gewidmet: In Stein gemeißelt ist das unvollständige Bibelzitat "Wer aber eines von diesen Kleinen ...". Auf einer Tafel wurde vermerkt, dass der Kardinal dort im Jahr 1989 für Ungeborene gebetet hat.

Sepp Rothwangl, Obmann der Plattform Betroffener Kirchlicher Gewalt, ist über die "scheinheilige Tafel" empört: Sie leugne, dass der Kardinal mehrere Zöglinge sexuell missbraucht habe (die "Affäre Groër" führte im Jahr 1995 zu einem Kirchen-Volksbegehren und einer Austrittswelle).

Weil sich Dorfpfarrer Josef Bauer weigert, der Groër-Verehrung in Hohenzell ein Ende zu setzen, hat Rothwangl am Montag das Denkmal auf eigene Faust umgestaltet: Mit einer Eisenkette befestigte er unterhalb des Reliefs einen massiven Mühlstein, aus dem der Kopf des Kardinals ragt. "Es soll an die Verbrechern Groërs erinnern, die von seinen Anhängern nach wie vor abgestritten werden", sagt der Aktivist.

Versenkt

Auch die Stelle aus dem Evangelium nach Matthäus (18:6-16) sei durch den Mühlstein bildlich vervollständigt worden. Dort heißt es: "Wer aber eines von diesen Kleinen, die an mich glauben, zum Bösen verführt, dem wäre nütze, dass ein Mühlstein an seinen Hals gehängt und er in die Tiefe des Meeres versenkt würde."

Pfarrer Bauer, der innerhalb der Kirche als Hardliner gilt und laut Medienberichten auch Teufelsaustreibungen nicht abgeneigt sein soll, ist das veränderte Denkmal bisher nicht aufgefallen. Er müsse sich das erst ansehen, sagt der Geistliche am Freitag im Gespräch mit dem KURIER. "Es gibt viele, die nach Hohenzell kommen und sich dankbar an Kardinal Groër erinnern. Belassen wir es dabei."

Und der sexuelle Missbrauch von Zöglingen, für den der Kirchenfürst verantwortlich sein soll? Bauer: "Kardinal Groër ist nie verurteilt worden. Auch für ihn sollte die Unschuldsvermutung gelten."

Vertuschung

Für Missbrauchsopfer sind Aussagen wie diese ein Schlag ins Gesicht: Sepp Rothwangl meint, dass sich seit der Affäre Groër nichts an der "Verantwortungslosigkeit der Kirche" geändert habe. "Das zeigen Fälle wie jener des Göttweiger Pfarrers, der auf Twitter Burschen zur Prostitution verleiten wollte und erst auf medialen Druck abgezogen worden ist."

Ebenso will der Aktivist mit dem umfunktionierten Mahnmal folgende Forderungen der Plattform verdeutlichen: Aufhebung der Verjährungsfrist nach sexuellem Missbrauch, unabhängige Aufarbeitung der Verbrechen und angemessene Entschädigung durch ein Schiedsgericht.