Chronik | Oberösterreich
18.11.2018

„Goldi“ ist vorsichtig optimistisch

Skispringen. Andreas Goldberger traut Österreichern zu, das Vorjahr vergessen zu machen

Wenn Andreas Goldberger dieser Tage daheim in St. Lorenz am Mondsee die Sachen packt und Richtung Weltcup aufbricht, gibt es Tränen. Der gut einjährige Tobias und sein Bruder Alexander – er wird im Februar drei – möchten den Papa nicht loslassen. Doch der Weltcup ruft, Goldberger ist für den ORF wieder als Skisprung-Experte im Einsatz.

In Wisla (Polen) starten die Skispringer am Wochenende in den Weltcup. „Für die Österreicher ist das eine sehr wichtige Saison“, sagt Goldberger. Neben dem Highlight Vierschanzentournee stehe die Heim-WM in Seefeld an. Das Skispringen auf dem Großschanze ist am Berg Isel in Innsbruck. „Das ist für jeden etwas Besonders, vor eigenem Publikum zu springen.“ Vor allem aber gelte es, die vergangene Saison hinter sich zu lassen. „Kein einziger Sieg im Weltcup, das sind wir nicht gewöhnt.“ Wobei Goldberger davon überzeugt ist, dass „die Ergebnisse schlechter waren als die Leistungen“.

Klare Ansage, basta!

„Vielleicht war es gar nicht so schlecht“, sucht Goldberger das Positive in der Niederlage. Immerhin sei allen klar geworden, „dass die Österreicher nicht automatisch vorne dabei sind“. Und dass etwas geschehen müsse, auf allen Ebenen.

Andreas Felder hat im Sommer Heinz Kuttin als Cheftrainer abgelöst. „Er hat eine klare Meinung hat und geht seine Linie. Er macht eine Ansage, aus basta“, beschreibt ihn Goldberger. Als er 1996 Weltmeister wurde, war Felder ebenfalls Coach. Er kennt ihn also.

Felder habe im Absprung umgestellt: weniger über die Zehenballen, mehr über den gesamten Fuß. Das soll helfen, rasch in ein stabiles Flugsystem Körper-Skier zu kommen. Jeder Pendler in der Luft kostet Weite. Ob die neue Technik bei allen auf Anhieb klappt, müsse sich erst zeigen, sagt Goldberger: „Ich bin sehr neugierig, habe aber ein positives Gefühl.“

Der Oberösterreicher Michael Hayböck sollte zu alter Stärke zurückzukehren. Er und Stefan Kraft sind laut Goldberger absolute Siegspringer, dazu kommen mit Gregor Schlierenzauer und Manuel Fettner zwei Routiniers. Und dahinter drängen einige Junge nach, etwa Daniel Huber oder Philipp Aschenwald. „Eine sehr gute Mischung.“ Doch die Wahrheit liege im Wettkampf und die Konkurrenz sei wiederum groß, weiß Goldberger.

Die Polen und die Deutschen mit dem wieder fitten Severin Freund seien jedenfalls hoch einzuschätzen; die Norweger und die Slowenen mit neuem Trainer ebenso. Gespannt dürfe man auf den Russen Evgeniy Klimov sein, den Gesamtsieger des Sommer-Grand Prix. Auch abseits des Weltcups ist Goldberger überaus umtriebig. Mit dem „Goldi Cup“ betreibt er Talentesuche. Und er ist als Referent gefragt. Vor kurzem erst war er zu einem Kongress von Sportärzten und Physiotherapeuten auf Zypern eingeladen. Auch Firmen buchen den Ex-Spitzensportler, der seine Popularität konservieren konnte. „Lebenshilfe Spitzensport“ lautet sein Thema: Umgehen mit Erfolg und Misserfolg, Motivation, Eigenverantwortung, Ziele setzen – es gebe viele Parallelen. „Leistung ist im Sport messbar. Du weißt sofort, ob du gut oder schlecht warst. Aber du kriegst immer wieder eine neue Chance.“ „Ich hoffe, du weißt, was du tust“, habe Ehefrau Astrid jetzt zum Abschied gesagt, erzählt Goldberger. Gemeint war das Springen mit der ORF-Helmkamera. „Wenn das Wetter passt, denke ich mir nichts“, erachtet er das Risiko für kalkulierbar. Er ist gut in Form und hat im Sommer einige Sprünge absolviert. Skifliegen wird er allerdings nicht mehr. Zu gefährlich.