Gewalttaten werden brutaler

Die Anzahl der Körperverletzungen durch Jugendliche bleibt gleich. Was sich aber ändert, ist die Intensität der Gewalt.

Immer wieder sorgen Gewalttaten von Jugendlichen und jungen Erwachsenen für öffentliches Aufsehen. Erst vergangene Woche hat ein 19-Jähriger in Linz auf seine Mutter und seine Schwester eingeschlagen und sie mit dem Umbringen bedroht.
"Der Zahl der Gewalttaten der Jugendlichen wird nicht höher, allerdings hat in den letzten Jahren die Intensität der Taten zugenommen", sagt Soziologieprofessor Johann Bacher von der Universität Linz. Die Schwelle, wo jemand verletzt wird, sei in der letzten Zeit niedriger geworden. Zur Erklärung des Phänomens gebe es unterschiedliche theoretische Ansätze. "Interaktive Medien wie Computerspiele können eine verstärkende Wirkung haben, weil durch Interaktion mit anderen Mitspielern eine Belohnung erfolgt, wenn man im Spiel jemanden tötet." Ebenso sei gewalttätiges Verhalten erlernbar. "Wenn diese Verhaltensweise zum Erfolg führt, lernen die Menschen, dass man mit diesen Maßnahmen reüssieren kann," erklärt der Sozialwissenschaftler. Das treffe auch bei Gewalt in der Familie zu, da Kinder lernen würden, dass Eltern mit ihren Handlungen erfolgreich seien.

Laut der Studie Jugend und Gewalt, die im Juni präsentiert wurde, sind in Oberösterreich lediglich vier Prozent der Jugendlichen stark aggressionsbereit. "Viel mehr Kinder und Jugendliche sind Gewalt in ihren Familien ausgesetzt", gibt Christine Winkler-Kirchberger, Kinder- und Jugendanwältin des Landes Oberösterreich zu bedenken.
"Phänomene wie Happy Slapping, wo jemand verprügelt und das auf Video aufgezeichnet wird, sind in den letzten Jahren keine bekannt", sagt Hermann Feldbacher von der Sicherheitsdirektion Oberösterreich. Er hofft, dass das auch so bleibt. Zudem gebe es Präventivprogramme, die Gewalt unter Kinder und Jugendlichen eindämmen sollen.
Eines davon stammt von Karl Ornetzeder, Lehrer an der HTL Vöcklabruck. Er hat vor fünf Jahren das Gewaltpräventionsprogramm "Fair & Cool" ins Leben gerufen. "Der Hintergrund dabei ist, dass die Jugend dazu angeleitet wird, ihre aufgestauten Aggressionen bei Sport abzubauen", sagt der Initiator. Seine Botschaft verbreitet er mit Sportlern und dem Maskottchen Charly.

( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011