Chronik | Oberösterreich
11.06.2017

"Gehe mit einer gewissen Wehmut"

Der Präsident der Wirtschaftskammer übergibt am 21. Juni an Doris Hummer.

Rudolf Trauner übergibt aus gesundheitlichen Gründen nach 14 Jahren die Funktion des Präsidenten der Wirtschaftskammer vorzeitig an die frühere Landesrätin Doris Hummer. Der 63-jährige Unternehmer war unter anderem von 1991 bis 1997 Landtagsabgeordneter und von 2000 bis 2003 Kammer-Vizepräsident.

KURIER: Mit welchen Gefühlen scheiden Sie am 21. Juni aus dem Amt? Rudolf Trauner: Wenn man eine entsprechende Krankheit hat, hat man zu gehen. Ich möchte nicht als Behinderter für zukünftige Zeiten dastehen. Es geht mir nicht gut.

Rein äußerlich ist von Ihrer Erkrankung nichts zu merken.

Die Parkinson-Erkrankung ist da. Daher ist es notwendig, dass die Weichen für die Zukunft gestellt werden.

Der von zehn Tagen verstorbene Alois Mock hat trotz Krankheit noch lange gearbeitet.

Er hat zu lange gearbeitet.

Sie haben eine langjährige Karriere hinter sich. Kommen da nicht Gefühle der Wehmut auf?

Ja, es kommen Gefühle der Wehmut auf. Das ist keine Frage. Aber man weiß, dass jede politische Funktion ein Ablaufdatum hat. Es ist sinnvoll, rechtzeitig aufzuhören.

Sie haben gesundheitliche Maßnahmen gesetzt. Sie haben zum Beispiel einige Kilogramm abgenommen. War es zu wenig?

Der Arzt hat mir empfohlen leiser zu treten, weshalb ich den Präsidenten zurücklege.

Wie macht sich Ihre Erkrankung bemerkbar?

Momentan Gott sei Dank noch wenig. Ich neige ein wenig zur Vergeßlichkeit. Auf der anderen Seite fühle ich mich noch gesund.

Sie sind ein konzilianter Mensch und Politiker. Waren Sie für die Politik möglicherweise zu gut?

Manchmal überlegt man, ob man vielleicht zu konziliant ist. Zum Beispiel in der Sozialpartnerschaft. Sie hat leider in Oberösterreich nicht mehr so funktioniert wie es sein sollte und könnte.

Sie haben aber zu Ihrem Abschiedsfest am 21. Juni Vertreter der Arbeiterkammer eingeladen.

Ich habe immer geschaut, dass es eine gewisse Gesprächsfähigkeit gibt. Das ist mir persönlich ganz wichtig. Wenn sie aber durch Videos mit Füßen getreten wird, ist das für mich unverständlich und nicht notwendig.

Was werden Sie in Zukunft machen? Sie sind ja noch Geschäftsführer Ihrer Druckerei.

Nächstes Jahr gehe ich am 8. Februar mit 64 Jahren für ein Jahr in die Pension. Mit 65 Jahren darf ich dann wieder dazuverdienen.

Dann gehen Sie wieder in den Betrieb?

Ich hätte vor, dass ich dann wieder in den Betrieb gehe. 2020 möchte ich im Unternehmen endgültig aufhören.

Ihre Frau ist ebenfalls Geschäftsführerin. Ihr Sohn wird das dann übernehmen?

Ja,meine Frau ist ebenfalls Geschäftsführerin. Mein Sohn ist im Verlag bereits Geschäftsführer, in der Druckerei noch nicht.

In der Druckbranche gab es eine ganz starke Konsolidierung, viele Unternehmen haben aufgehört. Wie haben Sie das geschafft?

Wir haben uns auf bestimmte Bereiche konzentriert: Bücher, Schulbücher, Gastronomie-Bücher, Bildung, den Universitätsverlag. Wir haben uns auf den Bogen offset spezialisiert.

Worauf sind Sie in Ihrer Tätigkeit am meisten stolz?

Auf die Jugend. Unsere Lehrlinge schneiden bei allen internationalen Wettbewerben sehr gut ab.

Eltern halten Ihre Kinder immer noch zum Studium an, obwohl die Facharbeiter stark nachgefragt werden und diese auch gut verdienen. Warum gelingt hier keine Trendwende?

Es ist eine Wende gelungen, denn die Hälfte der jungen Menschen machen inzwischen schon eine Lehre. Es machen in Oberösterreich mehr die Lehre als in anderen Bundesländern.

Gibt es den von manchen beklagten Facharbeitermangel tatsächlich?

Er ist eines der größten Probleme, das wir in Oberösterreich derzeit haben. Vor allem in den technischen Berufen benötigen wir mehr Lehrlinge.

Warum gehen nicht mehr in die technischen Berufe?

Weil sich viele junge Frauen für traditionelle Berufe wie Bürokauffrau, Friseurin etc. entscheiden. Wir müssen das Programm Frauen in der Technik weiter entwickeln.

Warum ergreifen nicht mehr junge Menschen mit migrantischem Hintergrund Lehrberufe?

Hier müssen wir unsere Bemühungen verstärken. Viele können Deutsch nicht in der Form, wie es notwendig wäre.Es mangelt an Sprachkenntnissen.

Welche Erfolge hat Ihre Präsidentschaft gezeitigt?

Die Zahl der exportierenden Unternehmen hat sich auf mehr als 9500 verdreifacht. Die Zahl der Ein-Personen-Unternehmen ist um mehr als das Doppelte gestiegen. Ein weiterer wichtiger Punkt war die Wettbewerbsfähigkeit. Weiters bin ich stets für die Senkung der Lohnnebenkosten und der Steuern und gegen die Erbschafts-, Vermögens- und Schenkungsteuer eingetreten.

Es ist eine neuerliche Reform der Wirtschaftskammer angelaufen, die die Mitgliedsbeiträge um 20 Prozent senken soll. Ist dieses Einsparpotenzial tatsächlich vorhanden?

Wir wollen in Oberösterreich zehn Millionen Euro bis 2020 einsparen. Das ist ein hehres Ziel, aber es ist schaffbar. Wir verfügen aus den Gewinnrücklagen über fünf bis sechs Millionen Euro, den Rest muss man anderweitig einsparen.

Wie wird eingespart?

Es wird einen Standortfonds geben. Aus dem erhalten Betriebe eine gezielte Unterstützung, die bisher nicht möglich war. Dadurch können vier bis sechs Millionen Euro eingespart werden.

Wird es Personaleinsparungen geben?

Es wird sie sicher geben. Indem man zum Beispiel Spartengeschäftsführungen zusammenlegt.

Ihr Vater war von 1971 bis 1980 Landesrat für die Wirtschaft und von 1980 bis 1990 Präsident der Wirtschaftskammer. Was unterscheidet Sie von ihm ?

Er hat darauf geschaut, dass sich die Wirtschaft wettbewerbsfähig entwickelt und international bestehen kann. Er war durchschlagskräftig.

War er ein Patriarch?

Ja, er war ein Patriarch. Er hat die Dinge umgesetzt. Es stellt sich natürlich die Frage, ob man heute noch so agieren kann wie zur damaligen Zeit.

Wie haben Sie ihn erlebt?

Ich war ein großer Fan des LASK, dessen Präsident er war. Man kann heute die Kammer und den Fußball nicht mehr zusammenbinden, wie das damals war.

Einer, der als Sekretär und Büroleiter an der Seite Ihres Vaters groß geworden ist, war Reinhold Mitterlehner. Bedauern Sie seinen Rücktritt als ÖVP-Obmann und Vizekanzler?

Mir hat der Rücktritt Mitterlehners sehr leid getan, weil ich überzeugt bin, dass er der richtige Mann am richtigen Platz ist. Er hat seine Aufgabe sehr gut erfüllt.

Mein Vater hat damals auch eine Exportstudie finanziert, die Hans Jörg Schelling, der damals an der Kepler Unversität war, durchgeführt hat.

Es wird nach dem 15. Oktober vermutlich keine große Koaliton mehr geben. Bedauern Sie das?

Ich bedauere es, wenn es keine große Koalition mehr geben sollte, denn es ist die richtige Regierungsform.