Gemeinsam an der Liebe zu arbeiten, kann Zeit, Kraft und Ausdauer kosten. Aber es zahlt sich aus: 90 Prozent aller Beziehungen können verbessert werden

© Sergey Nivens/Fotolia

Valentinstag
02/14/2016

"Freundschaften entlasten die Liebe"

Paartherapeut Wolfgang Krüger verrät, was Beziehungen gut tut und wie die Verliebtheit bleiben kann.

von Claudia Stelzel-Pröll

Dr. Wolfgang Krüger ist einer der erfolgreichsten Paartherapeuten Deutschlands und referierte diese Woche im vollen Saal des Linzer Rathauses zum Thema "So gelingt die Liebe, auch wenn der Partner nicht perfekt ist." Den heutigen Valentinstag sieht er als guten Anlass für tiefgehende Gespräche. Im KURIER-Interview erklärt er, wie Verliebtheit andauern kann und warum Freunde so wichtig sind.

Dr. Krüger, was kann/ soll/ darf der Valentinstag denn sein?

KURIER: Auch wenn der Großteil der Bevölkerung diesen Tag als Erfindung der Konsumindustrie ablehnt, kann man ihn ruhig sinnvoll nutzen. Zum Beispiel, um ein Mal im Jahr mit seinem Partner, seiner Partnerin gemeinsam Bilanz zu ziehen: Was lief gut? Wo brauchen wir Veränderung? Und dann darf jeder einen Wunsch äußern, den der andere erfüllen sollte. Große Veränderungen brauchen natürlich mehr Zeit, aber dieser Vorschlag kann auch kurzfristig etwas bewirken.

Was ist denn das Geheimnis langjähriger Verliebtheit?

Das Spannende ist, dass Verliebtheit jederzeit wieder aktiviert werden kann, und zwar durch einige ganz einfache Strategien. Dafür müssen sich Paare aber Zeit nehmen, etwa ein halbes Jahr lang. Denn die Routine der Alltagskonflikte raubt uns diese Verliebtheit, manche Beziehung hat dann nur noch den Charme einer Wohngemeinschaft. Ganz entscheidend im Alltag sind Umarmungen. Grundregel für jeden Tag: drei Mal ist zu wenig, sechs Mal ist gut, acht Mal ist sehr gut. Das mag für manche Menschen anfangs richtig komisch sein und das muss man sich wirklich vornehmen. Aber durch diese Umarmungen lässt sich körperliche Nähe herstellen und jeder verringert seinen persönlichen Sicherheitsabstand. Ein zweiter Punkt ist die Anerkennung. Es gibt Studien, die zeigen, dass das Bedürfnis nach Anerkennung größer ist als jenes nach Erotik. Das heißt, wir sollten das Besondere an unserem Partner erkennen, nicht nur die negativen Seiten sehen.

Und ein weiterer Tipp: Wer sein eigenes Leben umfänglicher und spannender gestalter, auch hin und wieder Dinge alleine oder mit Freunden unternimmt, Projekte angeht, die er schon lange in Planung hat, wird für seinen wieder Partner interessanter.

Was können diese Punkte in einer Beziehung bewirken?

Man kann sich prinzipiell alles im Leben selbst geben, nur zwei Dinge nicht: Nähe und Anerkennung. Dazu brauchen wir einfach einen anderen Menschen. Meine langjährige Erfahrung hat mich Folgendes gelehrt: Nur ganz selten suchen wir uns den falschen Partner aus, meist passen unsere Auserwählten gut zu uns. Und: 90 Prozent aller Beziehungen sind zu retten, wenn beide oder eine/r das wirklich will. Man darf nur nicht zu früh aufgeben, wenn man an den Punkt gelangt, dass die Beziehung auch Arbeit wird.

In Ihrem aktuellen Buch beschäftigen Sie sich mit Freundschaften? Schaden oder nutzen Sie einer Liebesbeziehung?

Freundschaften sind für eine Beziehung sehr, sehr wichtig. Denn sie entlasten Liebesbeziehungen auf zwei Weisen: Man ist in einer Partnerschaft nicht so abhängig von nur einer Person, wenn man auch Freunde hat. Niemand kann alle Bedürfnisse alleine abdecken, dazu braucht es einfach andere Menschen. Außerdem können wirklich gute Freundschaften auch ein Rahmen sein, um über die eigene Beziehung mit allen Hochs und Tiefs, über sein Sexualleben und über vieles mehr zu reden.

Frauen tun sich diesbezüglich meist leichter als Männer. Sie haben ein größeres soziales Netz, viele Freundschaften.

Das ist richtig. Und auch schade. In Männerrunden herrscht oft ein Konkurrenzdenken vor, da wird über Börsenkurse, Autos, berufliche Erfolge und Politik geredet, aber selten darüber, was sich wirklich tut im persönlichen Leben. Deswegen fallen Männer nach einer Trennung oft in ein tiefes Loch, weil sie eben kein soziales Netz haben, das sie auffängt. Ich habe zum Beispiel seit 40 Jahren einen besten Freund, mit dem ich mich jeden Samstag im Kaffeehaus treffe. Jeder kann dann sagen, was er auf dem Herzen hat. Jeder braucht ein soziales Dorf, dann kann man auch viel gelassener in einer Partnerschaft agieren. Freundschaften sind ein Lebensmodell.

Und wenn man mit den Freundschaften des Partners unzufrieden ist?

Das ist ein heikles Thema. Oft bestehen Freundschaften ja schon länger als die Beziehung. Und Freunde madig zu reden, das geht gar nicht. Man kann dann nur so genannte aufdeckende Gespräche führen und zum Beispiel fragen: "Was findest du an dem eigentlich gut?"

Verschenken Sie heute Blumen oder Schokolade?

Meine Partnerin bekommt eigentlich jede Woche Blumen und wir beschenken uns permanent mit kleinen Aufmerksamkeiten, die dem anderen Freude machen könnten. Meine Frau sitzt bei meinen Vorträgen immer in den ersten Reihe und erinnert mich dann gerne daran, dass wir das auch umsetzen müssen, was ich vor Publikum referiere. So gesehen ist für uns jeder Tag wie Valentinstag.

Buchautor, Redner und Therapeut

Eigentlich ist Wolfgang Krüger studierter Betriebswirt. Erst mit 27 Jahren beschloss der Berliner Psychologie zu studieren. Der Psychotherapeut und Paarberater bezeichnet seinen Beruf als Luxus: "Ich erfahre so viel über andere Menschen und oft werden Beziehung wirklich komplett umgekrempelt. Das ist beeindruckend."

Krüger ist nicht nur Therapeut mit Praxis und Kassenzulassung in Berlin, sondern auch gefragter Redner im deutschsprachigen Raum und erfolgreicher Buchautor. In seinem neuesten Buch "Freundschaft: beginnen, verbessern, gestalten" erklärt er, wie Freundschaften Sicherheit und gleichzeitig große Freiräume geben.

Und in seinem erfolgreichen Buch "Liebe ist – den ersten Schritt zu tun. Der Weg zur glücklichen Partnerschaft" beschreibt Krüger sehr anschaulich und konkret, wie sich Liebesbeziehungen entscheidend verbessern lassen – auch wenn der Partner nicht perfekt ist. Wolfgang Krüger ist 68 Jahre alt.

www.dr-wolfgang-krueger.de

Schokolade und Blumen als Geschenke

Geschichte. In vielen Ländern wird der Valentinstag am 14. Februar als Tag der Liebenden gefeiert. Das Brauchtum geht auf einen oder mehrere christliche Märtyrer namens Valentinus zurück, die – laut Überlieferung – aufgrund ihres christlichen Glaubens enthauptet wurden. Der Gedenktag wurde von Papst Gelasius I. 469 eingeführt, 1969 jedoch aus dem römischen Kalender gestrichen. Verbreitet gibt es um den Valentinstag herum viele Gottesdienste, in denen Paare gesegnet werden. Nach wie vor sind Blumen und Schokolade äußerst beliebt. Dabei zeigen aktuelle Studien, dass über 40 Prozent der 25- bis 36-Jährigen den Valentinstag komplett verweigern, nichts schenken und auch selbst keine Geschenke möchten.

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