Lokalaugenschein an der per Staatsvertrag vereinbarten Nahtstelle der D3 mit der S 10 bei Wullowitz: v. l. Ludek Keist, Otakar Vesely, Christian Naderer und Dietmar Wolfsegger

 

© WKO Freistadt

Chronik Oberösterreich
08/06/2021

Freistädter Wirtschaft fordert Fertigstellung der S 10

Verbindung von der Ostsee bis zur Adria: Die S 10 ist Teil des Transeuropäischen Netzes.

von Josef Ertl

Bei UVP-Verfahren wird in Österreich alles Schützenswerte sehr umfassend beleuchtet und bewertet. „Wir dürfen es nicht übertreiben und uns mit politischem Taktieren und weiteren Verzögerungen beim Lückenschluss der S 10 international, vor allem gegenüber Tschechien, lächerlich machen“, warnt Christian Naderer, Obmann der Wirtschaftskammer (WKO) Freistadt. „Ich fordere Ministerin Leonore Gewessler auf, die zwischenstaatliche Realität anzuerkennen und die S 10 als TEN-Strecke (Trans-Europäische Netze) ganz rasch von einem zusätzlichen Evaluierungsprozess auszunehmen.“

Tschechen über Österreich verwundert

Gemeinsam mit der Südböhmischen Wirtschaftskammer hat die WKO Freistadt die Brisanz der Thematik diskutiert und einen Lokalaugenschein an der geplanten Übergangsstelle zwischen S 10 und D3 (Dálnice 3) an der Grenze bei Dolny Dvoriste und Wullowitz vorgenommen. Diese wurde bereits im April 2017 in einem Staatsvertrag zwischen Österreich und Tschechien fixiert. Ludek Keist, Direktor der Südböhmischen Wirtschaftskammer: „Wir sind verwundert, dass dieser grenzüberschreitende Verkehrsweg nun trotz des abgeschlossenen Staatsvertrages von einem Regierungsmitglied in Frage gestellt wird.“

Von der Ostsee bis zur Adria

Die S 10 ist Teil der TEN. In Verbindung mit der Autobahn D3 in Tschechien gehört die S 10 zur kürzesten Straßenverbindung von der deutschen Ostsee über Tschechien und Österreich bis zur slowenischen Adria. Von Berlin bis Koper sind es dann exakt 1028 km. Die D3 ist die Autobahn auf der Trasse Prag–Tábor–Budweis–Dolny Dvoriste.

Tschechische Autobahn 2026 fertig

Otakar Vesely, Präsident der Südböhmischen Wirtschaftskammer, hat aktuell in einem Gespräch mit der zuständigen Direktorin für Autobahnausbau in Budweis den Planungsstand zur D3 in Südböhmen erörtert: „Der Bau liegt genau im Zeitplan, die D3 wird in einzelnen Abschnitten zwischen Budweis und Dolny Dvoriste gebaut, ein Teilstück südlich von Budweis wird als Tunnel projektiert. Die D3 wird demnach spätestens im Jahr 2026 bis an die österreichische Grenze fertig gebaut sein.“

Spätestens 2023 soll Baustart sein

Naderer sieht daher Österreich stark gefordert: „Für das 7,1 km lange Teilstück der S 10 von Freistadt Nord bis Rainbach muss umgehend nach dem zu erwartenden positiven UVP-Bescheid das weitere Planungsverfahren starten, damit 2023 mit dem Bau begonnen werden kann. Für das 8,5 km lange verbleibende Teilstück von Rainbach bis zur Grenze in Wullowitz muss rasch das Einreichprojekt gestartet werden!“

Wirtschaft wächst über die Grenzen hinweg zusammen

Dietmar Wolfsegger, Leiter der WKO Freistadt, erläutert die Bedeutung der S 10 als Wirtschafts- und Wohlstandsachse: „Die TEN sind ein Beitrag der Europäischen Union zur Entwicklung des Binnenmarktes und zur Verbesserung des wirtschaftlichen und sozialen Zusammenhaltes der Union. Die Wirtschaft in Oberösterreich und Südböhmen hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten immer dichter miteinander verflochten. Zudem werden die wirtschaftlichen Entwicklungmöglichkeiten in Tschechien weiterhin als sehr gut eingeschätzt. Das Verkehrsaufkommen bei Wullowitz lag im Jahr 2019 bei rund 7500 Kfz täglich. Für das Jahr 2035 werden rund 20.100 Kraftfahrzeuge prognostiziert. Wer also eine Verzögerung bei der S 10 in Kauf nimmt, ignoriert Fakten und europäische Grundsätze. Die S 10 ist unverzichtbar und nicht aufzuhalten.“

Bauplanung

Die konkreten Bauabschnitte an der D3: Aktuell befinden sich zwei Abschnitte der D3 von Prag über Budweis Richtung Linz in Bau. Sowohl das 7,2 km lange Stück von Usilne nach Hodejovice, als auch das angrenzende 12,5 km lange Stück bis Trebonin sollen 2023 in Betrieb genommen werden. Der 8,6 km lange Abschnitt weiter nach Kaplice wird bis 2024 fertiggestellt. Weitere zwölf Kilometer von Kaplice bis Nazidla wird unser Nachbarland von 2023 bis 2025 errichten und ab 2022 soll mit dem noch fehlenden 3,5 km langem Stück bis zur Staatsgrenze begonnen werden. Spätestens ab 2026 wartet die fertige D3 auf den Anschluss an die S 10 in Wullowitz.  
 

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