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Chronik Oberösterreich
07/21/2012

Flussperlen für die Kaiserkrone

Einst bevölkerten viele Millionen die Mühlviertler Flüsse und Bäche. Nun soll ein Zuchtprogramm ihr Überleben sichern.

von Josef Ertl

Millionen von Flussperlmuscheln bevölkerten in den vergangenen  Jahrhunderten die Flüsse  des Mühl- und Waldviertels.   Die Sohlen der Bäche waren voll von den etwa zwanzig Zentimeter langen  schwarzen Muscheln,  die sich   in mehreren Stockwerken übereinander   auftürmten.   Die Bauern  schaufelten sie mit   Gabeln aus den Gewässern  und verfütterten das Muschelfleisch an die Schweine. Die harten Schalen mit den scharfen Kanten, die über Jahrzehnte gewachsen waren,  verwendeten sie zum Entborsten der Schweine.

Die Flussperlmuscheln  erfreuten nicht nur die Bauern, sondern auch die Perlenfischer.  Mit  speziellen Vorrichtungen zwängten  sie die Muschelwände auseinander. Eine mühevolle Angelegenheit,  denn nur jede 3000. Muschel enthält  eine Perle. Sie entsteht, wenn  ein Sandkorn oder eine andere Verunreinigung  zwischen Schale und Muschelfleisch zu liegen kommt. Die Muschel überzieht sie Schicht für Schicht mit Perlmutt. Perlen waren stets gefragt.  So zieren  10.000 eingefärbte Flussperlen  ein altes Messgewand des Stiftes Schlägl. Sie  schmücken die Kaiserkrone und  Bischofsmützen.

Noch 10.000 Muscheln

Heute sind die Flussperlmuscheln vom Aussterben bedroht. In Oberösterreich gibt es noch geschätzte  10.000 Stück.  Rund 2500 sind auf einer 300 bis 400  Meter langen Muschelbank  der Waldaist  im (Bez. Freistadt) konzentriert, der beste Bestand im Land. „Wenn man nichts tut, gibt es sie  in 20 bis 30 Jahren nicht mehr", sagt Stefan Guttmann, Wasserökologe des Landes.  Neben der Waldaist enthalten  die Maltsch (Grenzfluss zu Tschechien), die Naarn und die Große und Kleine Mühl noch Muschelbestände. Dazu kommt der Leithenbach bei Peuerbach. Denn die Muscheln brauchen den Granitboden als  Untergrund. Der ist eben nur im Mühl- und Waldviertel und im Sauwald gegeben.

Warum sind die Bestände so extrem stark zurückgegangen? Aus den Feldern und Wäldern wird viel Material und  Gülle in die Flüsse und Bäche eingeschwemmt. Selbst  wenn die Sedimente ganz  fein sind,  bringen sie den Kies und Schotter, in dem die Muscheln stecken, zum Ersticken. Die Muscheln graben sich in der ersten Phase der Entstehung richtiggehend in den Boden ein. Weil die Fortpflanzung in der Wildbahn oft nicht mehr funktioniert,  hat die Landesregierung am Ortsrand von Kefermarkt eine künstliche  Station errichtet. Die Fortpflanzung  ist ein interessanter und komplizierter Vorgang.  Die Muscheln sind erst nach  25 bis 30 Jahren  zeugungsfähig.

Bachforellen als Wirte

Die Männlein streuen ihren Samen aus, den die Weibchen einsaugen. Es kommt zur Befruchtung. Die Weibchen   stoßen   die Muschellarven aus, die die  Bachforellen zu fressen versuchen, weil sie vermuten, es handle sich um Nahrung. Die Larven  nisten sich in den Kiemen der Bachforellen für rund neun Monate ein.

Nach dem ersten Winter fallen sie aus den Kiemen heraus und  in das Schotter- und Kiesbett des Baches hinein, wo sie sich für fünf bis sechs Jahre eingraben. Wenn sie zwei bis drei Zentimeter groß sind, kehren sie an die Oberfläche zurück. Wenn die Muscheln   überleben,  haben sie ein langes Leben vor sich. Sie  werden  bis  zu 200 Jahre alt.

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