Chronik | Oberösterreich
05.12.2011

Fleischhaken, Ekstase und Tattoos

Beim Auftritt seiner Band Fuckhead kam früher die Polizei. Mittlerweile arbeitet Didi Bruckmayr auch am Theater.

Sänger, Musiker, Schauspieler, Video- und Performance-Künstler, dazu noch Doktor in Wirtschafts- und Sozialgeschichte. Der gebürtige Linzer Didi Bruckmayr ist äußerst umtriebig. Vor wenigen Wochen hat er in Kärnten in der Oper "Ecce Homo" - ein Werk der Band Naked Lunch - als Performer und Sänger mitgewirkt.
Derzeit bastelt das Multitalent, das Tätowierungen liebt, an einem neuen Album seiner Hardcore-Band Fuckhead, das im Herbst erscheinen soll. In Kürze kommt auch die neue Platte seines Projekts "Mussurunga" auf den Markt, bei dem Bruckmayr gemeinsam mit seinem Cousin Siegmar Aigner elektronische Musik für die Tanzböden der Clubs produziert. "Nächstes Jahr werde ich ordentlich herumfahren", sagt der 45-jährige Künstler. Das Bandprojekt Fuckhead, dessen Frontmann er ist, macht seit 1988 immer wieder mit brachialer Musik und extravaganten Auftritten von sich reden. Bruckmayr ließ sich beispielsweise an Fleischhaken über der Bühne aufhängen. Eine Fotoserie in einer Zeitung sorgte vor einigen Jahren dafür, dass sogar die Staatspolizei ein Konzert besuchte. "Das ist aber schon lange her, jetzt sind wir eigentlich etabliert." Der Hintergrund dabei sei "die Freude an Selbstentblödung".
Nie ginge es um die Provokation, sondern um die Ekstase. "Das müssen kollektive Ereignisse sein, das Publikum darf dabei aber keinen Schaden nehmen."
International sorgte die Band ebenfalls für Furore. Sie spielte bereits bei wichtigen Festivals in London und Berlin. Besonders fasziniert war Bruckmayr von den Konzertbesuchern in Japan, wo er vor zehn Jahren spielte. Die Menschen hatten Taschen mit, wo ihr Arbeitsgewand verstaut war. "Sie haben den Verstand an der Garderobe abgegeben und ausgelassen gefeiert. Danach trifft man sie im Vorortzug wieder, wo sie zurück im zivilen Leben sind und einen nicht mehr kennen."
Wichtig an seiner Tätigkeit als Künstler sei der Spaß an der Sache, auch wenn man dabei oft wenig Geld verdiene. "Ich bin 45 und schleiche in Clubs herum, wo die meisten Besucher 20 Jahre alt sind. Ich werde auch noch mit 60 dorthin gehen", sagt der Vater zweier Töchter. Die elektronische Musik, die ihn vor allem interessiere, werde von sehr jungen Menschen gemacht. Aber auch an Klängen der Renaissance und des Pop findet Bruckmayr Gefallen.

Theater

Ab und zu beteiligt sich der Künstler auch an Theateraufführungen. Er arbeitete schon im renommierten Wiener Akademietheater. Für das Stück "Gilgamesch", das dort sieben Jahre lang aufgeführt wurde, machte er die Musik. Außerdem war er als Schauspieler engagiert und stand neben der Grande Dame des Burgtheaters, Bibiana Zeller, auf der Bühne. Und im Linzer Landestheater wirkte er mit Fuckhead im vergangenen Jahr bei Bertolt Brechts "Im Dickicht der Städte" mit.