Fall Paulina: Kein Missbrauch

Der Stiefvater und sein Sohn sind grundsätzlich geständig. Das Motiv für den Mord an der 14-Jährigen bleibt aber unklar.

Von unserer Seite her ist alles klar. Die Tatverdächtigen haben gesagt, wo die Leiche liegt, wir haben die 14-Jährige gefunden, die Spurenauswertung ist im Gange", sagte Erich Allmer vom Landeskriminalamt OÖ am Freitag zum "Mordfall Paulina". Viele Details müssen aber noch zu einem Ganzen zusammengefügt werden.

Am Freitag wurden der tatverdächtige Stiefvater und sein 19-jähriger Sohn noch einmal mehrere Stunden lang von der Haftrichterin befragt: Musste Paulina sterben, weil der 48-jährige Fernfahrer Rache an seiner Ex-Frau nehmen wollte? Waren die Entführung und die Ermordung geplant? Wer hat die Tat ausgeführt? Welche Rolle spielte der 19-jährige Stiefbruder von Paulina? Was war die Tatwaffe?

Kein Missbrauch

Musste Paulina sterben, weil ihr Stiefvater die Trennung von der Mutter nicht verkraftete?
© Bild: apa

Die beiden Tatverdächtigen waren allerdings auch am Freitag nicht besonders gesprächig. Klar ist aber: "Die beiden haben die Tötung zugegeben und es ist in gemeinsamer Zusammenarbeit geschehen", sagt Franz Haas von der Staatsanwaltschaft Wels. Zu den Gerüchten über angebliche sexuelle Übergriffe des Stiefvaters sagt Haas: "Sexueller Missbrauch ist auszuschließen. Die Obduktion ergab nichts." Ob der Verdächtige die Stieftochter belästigt hat, ist offen.

Noch sind nicht alle Details geklärt, aber: "Die beiden blieben bei ihrem Tatsachengeständnis, das auch zur Auffindung der Leiche geführt hat. Das Schädel-Hirn-Trauma, das den Tod verursacht hat, lässt sich mit den Schilderungen der Verdächtigen in Einklang bringen. Tatwaffen dürften eine Taschenlampe und ein Strick gewesen sein", sagte Haas.

Weitere Details wurden aus kriminaltaktischen Gründen nicht bekannt gegeben. "Wir müssen noch weitere Personen aus dem Umfeld befragen und wollen nicht, dass vorher etwas an die Öffentlichkeit dringt", erklärt Haas. Über die Männer wurde Untersuchungshaft verhängt.

Zeugnistag

Musste Paulina sterben, weil ihr Stiefvater die Trennung von der Mutter nicht verkraftete?
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In der Schule von Paulina, dem Gymnasium Bad Ischl, verlief der sonst so fröhliche Tag der Zeugnisverteilung am Freitag schwer getrübt. "Die Jugendlichen unserer Schule gehen mit einen großen Pinkerl in die Ferien", sagt Direktor Günter Mautz. Auch Paulinas Stiefbruder hatte gerade die Matura hier abgelegt.

Werner Schöny, Leiter der Landes-Nervenklinik Wagner-Jauregg in Linz glaubt, dass Einzelne vielleicht eine Therapie benötigen. "Bei einem Gewaltverbrechen ist ,das Unfassbare' noch stärker als etwa bei einem tödlichen Autounfall, weil man in der eigenen Umgebung nicht mit so etwas rechnet."

Wie berichtet, verschwand Paulina am Dienstag. Die Verdächtigen sollen sie bei einer Bushaltestelle entführt und dann getötet haben. Die Leiche wurde auf einem Grundstück in Radau bei St. Wolfgang verscharrt. Am Mittwoch wurden die beiden tatverdächtigen Männer verhaftet. Einen Bericht der Kronen Zeitung, wonach bereits Tags zuvor ein Entführungsversuch gescheitert war, weil Paulina auf dem Weg zur Schule nicht allein war, wurde von den Behörden nicht bestätigt.

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( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011