Georg Wojak wurde aus dem Bezirk Braunau abgezogen

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Chronik Oberösterreich
10/09/2019

Ex-Bezirkshauptmann Wojak lässt offen, ob er gegen Absetzung kämpft

Der frühere Braunauer Bezirkschef Georg Wojak ist über seine Ablöse betroffen. Die Entscheidung selbst kommentiert er nicht.

von Wolfgang Atzenhofer

„Wer glaubt, dass ich heute im Krankenstand bin, der irrt.“ Georg Wojak, der im Zuge eines Amtsenthebungsverfahrens abgesetzte Bezirkshauptmann von Braunau gibt aber zu, angeschlagen und betroffen zu sein. Zum Dienst war der Landesbeamte an seiner nun zugewiesen Arbeitsstelle in der Gesundheitsabteilung der Landesregierung am Mittwoch dennoch erschienen.

Am Dienstag um 11.15 Uhr sei er zu Landeshauptmann Thomas Stelzer zitiert worden, der ihm seine Abberufung mitgeteilt hat. Wie berichtet, war Stelzer einer einstimmigen Empfehlung einer Begutachtungskommission gefolgt, die den noch im Vorjahr hochgelobten Beamten für die Ausübung der Führungsposition nicht mehr als geeignet eingestuft hat. Gegen Wojak waren Amtsmissbrauchsvorwürfe erhoben worden. Stelzer möchte die Bezirkshauptmann-Stelle in Braunau  bis Anfang 2020 neu besetzten.

„Ich bin sehr traurig, nicht mehr mit den über 100.000 Menschen im Bezirk Braunau und den vielen tüchtigen Mitarbeitern arbeiten zu können. Sie fehlen mir sehr“, sagt  Wojak. Die harte Entscheidung gegen ihn lässt er vorerst unkommentiert.

Protestbriefe

Über 300 Protestbriefe wurden gegen das Amtsenthebungsverfahren an Landeshauptmann Stelzer und Führungspersönlichkeiten des Landes geschickt.  „In meinem Dank möchte ich Bürgermeister Franz Zehentner  besonders hervorheben. Er hat für mich gekämpft wie ein Löwe“, erklärt Wojak. Der Sprecher der Bürgermeister des Bezirks Braunau war offen und beherzt gegen das Absetzungsverfahren aufgetreten.

Ob Wojak  gegen seine Absetzung arbeitsrechtliche Schritte einleiten wird, müsse er erst mit seinem Rechtsanwalt Bruno Binder besprechen. Mit dem Landeshauptmann habe er jedenfalls keinen Kompromiss geschlossen.

Strafrechtlich würden die Vorwürfe ganz sicher nicht halten, sagt er zur Anzeige bei der Staatsanwaltschaft. Weder von der Staatsanwaltschaft in Wels noch von der Wirtschafts- und Korruptionssstaatsanwaltschaft gäbe es bisher Erklärungen, berichtet Wojaks Anwalt Bruno Binder.

Zwei Optionen

Die Vorwürfe seinen rechtlich sehr dünn, meint er. Für Wojak gäbe es zwei Optionen sagt der Jurist. "Ein Verfahren vor dem Arbeitsgericht wäre wohl aussichtsreich, könnte sich aber über zwei Jahre hinziehen, was für einen 60-Jährigen keine angenehme Sache wäre", so Binder.

Als zweite Möglichkeit steht ein Angebot des Landeshauptmanns für Wojak im Raum, wonach er eine interessante angemessene Tätigkeit angeboten bekommen könnte. "Wir werden uns an einen Tisch setzen und die Situation ordentlich beraten", kündigt der Rechtsvertreter an.

Erst 2018 war Wojaks Dienstvertrag als Bezirkshauptmann für weitere fünf Jahre bis 2023 verlängert worden. Ebenfalls im Vorjahr wurde seine Arbeit vom Landeshauptmann im Zuge einer Jubiläumsfeier der  BH  Braunau noch ausdrücklich gelobt. Auf seine Initiative wurde auch der „Friedensbezirks Braunau“ gegründet, um gegen das schlechte Image von Braunau anzukämpfen.  Alle Gemeinden schlossen sich dem Netzwerk an. „Dass mir das alles genommen wird, tut mir sehr weh“, sagt Wojak