Chronik | Oberösterreich
03.06.2018

Erleichterung in der Schwangerschaft

Bewegung und Balaststoffe. Wie werdende Mütter Blähungen und Verstopfungen entgegenwirken können

Immer wieder erfreue ich mich daran, dass so viele Jungfamilien ihren Weg zu mir in die Praxis finden.

Nicht, dass ich mir wünsche, möglichst viele kranke junge Menschen zu behandeln, aber ich empfinde es als Ehre, dass Kinder sich bei mir so wohl fühlen, wie es bei der Frau Doktor eben möglich ist. Ebenso, dass junge Mütter und Schwangere mir ihr Vertrauen schenken. So werde ich auch häufig um Rat gebeten, was diverse Schwangerschaftsbeschwerden betrifft.

Ganz oben auf der Liste rangieren Blähungen und Verstopfung. Was ist eigentlich schuld daran? Zu Beginn der Schwangerschaft ist zum großen Teil das Hormon Progesteron verantwortlich dafür. Es sorgt dafür, dass sich die Eizelle in der Gebärmutter einnisten kann. Weiters regt Progesteron das Wachstum der Milchdrüsen an, damit alles für die Milchbildung vorbereitet ist. Überhaupt kümmert sich dieses Hormon sich darum, dass sich das Baby im Bauch der Mutter rundherum wohlfühlt.

Die Frau wird von innen „ausgepolstert“, das heißt, Wasser wird eingelagert (das macht das Progesteron das auch bei Nichtschwangeren im Laufe des monatlichen Menstruationszyklus). Zusätzlich wird mehr Platz für die wachsende Gebärmutter geschaffen, das heißt, dass der Tonus der Muskulatur nachlässt. Das bedeutet aber auch, dass die Muskulatur im Magen-Darm-Trakt etwas erschlafft und der Nahrungsbrei beziehungsweise Stuhl langsamer Richtung Ausgang transportiert wird. Einerseits ein Vorteil, weil dem Darm noch mehr Nährstoffe ins Blut entzogen werden können, andererseits eben lästig.

„Achten Sie auf sich und genießen Sie die wundervollen Monate.“

Im Laufe einer Schwangerschaft drückt auch die Gebärmutter zunehmend auf den Darm und erschwert so quasi mechanisch den Verdauungsweg. Das sind Tatsachen, ist die werdende Mutter also ihrem Schicksal für neun Monate ausgeliefert? Gott sei Dank nicht, hier kommen ein paar Tipps zu Erleichterung:

Bewegung: Körperliche Aktivität fördert die Verdauung. Sprechen Sie mit ihrem Arzt/ihrer Ärztin darüber, welche Sportarten für Sie geeignet sind. Auch Spazierengehen erfüllt bereits seinen Zweck. Positive Nebeneffekte sind besserer Schlaf, robusterer Kreislauf, eine ausgeglichenere Stimmungslage sowie weniger Gewichtszunahme.

Flüssigkeit: Achten Sie auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr von zumindest zwei Litern pro Tag. Im Darm wird dem Stuhl Wasser entzogen, trinken Sie ohnehin zu wenig, wird der Brei so fest, dass die Ausscheidung erschwert und schmerzhaft wird.

Ballaststoffe: Faserstoffe, wie sie in Obst, Gemüse und Vollkornprodukten enthalten sind, vervielfachen ihr Volumen im Darm und regen den Weitertransport an. Auf diese Weise funktionieren auch bekannte Hausmittel - Leinsamen über Nacht ansetzen oder Pflaumen einweichen. Sie können übrigens das Pflaumenwasser auch trinken!

Abführende Medikamente: Wenn gar nichts hilft und der letzte Stuhlgang bereits drei Tage zurückliegt, sollten Sie mit ihrem Arzt/ ihrer Ärztin Rücksprache halten. Es gibt Medikamente, die Sie auch während der Schwangerschaft einnehmen können. Allen werdenden Mamis möchte ich sagen: Achten Sie auf sich, tun Sie sich Gutes und genießen Sie diese wundervollen Monate.