Maria Himmelfahrt-Feier am 28. August im Nonnenkloster Duga: der serbisch-orthodoxe Metropolit Amfilohije, zuständig für Montenegro.

© Rupprecht@kathbild.at/Franz Josef Rupprecht

Chronik Oberösterreich
10/04/2014

Elite aus Schmugglern und Politikern

Montenegro - Landschaftlich von unglaublicher Schönheit, aber politisch zerrüttet. So präsentiert sich der neue Kleinstaat an der Adria, der in die EU will.

von Josef Ertl

Es könnte nicht idyllischer sein. Die Sonne scheint, ringsum die montenegrinischen Berge, die Menschen drängen sich um den serbisch-orthodoxen Metropoliten Amfilohije Radovic, der vor einer kleinen Kirche predigt. Die Gläubigen drängen sich um ihn und küssen ihm die Hand. Es ist der 28. August, Maria Himmelfahrt im orthodoxen Kirchenkalender, der Metropolit ist imNonnenkloster Duga zu Besuch. Immerhin treten fünf Frauen in den Orden ein, vier Kinder werden getauft und ein junges Paar heiratet. Kuchen und Mehlspeisen sind vorbereitet, die die Nonnen nach den Feierlichkeiten an die Menschen verteilen.

Die Kirche boomt

"Seit 1990 erleben wir ein Wunder Gottes", erzählt der Metropolit, "das Volk kehrt in großer Mehrheit zur Kirchen zurück". Tausende würden sich taufen lassen, die Zahl der Priester sei von 15 auf 300 angestiegen, mehr als 600 Kirchen seien erneuert worden. Montenegro mit seinen 625.000 Einwohnern und 13.800 Quadratkilometern sei seit 2006 ein unabhängiger Staat, die Kirche habe gegen diese politische Wende nichts zu sagen. Mit der Regierung unter der Führung von Milo Dukanovic liegt er aber im Clinch. Denn diese unterstütze eine eigene montenegrinisch-orthodoxe Kirche, um die Staatenbildung zu fördern. "Die Regierung führt das Erbe der Kommunisten weiter", wettert Amfilohije, "aber diese Gruppierung wird von niemandem anerkannt".

Er respektiere auch den Wunsch Montenegros nach einem EU-Beitritt. Die Anerkennung des Kosovo als selbstständigen Staat hält er für einen Fehler. "Welches Ziel hat die Kleinstaaterei am Balkan, die es nie gegeben hat?" Die USA und die EU hätten die territoriale Integrität Serbiens bzw. Jugoslawiens in Frage gestellt und und terroristische Organisationen wie die UCK unterstützt. Er stelle dem das christliche Wort entgegen: "Eine gute Sache, die nicht auf gute Weise getan wird, kann nicht gut werden." Er habe viele vergewaltige und abgeschlachtete Frauen begraben müssen. Man müsse neue Lösungen finden, "die aber weder in Brüssel noch in Belgrad liegen".

Korruption

Ein vernichtendes Zeugnis stellt Andrija Mandic, Vorsitzender der Neuen serbisch-demokratischen Partei und Abgeordneter im 81-köpfigen Parlament, der Regierung aus. "Das größte Problem des Landes ist die Korruption", sagt er. Die politische Macht habe sich nie geändert, aus den Kommunisten seien Sozialdemokraten geworden. Montenegro sei zum Hauptsitz des Schmuggels in Europa geworden. Es habe sich eine Symbiose aus den Sicherheitsdiensten und der Unterwelt gebildet. "Man kann die Grenzen zwischen dem Staat und der Mafia nicht erkennen." Es habe sich inzwischen eine wirtschaftliche Elite gebildet, die sich zusammensetze aus der Spitze des Staates, den Schmugglern, der Unterwelt und den Sicherheitsdiensten. Bei den Wahlen komme es ständig zu Unregelmäßigkeiten, oppositonelle Medien würden angegriffen, Journalisten zusammengeschlagen. "Die Menschen verlieren den Glauben an den Wahlprozeß und es gibt keinen Rechtsstaat." Mit Gewalt werde jetzt in den Schulen die montenegrinische Sprache eingeführt. "Wenn sich jemand für den Staatsdienst bewirbt und angibt, er ist Serbe, wird er automatisch abgelehnt. Wir lehnen diese gewaltmäßige Assimilierung ab." Laut Volkszählung 2011 sind 45 Prozent Montenegriner, 29 Prozent Serben, neun Prozent Bosniaken und fünf Prozent Albaner.

Verdächtiges Kapital

Das Land ziehe Investoren mit verdächtigem Kapital an, trotzdem werde die wirtschaftliche Lage von Tag zu Tag schlechter, sagt Mandic. Die Staatsschulden seien von 400 Millionen auf 1,7 Milliarden Euro gestiegen. Trotz der politischen Misere glaubt er an die Chancen des Landes. "Wir haben eine sehr schöne Küste, wunderbare Seen und Berge." In der Adria- und Touristenstadt Budva, in der kürzlich der serbische Tennisstar Novak Djokovic geheiratet hat, hat dies zu einem Immobilienboom geführt. In der Spitze explodierte der Quadratmeterpreis auf 5000 Euro, inzwischen ist er auf 1200 Euro gesunken. Die große Investorenansturm ist vorbei.

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