Chronik | Oberösterreich
07.10.2018

Einzigartige sportliche Leistung

Crossing Austria. Klaus Gösweiner und Markus Amon liefen auf den Grossglockner

Es fällt mir wirklich schwer, meine Eindrücke und Erlebnisse der vergangenen Woche in Worte zu fassen. Mehr als ein Jahr lang haben sich die beiden Ausnahmeathleten Markus Amon und Klaus Gösweiner auf ihr Projekt „Crossing Austria“ vorbereitet. Und genau so lange war ich als betreuende Ärztin in dieses Team integriert.

Ich kann mich noch genau an den Tag erinnern, an dem wir zusammengesessen sind und über einen passenden Namen nachgedacht haben. Welche Berge die beiden überqueren wollten, war viel früher fixiert. Heute kann ich sagen, es ist ihnen beinahe alles gelungen. Aufgrund von Schlechtwetter und Schneefall mit Verwehungen mussten wir den Dachstein, Klaus’ Hausberg, leider auslassen.

Pause für Markus

Und Markus musste am Tag 6 pausieren. Ich wähle bewusst das Wort „pausieren“ und nicht aussteigen, weil Markus an Tag 7 ab dem Glocknerhaus wieder aktiv ins Geschehen einstieg. Die beiden wollten den höchsten Punkt Österreichs einfach unbedingt gemeinsam erreichen.

Die sportliche Leistung, die die beiden erbracht haben, ist meiner Meinung nach einzigartig. Und so viele Lichtjahre von jedem anderen Menschen, den ich kenne, entfernt, dass wir vom Team oftmals unseren Blickwinkel adjustieren mussten. Wir erwischten uns selbst dabei, wie wir sagten: „Ach, es ist ja nicht mehr so weit heute, nur noch vierzig Kilometer und zweitausend Höhenmeter!“

Aber was diese Woche zu einer ganz besonderen in meinem Leben gemacht hat, waren die Emotionen. Diese beiden Männer waren eine ganze Woche lang nie schlecht gelaunt oder ungeduldig, obwohl sie teilweise mehr als 14 Stunden unterwegs waren. Wenn sie müde waren, verhielten sie sich einfach „nur“ nett und höflich, ansonsten liefen nicht nur die Beine, sondern auch der Schmäh. Natürlich gab es auch Momente, wo die Stimmung kurzfristig in den Keller rauschte, zum Beispiel, als wir den beiden beibringen mussten, dass der Dachstein ausfallen musste.

Silke Kranz kümmert sich um die schmerzenden Beine von Klaus Gösweiner

Dramatisch

Unglaublich, wie ein Team von ungefähr fünfzehn Personen plötzlich unruhig wie ein Bienenschwarm wird, wenn die beiden Protagonisten sich nicht wohl fühlen. Der dramatischste Moment allerdings war, als Markus dem Team Donnerstag Früh bekannt gab, dass er nicht mehr weiter laufen würde. Ich weiß, es ist „nur“ Sport, und der Weltfrieden hängt nicht davon ab, dennoch ging in dieser Sekunde viel kaputt, weil die beiden so hart gekämpft hatten, sich in der Vorbereitung neben Familie und Job jedes Training von ihren 24 Stunden täglich „abzwicken“ mussten, weil wir vom Team unser Bestes gegeben hatten, um sie zu unterstützen und vieles mehr. Ich habe inzwischen viele Athleten und Rennen begleitet, aber ich habe noch nie jemanden gesehen, der sich so lange so extrem gequält hat wie Markus. Massive Sehnenscheidenentzündungen auf beiden Unterschenkeln haben ihn ab dem dritten Tag begleitet und immer wieder zum Gehen gezwungen.

Am sechsten Tag beim Aufstehen war klar, dass nicht einmal Gehen mehr möglich war. Wäre diese Woche zu einem Hollywood-Schinken verfilmt worden, hätte ich wahrscheinlich mehrfach die Augen verdreht und mich über die an den Haaren herbeigezogene Dramatik lustig gemacht. Aber wie heißt es so schön: Die besten Geschichten schreibt das Leben! Und das Erfreulichste ist, dass es auch noch ein Happy End gibt. Dieses Happy End macht auch für mich die viele Arbeit, den Schlafmangel, die Erschöpfung und die Unbequemlichkeit mehr als wett. Ich kann behaupten, noch nie so stolz darauf gewesen sein, Teil eines Teams zu sein.

Silke Kranz ist Ernährungs- und Sportmedizinerin und Ärztin für Allgemeinmedizin in Bad Zell. www.dynafit.com/de-at/crossing-austria-project