Ein Ritt auf dem Traunsee

Das Fest für den Schriftsteller Josef Winkler brachten sogar Ö1 und Otto Brusatti ins Gmundner Stadttheater.

Einen "Tanz ums goldene Kalb" wollte Josef Winkler vermeiden, als er eingeladen wurde, der Artist of Residence beim diesjährigen Literaturschwerpunkt der Gmundner Festwochen zu werden. "Ich wollte ein lebendiges Fest mitgestalten, wo es Musik, Tanz, Kunst und Film gibt, und nicht nur eine Beweihräucherung meiner Person", so Winkler. Geehrt wurde der mehrfach ausgezeichnete Schriftsteller aus Kärnten an diesem Wochenende trotzdem zur Genüge.

Talk im Stadttheater

Am Samstag sendete der "Ö1 Klassik Treffpunkt" live vor Publikum ein Gespräch mit dem Radiomoderator Otto Brusatti und der Festwochen-Intendantin Jutta Skokan aus dem Gmundner Stadttheater. In lockerer Wohnzimmeratmosphäre plauderte Brusatti mit Winkler und Skokan über Musik, Weltgeschehen, Sünden und Süchte, aber auch über die ewige Suche nach dem "anderen", die den Schriftsteller stets begleitet. Bei seinen unzähligen Reisen nach Indien lernte Winkler die klassische Musik dieses Landes lieben und wagte gar die Vermutung, manches aus der indischen Klassik sei mindestens so gut wie Mozart.
Über Winkler wurde einmal geschrieben, er sei "einer, der auszog, das Fürchten nicht zu verlernen". Er selbst erklärt sich diese Einschätzung durch seine schwierige Kindheit in Kärnten. Er habe seinem Vater sogar Geld gestohlen, um sich Bücher zu kaufen, und war eng mit dem Ortspfarrer verbunden, den er wie einen zweiten Vater verehrte. Seine Erfahrungen in einer katholischen bäuerlichen Familie verarbeitet er in vielen seiner Bücher, wofür er als junger Schriftsteller kritisiert und später hochgelobt wurde.
Die Musikauswahl der Sendung war so vielseitig wie die Gmundner Festwochen selbst. Neben Klassik wurde auf Wunsch der Intendantin bayrische Volksmusik gespielt, Winkler präsentierte ein etwas eigenwilliges Stück aus der indischen Klassik, ein Schwulen- und Lesbenlied aus den 1930er-Jahren und machte am Schluss einen Sprung zu Johnny Cash.
Das Zwischenfazit für die Festwochen fällt für die Intendantin Skokan positiv aus: "Diese Veranstaltung ist immer wie ein Ritt auf dem Traunsee. Wir sind froh, dass das Wetter so schlecht ist, da bleiben die Leute vom See weg und kommen zum Festival." Konkurrenz aus den umliegenden Festspielorten fürchtet Skokan ebenfalls nicht und hofft, dass das abwechslungsreiche Mehrspartenprogramm in Gmunden die Besucher auch in den übrigen drei Wochen überzeugen wird.

( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011