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Chronik Oberösterreich
03/31/2019

„Eigenes Handy solange wie möglich hinauszögern“

Polizist Alexander Geyrhofer nimmt Eltern in die Verantwortung: Sie müssen wissen, was ihre Kinder im Internet tun und sie begleiten.

von Claudia Stelzel-Pröll

20 Jahre Erfahrung hat Alexander Geyrhofer in seinem Buch gebündelt. „Kinder sicher im Internet. Die digitalen Gefahren für unsere Kinder und wie wir sie davor schützen können“ erscheint dieses Wochenende. Nach zwei Jahrzehnten in der Kriminalprävention Jugendgewalt und Internetkriminalität ist er an seinen Heimatposten in Schörfling am Attersee zurückgekehrt.

Im KURIER-Gespräch erklärt der 55-Jährige, warum Eltern eine hohe Medienkompetenz brauchen, was Cybermobbing ist und warum Kommunikation die beste Prävention ist.

KURIER: In Ihrem Buch schildern Sie krasse Fälle, was Kindern und Jugendlichen passieren kann, die unbegleitet im Internet unterwegs sind. Welche Verantwortung haben Eltern?

Eltern entscheiden: Was gebe ich meinen Kindern in die Hand und wie kontrolliere ich, was sie machen? Lasse ich es zu, dass meine Kinder stundenlang vor irgendwelchen Bildschirmen sitzen? Diese Verantwortung haben alleine die Eltern. Wenn unsere Kinder zur Welt kommen, werden sie behütet, wenn es Richtung Straßenverkehr geht, werden sie geschützt, wo es nur geht. Nur mit dem Internet werden Kinder alleine gelassen.

Eltern müssen wissen, auf welchen Internet-Seiten ihre Kinder unterwegs sind, welche Spiele sie spielen, welche sozialen Medien sie nutzen. Begleitung, Zeit und Beziehung sind die entscheidenden Faktoren. Und natürlich die Vorbildfunktion: Wenn Kinder ihre Eltern permanent mit dem Handy in der Hand sehen, hat das Auswirkungen.

Welche Möglichkeiten gibt es, Kindern einen gesunden Umgang mit digitalen Medien zu lehren?

Es läuft alles über die Kommunikation. Reden und vorbereiten, auch auf die schlimmen Dinge, die passieren können. Den Kindern muss bewusst sein, dass im Internet auch Menschen unterwegs sind, die es nicht gut mit ihnen meinen. Da gibt es tatsächlich 13-Jährige, die, ohne es zu wissen, mit Pädophilen chatten und verfängliche Fotos verschicken. Prinzipiell ist es so: Überall, wo Kinder sind, ist die Wahrscheinlichkeit auch groß, dass sich Pädophile aufhalten. Das müssen Kinder und Jugendliche wissen. Außerdem gilt es, konkrete Regeln zu vereinbaren, etwa über die Dauer der Nutzung. Oder dass ein Smartphone in der Nacht im Kinderzimmer nichts verloren hat. Oder dass niemals Daten und Fotos bekannt gegeben werden dürfen.

Ab wann sollen Kinder mit den Gefahren des Internet konfrontiert werden?

Sobald sie online unterwegs sind, muss die Aufklärung beginnen. Ab dann muss für die Kinder klar sein, dass es eine erwachsene Ansprechperson gibt, die sich auskennt.

Ab welchem Alter kann man Kindern ein eigenes Smartphone anvertrauen?

14 Prozent der Drei- bis Fünfjährigen und 42 Prozent der Fünf- bis Achtjährigen besitzen ein eigenes Handy. Als Polizist und als vierfacher Vater rate ich allen: Versuchen Sie, es solange wie möglich hinauszuzögern! Kinder im Volksschulalter sind definitiv zu jung für ein eigenes Smartphone. Und auch danach würde ich raten, den PIN-Code zu wissen. Denn bis 14 Jahre gibt es eine Fürsorge-Verpflichtung, sprich Eltern müssen für das geradestehen, was ihre Kinder im Netz machen. Deswegen ist es so wichtig, dass man sich selber auskennt mit den digitalen Medien. Daran führt kein Weg vorbei.

Was ist Cybermobbing und wer ist betroffen?

Cybermobbing beschreibt jede Art von Kommunikation, in diesem Fall online, die vom Opfer als negativ empfunden wird. Wir hatten einen Fall in Leonding: Ein Mädchen bekam 500 bis 1000 WhatsApp-Nachrichten pro Nacht von Mitschülern, unter anderem mit der Aufforderung, sich umzubringen. Oder ein Bursche, der in der Schule beim Klogang gefilmt wurde. Dieses Video wurde geteilt und machte schnell die Runde. Das war vielleicht als Scherz gemeint, aber niemand hat daran gedacht, was das beim betroffenen Kind auslöst.

Das ist Cybermobbing, betreffen kann es jeden. In den Schulen ist es aktuell ein großes Thema. Es passiert noch immer sehr viel verdeckt, oft wird nicht Anzeige erstattet. Da sind auch Lehrpersonen gefragt einzugreifen, wenn sie merken, dass Schüler ihrer Klassen Cybermobbing-Opfer sind.

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