Chronik | Oberösterreich
28.10.2018

Ehemalige Weltverbesserer nachhaltig erfolgreich

Grüne Erde-Welt. Das neue Besucher- und Unternehmenszentrum der Grünen Erde fügt sich im Almtal in vorbildlicher Weise in die Natur. Es ist einen Besuch Wert.

Es ist alles anders. Parkt man sein Auto ein, steht man inmitten einer Blumenwiese. Zwei Glashäuser laden zum Besuch ein, daneben erstrecken sich Gemüsefelder, auf denen zwei Bäuerinnen alte Sorten und Raritäten anbauen und an die Mitglieder von Almgrün wöchentlich abgeben. Das ist eine, wie es im Amerikanischen heisst, Community supported Culture. Natur pur. Nie würde man auf die Idee kommen, dass sich weiter hinten die Produktionshallen der Grünen Erde befinden.

Vor einem Monat hat die Grüne Erde-Welt, ein neues Unternehmens- und Besucherzentrum im Almtal, ihre Pforten geöffnet. Sogar Bundespräsident Alexander von der Bellen kam aus Wien angereist. Die neue Grüne Erde mit ihren 9200 Quadratmetern Fläche ist wirklich gelungen. Die Räume und Materialen sind hell, es ist alles überschaubar, es wird nichts aufgedrängt, sondern erklärt. Der Besucher hält sich gerne auf. Schließlich handelt es sich um beste Luftqualität. Sie wird vom benachbarten Wald über Saugstutzen angesogen und in die Hallen geleitet. Den sonst üblichen Sauerstoffmangel in den großen Ausstellungshallen spürt man hier nicht.

Gleich zu Beginn schickt die Grüne Erde-Welt die Besucher auf die Reise. Sie erfahren, wo und wie die Pflanzen und Bäume wachsen, aus denen die Produkte hergestellt werden. Das Gebäude wurde nach ökologischen Grundsätzen aus natürlichen Materialien errichtet und fügt sich sanft in die Landschaft ein. 13 bepflanzte Lichthöfe und eine lebendige Holzarchitektur lassen die Natur auch im Inneren des Gebäudes spürbar werden.

6 slides, created on 25/Okt/2018 - 11:18:56

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Grüne Erde, Steinfelden

Reinhard Kepplinger erklärt die verarbeiteten Produkte.

Grüne Erde, Steinfelden

Barbara Gruber mit Jungpflanzen im Glashaus.

Grüne Erde, Steinfelden

Bekleidung aus Naturstoffen

Grüne Erde, Steinfelden

Möbel und Accessoires

Grüne Erde, Steinfelden

Grüne Erde, Steinfelden

Die Textil-, die Kissen-, die Matratzenproduktion, die Sofa- und die Kosmetikproduktion sind nun hier. Die Möbelproduktion findet seit jeher mit rund 50 Mitarbeitern in Kärnten statt, in der Nähe von Bad Bleiburg.

„Wir wollen Mensch, Natur und Wirtschaft verbinden“, erklärt Mehrheitseigentümer Reinhard Kepplinger dem KURIER seine Unternehmensphilosophie. Sie kreist um die Begriffe Natürlichkeit, Verantwortung, Freiheit, Qualität und Nachhaltigkeit. „Wir zeigen, dass wir uns mit unserem alternativen Produktionsstil auch im kapitalistischen System erfolgreich bewegen können. Ohne von Gewinnmaximierung getrieben zu sein.“

Die Firma stellt mehr als 6500 ökologisch und fair produzierte Produkte her, die über Kataloge, das Internet und je sieben Stores in Deutschland und Österreich vertrieben werden. Die 420 MitarbeiterInnen sind am Gewinn beteiligt, die Arbeitszeiten flexibel, der Mindestlohn wurde 2017 auf 1700 Euro angehoben. Im Geschäftsjahr 2017/18 wurden erstmals mehr als 50 Millionen Euro erwirtschaftet. Auch bei der Finanzierung arbeitet die Grüne Erde alternativ. Sie setzt auf Crowdfunding. Rund 1800 private Darlehensgeber stellen 11,6 Millionen Euro zur Verfügung.

Begonnen hat Kepplinger seine Laufbahn in den frühen 1980-er Jahren. Er r war Alternativreferent der Linzer Hochschülerschaft, Kuno Haas der Vorsitzender. Die beiden taten sich zusammen, eine Gemeinschaft, die bis heute hält. Sie erwarben Anfang der 1990-er Jahre die Grüne Erde von Karl Kammerhofer, der sie Anfang 1980 gegründet hat. Heute hält Kepplinger zwei Drittel, Haas ein Drittel.