„Die Weihe-Ämter neu festlegen“

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Foto: Alfred Reiter Der Geist des II. Vatikanischen Konzils sollte heutzutage wieder mehr spürbar werden: Der Linzer Altbischof Maximilian Aichern.

Der nunmehr 80-Jährige Maximilian Aichern plädiert für einen Dialog aller auf Augenhöhe.

Maximilian  Aichern war von 1981 bis 2005 Bischof der Diözese Linz. Vor seiner Bestellung war er Abt des Stiftes St. Lambrecht. Er  hat das Bischofsamt mehrfach abgelehnt, bevor er letzten Endes doch zugesagt hat.  Aichern  feiert am 26. Dezember seinen 80. Geburtstag.

KURIER: Wie haben Sie das Konzil erlebt?
Maximilian Aichern: Bei der Wahl von Papst Johannes XXIII. 1958 und der Ankündigung  des Konzils war ich als Theologiestudent in Rom. Als das Konzil 1962 eröffnet wurde, war ich bereits Kaplan in der Stiftspfarre St. Lambrecht in der Steiermark.  Priester, Ordensleute und  Bevölkerung waren mehrheitlich für die Öffnung der Kirche auf die Welt hin. Es ging um frische Luft in der Kirche, wie es Johannes XXIII. gesagt hat, um das gleichzeitige Ernstnehmen des Evangeliums und der Zeichen der Zeit. Diese neue Offenheit hat uns sehr gefallen. Meine Generation war  davon geprägt.

Was bedeutete und bedeutet das II. Vatikanum für Sie?
Es bedeutet mir sehr viel und hat meine Arbeit in den  vergangenen Jahrzehnten wesentlich geprägt. Ich bin auch durchaus optimistisch. Ein solches Ereignis kann nicht zurückgedreht werden, wie es vielleicht manche aus Ängstlichkeit wünschen. Der gegenwärtige Papst versucht sehr stark Einheit zu stiften.

 Warum ist das Konzil stecken geblieben? Was müsste man tun, um den Geist des Konzils wiederzubeleben?
Ich meine nicht, dass es stecken geblieben ist. Eine Reihe von Anliegen wurde umgesetzt, etwa in der Neugestaltung der Liturgie, in der  Ökumene, im Bemühen um die Nöte der Menschen. Aber es gibt auch vieles, was das Konzil angeregt und angedacht hat, das noch nicht weitergeführt wurde. Ich sehe aber deutliche Bemühungen, nicht zuletzt durch das „Jahr des Glaubens“, dass die Konzilstexte erneut durchstudiert werden, dass die Zeichen der Zeit vermehrt beachtet werden und dass der Geist dieses Pastoralkonzils wieder spürbar wird. Dringend notwendig wäre ein Dialog auf Augenhöhe aller Kräfte – auch der Letztverantwortlichen. Es braucht zudem eine deutliche Verwirklichung der Mitverantwortung aller Bischöfe und ihrer Ortskirchen für die Weltkirche. Eine echte Kollegialität zwischen dem Papst und den Bischöfen ist wichtig. Diese Kollegialität müsste  stärker zum Tragen kommen als sie jetzt ist.

Kardinal Franz König hat die Einrichtung kontinentaler Bischofskonferenzen angeregt, um auf die regionalen  Bedürfnisse noch stärker eingehen zu können.
Ich halte das für eine vernünftige Idee. Sicher ist die Situation von Land zu Land und von Diözese zu Diözese unterschiedlich, auch aufgrund der anderen Geschichte. Doch haben gewisse Kontinente mehr Einheit, deswegen wäre eine kontinentale Bischofskonferenz  sinnvoll. Es wäre gut, wenn  sie auch gewisse Kompetenzen hätte.  Es gibt bereits  eine Bischofskonferenz der EU-Länder, in der Österreich durch Bischof Egon Kapellari vertreten ist.

Die Priester werden immer weniger. Wie kann es in den Pfarren weitergehen?
Meine vielen Besuche in den Pfarren haben mir gezeigt, dass es fast überall ein lebendiges kirchliches Leben gibt. Wir verdanken es vor allem dem großen Einsatz der ehrenamtlichen und hauptamtlichen Laienkräfte, für die die Verantwortung für das Leben der Kirche selbstverständlich geworden ist.  Das ist ein Zeichen der Zeit, das man akzeptieren muss. Freilich ist die Frage drängender geworden, ob nicht doch, wie es schon lange  vorgeschlagen wird, etwa analog zum ständigen Diakonat verheirateter Männer die Bedingungen für Weihen erneut besprochen und festgelegt werden sollten.

Die Rede ist vom Diakonat für Frauen.
Das ist in diesen neuen Weihebedingungen enthalten.
Wie schaut es mit der Priesterweihe für die Frauen aus? Die katholische  Frauenbewegung fordert sie.
Ich glaube, wir müssen zuerst einmal froh sein, wenn  das Diakonat für die Frauen kommt. Das hat es schon einmal gegeben.  Die Orthodoxen und die Evangelischen haben sich ja die  Diakonissen bewahrt.  Heute sind Frauen in der Seelsorge und  in der Verwaltung selbstverständlich.  Da haben sie oft die höchsten Posten – bis in den Vatikan hinein. Nur bei den Weihen nicht.  

Glauben Sie, dass die Priesterweihe für die Frauen nur eine Frage der Zeit ist?
Das weiß ich nicht, das kann ich nicht sagen. Die Bedingungen für Weihen sollten erneut besprochen und festgelegt werden.

 Sie werden jetzt 80. Wie geht es Ihnen?
Gesundheitlich verhältnismäßig gut. Ich bin dankbar. Ich helfe in der Seelsorge in Pfarren mit, wo ich gebraucht werde, und bin auch immer gerne bereit, meinen Nachfolger als Linzer Bischof bei Firmungen, pfarrlichen Feiern und Gedenken zu unterstützen. Auch zu manchen sozialpolitischen Gesprächen werde ich eingeladen und es gibt immer wieder auch geistliche Dienste in österreichischen und ausländischen Diözesen und Ordensgemeinschaften, die ich auch  übernehme, soweit meine Kräfte es erlauben. Ich freue mich auch, wenn  ich  bei Historikertagungen dabei sein kann, die vor allem mit der Geschichte meines Heimatklosters  und dem mitteleuropäischen Raum zu tun haben.

 Was machen Sie? Wie halten Sie sich fit?
Meine Tage sind durch Gottesdienste, Sakramentsspendungen, Gespräche, Veranstaltungen,  Besuche,  Lesen und Studieren sehr ausgefüllt. Für das Fit-Halten tue ich leider zu wenig, es gibt aber durchaus Vorsätze.

Was ist der Grund, warum Sie bei den Menschen so beliebt sind?
Wenn man versucht, auf Augenhöhe auf die Menschen zuzugehen, sie anhört und sie ernst nimmt,  dann kommt das einfach so. Ich bin mir nicht bewusst, dass ich speziell etwas getan hätte.

Wann geht es mit der Kirche  wieder bergauf?
Ich würde nicht sagen, dass es bergab geht. Die  kirchlichen Angebote in den Pfarren sind da. Die Kirche muss sich bemühen und  von Zeit zu Zeit   Strukturen überdenken. Man muss auch  die Zeichen der Zeit erkennen. Das Konzil und Papst Johannes XXIII. haben darauf aufmerksam gemacht. Es war ein Konzil der Seelsorge. Den Menschen heute zu begegnen und die die Botschaft Christi  in der Sprache des  Heute   zu verkünden sowie offen sein für die Anliegen der Menschen. Hier sind immer wieder Reformen notwendig.  

Ecclesia semper est reformanda (Die Kirche ist ständig zu reformieren).
Das ist ein alter Spruch und  er gilt auch  heute. Das Evangelium muss uns ein Kompass sein. Man soll den Menschen mit den  Zeichen der Zeit  dienen.                   

(Kurier) Erstellt am
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