Die längste Münzschlange der Welt

Weltrekord in Kirchdorf: Im Gymnasium haben Schüler 1-Cent-Stücke 75,24 Kilometer aneinandergereiht.

Angespannte Stille herrschte am Freitagvormittag in den Turnsälen des Gymnasiums Kirchdorf an der Krems (OÖ). Das große Schweigen wurde nur durch die Ansage von Maßlängen unterbrochen. Höchste Konzentration war geboten, als Direktor  Wilhelm Zillner  mit  Notar Lukas  Binder in gebückter Haltung das Maßband an die unzähligen Reihen von 1-Cent-Münzen legte, die den Turnhallenboden wie einen glitzernden Teppich bedeckten. Schließlich ging es um den Weltrekord der längsten Münzstrecke, die 850 Schüler und 70 Lehrer seit Montag aufgereiht haben.

Kurz vor 13 Uhr war es  amtlich: 75,24 Kilometer 1-Cent-Münzen,  durchziehen das Bundesschulzentrum und die angrenzende Stadthalle. Das sind 4,6 Millionen Geldstücke im Wert von 46.000 Euro. Der Eintrag ins Guinness Buch der Rekorde ist gesichert.

Panik

Dabei  begann  in der vergangenen Woche das große Zittern. „Als wir mit dem Projekt begonnen haben, wollten wir den bestehenden Rekord aus Kansas  mit 64,88 Kilometern brechen. Dann haben wir durch die internationalen Medien erfahren, dass am 1. Dezember im philippinischen  Manila eine 73,02 Kilometer lange Münzreihe gelegt wurde“, erzählte Schulleiter Zillner. Die  Schüler fürchteten schon um ihren Weltrekord. Die  Panik konnte glücklicherweise wieder abgewendet wurde. „Uns haben danach viele Sympathisanten Geld vorbeigebracht. “Der große Betrag, der bis heute, Samstag, mit Industriestaubsaugern vom Boden gelöst wird, geht im Anschluss an unterschiedliche Sozialprojekte.  Ins Leben gerufen hatte die Aktion  Religionslehrerin Claudia Sendner. „Jedes Jahr gibt es in der Schule ein Weihnachtssozialprojekt. Für heuer habe ich mir gedacht, wir brauchen eine zündende Idee, die den Schülern auch Spaß macht.“  1-Cent-Stücke würden ohnehin nicht geschätzt, warum sie  nicht einfach sammeln? Nach und nach entwickelte  sich  der Gedanke, einen  Weltrekord zu versuchen. Als Sendner aber erfuhr, dass so viel Geld für die Bestleistung notwendig ist, war sie  doch überrascht.  „Bei den bisherigen Spendenprojekten kamen immer 2000 Euro zusammen.“

Doch Schüler und Lehrer machten alles mobil, um die 46.000 Euro aufzutreiben. Sie riefen Verwandte an, suchten Sponsoren, stellten Sammelbüchsen in Einkaufszentren auf und verkauften Basteleien und Kuchen. Die eine Hälfte des Geldes bestand schon aus den kleinen Münzen, die andere tauschte  das Geldservice Austria in Salzburg für  die Schüler um. In der heißen Phase des Münzenlegens legten einige Schüler sogar eine Nachtschicht ein und schliefen in der Bildungsanstalt.  Und auch gestern waren – obwohl sie schulfrei hatten – ein paar Kinder hier, um die letzten Geldstücke aufzureihen. „Ich finde es super, dass wir das machen. Es ist nämlich nicht normal, dass eine Schule einen Weltrekord aufstellt“, sagte Tobias Schäfer von der dritten Klassen begeistert. „Wir helfen so auch armen Menschen helfen“, freute sich Stefanie Aigner aus der 4. Klasse. Der Direktor war sichtlich  angetan von der Leistung seiner Schützlinge.  „Sie haben  viel für das Leben gelernt. Wenn man nicht aufgibt, kann man Großes erreichen.“

( Kurier ) Erstellt am 10.12.2011