Chronik | Oberösterreich
03.09.2017

Die Hauhechel ist Symbol für Widerstände im Leben

Mit dem September beginnt die Zeit der Wurzeln.Die Hauhechel wirkt harntreibend.

Mit September beginnt die Zeit der Wurzeln, die von September bis April – also in den Monaten mit "R" – gesammelt werden können. Eine dieser wunderbaren Heilpflanzen habe ich neu für mich entdeckt. Da sie nicht leicht zu ernten ist, trägt sie den merkwürdigen Namen Hauhechel. Wer die Wurzel schon einmal, nach Luft hechelnd, tief aus der Erde herausgehauen hat, weiß warum. Die Dornen zwischen den Blättern erschweren die Arbeit zusätzlich. Den Namen Hauhechel erhielt der Strauch von Bauern, die die bis zu 50 cm tief in den Erdboden ragende Wurzel mit der Haue ausgruben, aus Angst, dass ihr Pflug beschädigt werden könnte. In einigen Gegenden hielt sich sogar der Aberglaube, Hauhechel könnte den Pferden die Eisen von den Hufen ziehen.

So ist diese Heilpflanze auch ein Symbol für Hindernisse, die uns oft im Leben im Weg stehen und überwunden werden müssen. Dafür ist von Glück begünstigt, wer trotz widriger Umstände unbeirrbar seinen Weg geht. Es ist ganz schön spannend, was uns Pflanzen vermitteln! Es braucht wirklich Überwindung, Hauhecheln zu ernten, dafür schenkt sie uns dann Glück, Kraft und Ausdauer. Wer diese Wurzel als Amulett trägt, wird stets daran erinnert.

Heilkräftig sind vor allem die Wurzel sowie das junge dornige Kraut. Hauhechel wirkt blutreinigend, entzündungshemmend, schmerzlindernd, harntreibend und steinlösend. Sie wird bei Infektionen als wassertreibendes Mittel zur Durchspülungstherapie der ableitenden Harnwege, der Niere und Blase sowie vorbeugend bei Nierensteinen empfohlen. Bei Blasen- und Nierenbeckenentzündungen hat sich die Hauhechel seit rund einem Jahrtausend in der Klostermedizin und in alten Traditionen bewährt. Schon früh wurde sie in Essig gekocht, was bei Zahnschmerzen sehr hilfreich sein soll. So wussten unsere Vorfahren auch von der harntreibenden Wirkung der Pflanze.

Hornkraut, Stechkraut, Hechelkrieg, Ochsenbrech, Blasenkraut oder Dornkraut sind weitere Namen der Hauhechel. Sie wächst gerne auf sonnigen, trockenen Plätzen, an Weg- und Feldrändern sowie an Böschungen. Als Schmetterlingsblütler ist die Hauhechel eine Zierde im Hausgarten. Zwar fällt der enorm widerstandsfähige Halbstrauch, der etwa 50 cm groß wird, durch einen unangenehmen Geruch auf, dafür duften aber die wunderschön rosafarbenen Blüten süßlich.

Monika Kronsteiner ist Kräuterpädagogin im 1. Zentrum für Traditionelle Europäische Medizin in Bad Kreuzen.