Chronik | Oberösterreich
21.01.2012

„Der Prophet gilt nix im eigenen Land“

Hugo Schanovsky hat 200 Bücher geschrieben und die lyrische Biografie erfunden. Und das, obwohl er einmal Politiker war.

Hugo Schanovsky ist im besten Sinne des Wortes ein „Herr“. Im sorgfältig gebügelten Hemd, mit Anzug und Krawatte sitzt er am hintersten Tisch des Café Traxlmayr an der Linzer Promenade. „Guten Tag, gnädiges Fräulein“, grüßt der Altbürgermeister höflich und beginnt ohne Umschweife zu erzählen.

Politik und Lyrik Der pensionierte SP-Kommunalpolitiker hat bisher mehr als 200 Bücher geschrieben. „Nur“ 70 davon wurden veröffentlicht. Im Linzer Wissensturm gibt es eine eigene Abteilung für seine Werke. „Glück bedeutet für mich, etwas zu schreiben, das den Papierkorb überdauert.“ Es fällt ihm jedoch immer schwerer, seiner Leidenschaft nachzugehen. Schanovsky hat an beiden Augen den Grünen und den Grauen Star. Weil er zudem an Altersdiabetes leidet, könnte er völlig erblinden. Nach wie vor verfasst er seine Manuskripte händisch: „Ich sehe oft gar nicht, was ich da schreibe. Für einen Schriftsteller ist das sehr schlimm.“ Dieses Schicksal teilt er mit dem gehörlosen Komponisten Beethoven, dem er eine lyrische Biografie widmete. Ein Genre, das der gebürtige Steyrer erfunden haben will. Das Leben bedeutender Persönlichkeiten wie Adalbert Stifter, Anton Bruckner und Pablo Neruda, sein neuestes Werk, erzählt er in Prosagedichten. An das Aufhören denkt er noch lange nicht. Täglich schickt er ein „Bildgedicht“ an Politiker wie Heinz Fischer, Werner Faymann oder den Linzer Bürgermeister Franz Dobusch. Letzterer reagiere nicht auf seine Denkanstöße, Faymann hingegen sei ein eifriger Brieffreund.

Anerkennung

„Im Ausland bin ich bekannter als in Oberösterreich“, schmunzelt Schanovsky. In dieser Feststellung schwingt Enttäuschung mit. In Bosnien verlieh man ihm die Ehrenpräsidentschaft wegen seines Buches zum Krieg in Sarajevo. Im italienischen Meran ehrte man ihn mit der Goldenen Medaille für Lyrik und in Deutschland mit dem Großen Bundesverdienstkreuz. Der Wiener Bürgermeister Michael Häupl überreicht ihm demnächst das Goldene Verdienstzeichen für sein literarisches Werk. Eine Würdigung im Heimatbundesland blieb bisher aus: „Ich habe mich um den oberösterreichischen Lyrikpreis bemüht. Doch alles, was ich der Landesregierung schicke, landet ungesehen im Papierkorb“, mutmaßt der als „Vielschreiber“ belächelte Literat. „Der Prophet gilt eben nix im eigenen Land. Aber ich werde schreiben, bis ich eines Tages die Augen zumache.“

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