Brandstetter: Die Oberösterreicher ragen in manchem über Durchschnitt hinaus.

© hermann wakolbinger/HERMANN WAKOLBINGER

Chronik Oberösterreich
02/17/2019

„Der politische Islamismus ist eine ernste Gefahr“

Der Schriftsteller Alois Brandstetter plädiert für ein abendländisches Europa, das auf dem Fundament des jüdisch-christlichen Erbes und der Aufklärung fußt.

von Josef Ertl

Alois Brandstetter (80) erhielt kürzlich als erster Oberösterreicher das Verdienstkreuz für Kunst und Kultur. Der Schriftsteller stammt aus Pichl bei Wels, er lehrte als Professor für Philologie an den Universitäten Klagenfurt, Salzburg und Saarbrücken. Sein erfolgreichstes Buch ist „Zu Lasten der Briefträger“, das bisher 15 Auflagen erlebte.

KURIER: Sie leben in Kärnten. Sehen Sie sich als Kärntner oder als Oberösterreicher?

Alois Brandstetter: Ich bin Oberösterreicher, schon aufgrund meiner Mundart. Ich höre das Kärntnerische gern, vor allem auch die Kärntner Lieder. Ich habe aber Mundarten nie nachgeahmt, auch nicht das Saarländische. Als Schüler des legendären Dialektologen Eberhard Kranzmayer, der Klagenfurter war, habe ich mich wissenschaftlich mit Mundartkunde beschäftigt. Nicht als Imitator…Ein Kärntner bin ich auch insofern nicht geworden, als ich mich kaum für das Eishockey interessiere…Auch nicht, wenn es gegen die Wings aus Linz geht…

Wie definieren Sie Ihre Identität? Es ist ja auch möglich, mehrere Identitäten in sich zu vereinigen.

Sicher hauptsächlich als Philologe, also von der Sprache her. Das hochphilosophische Wort Identität gebrauche ich ungern. Es ist in aller Munde, hat aber dadurch stark abgewirtschaftet. Ich spreche lieber von der „Eigenart“. Mit den „Identitären“ ist das Wort endgültig in der Gosse gelandet…

Was ist für die Oberösterreicher typisch und charakteristisch?

Oberösterreich, das unvergleichliche Land“ heißt ein Bildband, den ich getextet habe. Ich glaube schon, daß die Oberösterreicher in manchem über den österreichischen Durchschnitt hinausragen. Sie sind wohl wirtschaftlich tüchtig und erfolgreich. Andererseits auch bodenständig und ein wenig sentimental. Man muß sie ihre Hymne singen hören! Das geht zu Herzen, auch wenn sie nicht das beste Gedicht Franz Stelzhamers ist. Ich singe gern mit, seit aber der Piesenhamer als arger Antisemit „enttarnt“ wurde, deutlich leiser.....

Sie gelten als konservativ.

Bin ich auch. Schließlich bin ich im Hauptberuf „Altgermanist“ gewesen. Das sagt ja alles…Und ich bin römisch-katholisch. Dies immer noch und trotz allem! Oberösterreich war einmal das Vorzeigeland, was die Katholische Aktion betrifft. Oberösterreich besitzt nicht von ungefähr im imposanten Neuen Dom die größte Kirche Österreichs. Und wenn es ums Spenden geht, ist die Diözese Linz meistens die spendabelste.....

Sie waren in den 80er Jahren ein prononcierter Gegner der Innkreisautobahn. Hat sich Ihre Meinung geändert?

In gewisser Weise, schließlich habe ich die Autobahn inzwischen oft benützt, wenn ich ins Innviertel, in die Heimat meines Vaters gefahren bin. Aber eine Autobahn ist für die Anwohner nie ein reines Glück. Sie durchschneidet die Gemeinde Pichl bei Wels, die inzwischen durch Verkehrsmeldungen über Unfälle sozusagen bekannt geworden ist.

Ist der Preis, der für die Mobilität bezahlt wird zu hoch?

Er ist enorm, wenn man nur an den Klimawandelt denkt, die Erderwärmung. Die speist sich aber auch noch aus anderen Quellen, Hausbrand, Flugverkehr…Jetzt heißt es sogar: Fleischkonsum! Ich fürchte, es gibt kein Entrinnen.

Sie hatten eine gewisse Skepsis gegenüber dem EU-Beitritt 1995. Wie sehen Sie das jetzt nach fast einer Generation der Zugehörigkeit?

Als bekennender Regionalist war ich gegen die Abgabe von Souveränität nach Brüssel. Als ich in einem Buch meine Aversion zum Ausdruck brachte, hat mich Alois Mock, mit dem mich mehr verband als nur derselbe Taufname, eines langen Briefes gewürdigt, in dem er die EU als großes Friedensprojekt dargestellt hat. Dies und anderes hat mich inzwischen überzeugt und so ist wieder einmal aus einem Saulus ein Paulus geworden. Jetzt machen mir Erosionserscheinungen Kopfweh. Der Brexit verursacht mir Brechreiz!

Wie soll sich Europa definieren? Einige meinen als Zivilgesellschaft mit christlichen Wurzeln. Andere sehen es wirtschaftlich.

Ich bin alt und altertümlich. Darum ist für mich Europa das Abendland. Das Fundament ist einerseits das jüdisch-christliche Erbe, die zehn Gebote, und die Aufklärung, also der sogenannte Kategorische Imperativ Immanuel Kants…..Den politischen Islamismus halte ich für eine ernste Gefahr.

Ihr Kollege Josef Winkler hat die Verschuldung Kärntens durch die Hypo Alpe Adria und die Politik Jörg Haiders scharf kritisiert. Wie sehen Sie das?

Ja, darin hat sich Freund Josef verdient gemacht, wenn man nur an seine Artikel über das sogenannte Birnbacher-Honorar denkt. Er ist im Gegensatz zu mir ein politischer Autor. Kärnten hat aber nun, glaube ich, das Ärgste und die Krise überwunden, wem immer dies zu verdanken ist. An den Schulden hat das Land natürlich noch lange zu kiefeln.

Abschließende Frage: Woran schreiben Sie gerade?

An nichts Großem. Ich laboriere an ähnlichen Essays und Feuilletons, wie ich sie in „Lebenszeichen“, meiner letzten Publikation zu meinem 80. Geburtstag, veröffentlicht habe.

Und ich ruhe mich ein wenig aus, auch von den Strapazen der Ehrungen, die mir „aus gegebenem Anlaß“ zuteil geworden sind, für die ich mich herzlich bedanke.

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