Chronik | Oberösterreich
28.06.2012

Der Mustang-Flüsterer

Die Wildpferde der Prärie waren sein Kindheitstraum. Erich Pröll übersiedelt drei von ihnen aus den USA nach Oberösterreich.

Mit schweren Stiefeln, Jeanshemd und  Cowboyhut über der silbernen Wallemähne saß Erich Pröll vor einem Jahr als einziger Nicht-Amerikaner in einer Pferdeauktion in Cheyenne, US-Bundesstaat Wyoming. An diesem Tag „adoptierte" er drei Mustangs – einen Hengst für 700 und zwei Stuten für knapp 200 Dollar. Zehn Jahre lang hat sich der oberösterreichische Naturfilmer darum bemüht, die amerikanischen Wildpferde in seine Heimat bringen zu dürfen.

Anfang Juni machte er sich in den Wilden Westen auf. Am Mittwoch ging es für das Trio in einem für Langflüge konzipierten Stall im Jumbojet über den Atlantik nach Amsterdam. Von dort aus geht die Reise mit dem Auto nach Oberösterreich weiter. Auf Prölls Farm in Goldwörth an der Donau warten vier Quarter Horses auf die jungen Wilden. „Ich will sehen, wie sie mit domestizierten Pferden zurechtkommen. Außerdem können meine älteren Stuten den Junghengst ein bisschen erziehen", erklärt er.

Gesten statt Gerte

Pröll trainiert seine Schützlinge mithilfe von „Pferdeflüsterern" nach der Natural Horsemanship Methode, bei der Körpersprache und Gesten die Gerte ersetzen. Pröll braucht nur zu pfeifen, schon kommen seine vier Quarter Horses angetrabt. Per Fingerzeig marschieren sie an seiner Seite in den Pferdeanhänger und wenn er mit den Fingern schnippt, nehmen sie respektvoll Abstand.

Pröll legte Wert darauf, die Mustangs selbst zu trainieren und reiste deshalb alle paar Monate nach Oklahoma, wo sie in Quarantäne untergebracht waren. „Man muss sich mit ihnen anfreunden und sich trotzdem als Chef profilieren. Nur dann akzeptieren sie mich als Teil der Herde." Herkömmliche Cowboy-Methoden seien oft brutal und würden den Charakter des Pferdes brechen – „ein Mustang verzeiht nicht. Wenn du ihn aber gut behandelst, ist er ein Freund auf Lebenszeit", weiß Pröll.

Geschützte Tierart

Mustangs gelten auf amerikanischen Farmen als Plage und bestenfalls als Fleischlieferant, weiß der erfahrene Pferdenarr. Seit 1971 stehen sie unter Naturschutz, wurden sie doch durch unkontrollierten Abschuss beinahe ausgerottet. Um 1900 gab es mehr als zwei Millionen, heute nur noch etwa 60.000 Stück.

„Wenn die Regierung kein Auge drauf hätte, würde man sie reihenweise abschlachten und zu Katzenfutter verarbeiten. Einen wie mich, der diese Pferde wirklich wegen ihres Wesens haben will, gibt es selten", sagt Pröll, der seit seiner Kindheit davon träumt, einen wilden Mustang zu reiten.

Jene, die nicht der Fleischgewinnung dienen, werden durch ein Adoptionsprogramm des Bureau of Land Management (BLM) vermittelt – bisher ausschließlich an US-Bürger. Ein Jahr lang hat man dem Oberösterreicher bei der Aufzucht auf die Finger geschaut. „Die Pferde gehören dem Staat. Wenn man in der Adoptionszeit etwas falsch macht, können sie einem jederzeit weggenommen werden. Die Auflagen sind sehr streng", erklärt Pröll. 20.000 Euro hat ihn der lange Weg von der Adoption in Wyoming bis zur Ankunft in Goldwörth gekostet. Die Kamera war sein ständiger Begleiter, denn in den Wintermonaten wird die Geschichte in drei Teilen als Fernsehdokumentation ausgestrahlt.

Bald sollen die Mustangs noch einmal umziehen. „Mitten im tschechischen Niemandsland" hat er sich im Böhmerwald nahe der Grenze ein altes Mühlviertler Bauernhaus gekauft und nach dem Vorbild einer amerikanischen Farm umgebaut. Dort will sich der Naturfilmemacher irgendwann zur Ruhe setzen. „Wenn ich meine Kamera nicht mehr schleppen kann, setz` ich mich da auf die Veranda und schaue zu, wie meine eigene kleine Mustangherde durch die Böhmische Prärie teufelt", schwärmt er.

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