Roland Brandner an der Linie

© Harald Dostal

Chronik Oberösterreich
01/29/2021

Der Linienrichter - Eine zentrale Randfigur

Roland Brandner aus Steyr ist Oberösterreichs einziger FIFA-Schiedsrichter-Assistent. Von Gerhard Marschall.

Sein Revier ist klar abgegrenzt, reicht von der Spielfeldmitte zur Eckfahne. Zwischen diesen beiden Punkten hetzt er die weiße Outlinie entlang. Linienrichter hieß er deswegen früher, etwas geringschätzig auch Outwachler, ehe er zum Schiedsrichter-Assistenten befördert wurde. Das soll ausdrücken, dass der Mann – oder die Frau – an der Linie mehr zu tun hat, als ein buntes Fähnlein hochzureißen, wenn der Ball im Out ist und anzuzeigen, wer ihn einwerfen darf.

Mehr als 100 Auslandseinsätze

Roland Brandner aus Steyr ist einer dieser Assistenten, Oberösterreichs ranghöchster obendrein. Seit 2010 trägt er das FIFA-Emblem auf der Brust, das die Elite der Zunft kennzeichnet. Mehr als 100 Auslandseinsätze hat er schon auf dem Konto. Auf internationaler Bühne assistiert Brandner gemeinsam mit Robert Steinacher dem Linzer Manuel Schüttengruber. Das Trio ist auch in der Bundesliga oft zusammengespannt.

Geschätzt

Die Landsleute Stefan Ebner, Oliver Drachta und Dieter Muckenhammer schätzen Brandners Kompetenz ebenso. Immer wieder wird er auch Referees aus anderen Ländern zugeteilt. So assistierte er 2013 dem Slowenen Matej Jug beim Champions-League-Match Real Madrid gegen FC Kopenhagen und beim Finale um die U21-Europameisterschaft in Israel.

Klare Hierarchie

Die Hierarchie im Team ist klar: Der Schiedsrichter ist der Boss, er entscheidet. Der Assistent arbeitet ihm zu und stellt sich auf ihn ein. „Die einen lassen das Spiel laufen, andere sind eher kleinlich“, weiß Brandner. Via Headsets wird ständig kommuniziert. So kann der Assistent seine Einschätzung zu Situationen in seinem unmittelbaren Bereich mitteilen. Obwohl nur Randfigur, kommt ihm gerade in den besonders heiklen Situationen eine zentrale Rolle zu: Abseits oder nicht, Tor oder nicht – daran scheiden sich seit jeher die Geister. Im Sprint stets den optimalen Blick auf das Geschehen zu behalten, ist die Herausforderung.

Videobeweis kommt

Ab nächster Saison gibt es in der Bundesliga den Videobeweis, den Brandner begrüßt: „Was uns hilft, zu besseren Entscheidungen zu kommen, ist auch gut für uns.“ Noch etwas macht den Job an der Linie hart: Der Assistent hat die Fans im Nacken, bekommt alles zu hören, was ihm an Unfreundlichkeiten zugerufen wird. „Man braucht eine dicke Haut, darf nicht alles hören und darauf reagieren. Ich schaue einfach auf das Spielfeld und denke mir: Jetzt nur nicht umdrehen.“ Trotzdem sehnt sich Brandner nach vollen Stadien, denn da gehe vieles im Lärm unter.

60 bis 70 Einsätze

Hin und wieder ist Brandner in Oberösterreich als Schiedsrichter tätig. Alles in allem kommt er auf 60 bis 70 Einsätze im Jahr. Ehefrau Diana habe Verständnis für sein zeitaufwendiges Hobby, „sie kennt mich nicht anders“. Schließlich hat er schon mit 18 mit der Schiedsrichterei begonnen. „Ein verlässlicher Helfer, der teamorientiert sein muss“, beschreibt Thomas Prammer das Anforderungsprofil des Assistenten. Der Rechtsanwalt – zu seiner aktiven Zeit stand Brandner bei ihm 22 mal auf der Linie – ist jetzt Vorsitzender der Schiedsrichterkommission im OÖ. Fußballverband. Ihm sei wichtig gewesen, „dass man im Team durchaus einmal Klartext reden kann, was man besser machen muss“. „Es gibt Spiele, bei denen man nicht ganz so glücklich agiert“, räumt Brandner ein. „Da fragt man sich, warum man sich das antut.“ Ans Aufhören habe er jedoch nie gedacht. Gestern war er bei WAC-Hartberg im Einsatz, heute feiert er seinen 43er. Solange ihm die Beobachter gute Leistungen attestieren, will er weitermachen.

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