Das Wilde und das Hässliche

Roland Weichenberger gehört zu den bekanntesten Maskenschnitzern Österreichs. Ein Besuch in seiner Werkstatt.

Wer die Werkstatt von Roland Weichenberger in Gampern (OÖ) betritt, glaubt in einen Horrorfilm gestolpert zu sein. Furchterregende Fratzen, Teufelshörner und Zombies mit Reißzähnen starren aus allen Ecken. "Schlecht vom Krampus geträumt hab' ich noch nie", scherzt einer der bekanntesten Maskenschnitzer Österreichs. In der Zeit rund um den 5. Dezember schlüpft der 40-Jährige gerne selbst in die teuflische Rolle und tobt mit den berüchtigten "Schwarzen Teufeln" aus Hallein durch die Straßen.

Die Larven von Weichenberger sind begehrt. Feingearbeitete Holzmasken aus Weimutskiefer, die anliegen wie eine zweite Haut. Einzelanfertigungen macht der hauptberufliche Maskenschnitzer selten, meist wird eine ganze Pass (Gruppe) ausgestattet. "Ich mache mehrere Larven und die Träger probieren, welche am besten passt. Man kann sagen: Die Fratze sucht sich ihren Träger aus."

Weichenberger legt Wert darauf, dass er nur Krampus-Larven, nicht Schiachperchten-Masken schnitzt. "Ich bin ein Flachländler, mit Perchten bin ich nicht so aufgewachsen. Ich möchte diese Traditionen auch nicht vermischen." Die Figur des Krampus bietet ihm als Schnitzer mehr Möglichkeit, Extreme auszuleben. Begonnen hat er mit der ersten Holzlarve bereits im zarten Alter von acht Jahren.

"Besser Krampus sein"

Kunst: "Ich habe viele Ideen aus Filmen", erzählt Roland Weichenberger. Ein Teil seiner Arbeiten wird heuer am Broadway ausgestellt.
© Bild: KURIER/Walter Schweinoester

ypische Perchten sind in ihrem Aussehen stärker einer klaren Tradition verbunden, sind klobiger geschnitzt und haben mehrere Hörner. In der Figur des Krampus kann Weichenberger seiner Fantasie freien Lauf lassen. "Ich habe viele Ideen aus Filmen, mittlerweile mixe ich meine eigenen Stilrichtungen." Der 40-Jährige tüftelt auch gern: "Ich habe die unten offene Maske entwickelt. Man kann sprechen oder die Zunge zeigen. Man kann einfach noch besser Krampus sein."

Weichenberger sieht aber nicht nur die Larve, sondern die gesamte Gestalt. "Perchten haben einen anderen Laufstil. Sie sollen Glück bringen. Im Krampus ist mehr Bewegung drinnen. Das fasziniert mich." Begleitet wird die Krampus-Pass - wie es sich gehört - von einem Nikolaus. "Ich schnitze auch wunderbare Nikolaus-Masken. Aber irgendwie spricht die Menschen das Wilde und Hässliche mehr an."

Die meisten Passen wechseln ihre Masken alle zwei Jahre aus. Mit etwa 600 Euro für eine neue Larve muss man rechnen. Derzeit schnitzt Weichenberger schon an Masken für die Saison 2012. "Der menschlich-teuflische Stil ist eher out. Im Kommen sind extreme Monster."

Das "Krampusspiel" ist für Weichenberger jedes Jahr eine faszinierende Gratwanderung, egal, ob als Zuschauer oder als Krampus. "Das Böse fasziniert Zuschauer und Akteure. Ein Krampus sollte seine Grenzen kennen und muss in der wildesten Bewegung wissen, was er tut. Die Zuschauer tratzen den Krampus, fordern ihn heraus. Auch das gehört dazu. Aber es sollte immer ein Spiel bleiben."

Wissen: Zwei unterschiedliche Gesellen

Krampus Krampus und Percht ist nicht dasselbe - auch wenn es Vermischungen gibt. Der Krampus ist Untertan des Nikolaus. Sein Auftritt ist um den 5. und 6. Dezember. Entwickelt hat er sich aus dem barocken Schauspiel, in dem gefallene Engel als Teufel auftreten. Im 17. Jahrhundert entstand der Einkehrbrauch: Der Nikolaus beschenkt die Kinder, während die Unartigen vom Krampus bestraft werden.

Perchten Perchten kommen erst in der Zeit nach Weihnachten. Zu den Perchten gehören neben "Schiachperchten" auch Glöckler, Tresterer oder Schnabelperchten. Schiachperchten, die mehrere Hörner tragen, treten gemeinsam mit Schönperchten auf. Sie vertreiben das Unheil und sollen Glück und Fruchtbarkeit im kommenden Jahr bringen. Das Wort "Percht" ist seit dem 17. Jh. das Synonym für Maske.

( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011