Chronik | Oberösterreich
28.01.2012

„Das grüne Grauen hat begonnen“

„PETing“ heißt die künstlerische Spielart, mit der Leo Haz aus Braunau Plastikmüll neues Leben einhaucht.

Polyethylenterephthalat, kurz PET, ist der Stoff, aus dem für den Braunauer Leo Haz Kunstträume gemacht sind. Nachts geht es heiß her, wenn sich der 30-jährige Künstler in seine unterirdische Werkstatt begibt und selbstausgetrunkene Mineralwasserflaschen einschmilzt. Für dieses Verfahren, dem Recycling von Thermoplasten, hat er sogar ein Patent.

„Es ist nur Müll, aber er ist da. Und zwar reichlich“, so die simple Erklärung. Etwas mehr steckt aber doch hinter der Materialauswahl, wie Leo Haz erklärt: „Der Hintergedanke ist, dass wir vielleicht alle Flaschen sind, die den Planeten als Wohnzimmer mit Ölteppich nutzen. Im Garten Eden steht jetzt ein Treibhaus von IKEA.“

"PETing"

Sein bekanntestes Werk ist der PET-Stuhl. Der Ausgangspunkt war Joseph Beuys’ Fettstuhl, der durch eine Kante ranzigen Fetts zum Kunstwerk erhoben wurde. In der Anti-Kunst geht es darum, einen Gegenstand zu entfremden. Auch Leo Haz’ Stuhl wurde seiner eigentlichen Funktion beraubt. Ihm fehlt die Sitzfläche, er ist schief und ausdrücklich kein Designermöbelstück, wie der ambitionierte Künstler gegenüber potenziellen Kunden immer wieder betonen muss: „Meine Werke sind unverkäuflich. Irgendwann marschiere ich mit einer Armee grüner Männchen in das New Yorker Guggenheim Museum ein. Das grüne Grauen hat begonnen. Die Natur wird verlieren.“ Vorerst ist eine Ausstellung seiner Installationen in der Braunauer „Artellerie White Cuba“ geplant.

Spannungsfeld

Leo Haz’ Schaffen bewegt sich im Spannungsfeld der Wegwerfgesellschaft: „Einerseits brauchen wir die Natur zum Leben, andererseits zerstören wir sie aus Bequemlichkeit. Ich will aus toten Gegenständen, die für uns nur überflüssiger Müll sind, lebendige Kunst machen.“ Eine Missionarsreise durch Armendörfer des ehemaligen Jugoslawien war der Wendepunkt in seinem künstlerischen Schaffen. Der Kontrast zwischen fast unberührten Landstrichen und Mülldeponien, auf denen Menschen hausen, prägte den damals 26-Jährigen: „Diese Polarität hat mich emotional sehr berührt und mir wurde klar, dass ich um jeden Preis Künstler werden muss.“ Leo Haz beschreibt seine Arbeit seither als „Prozess, bei dem ich eigentlich nur zuschauen kann. Die Kunst macht, was sie will. Ich bin nur das Instrument“.