Christian Ratz

© RLB OÖ

Gastkommentar
08/02/2022

Das Auf und Ab an den Börsen wird bleiben

Die derzeitige Situation auf den Finanzmärkten ist geprägt von einem „Wechselbad“ an Belastungsfaktoren. Von Christian Ratz.

Inflation, Rezessionsängste und vor allem den Russland-Ukraine-Krieg belasten. Dieser verstärkt die Inflation durch Rohstoffverknappung, Verlängerung der Lieferengpässe, politische Unsicherheit, etc.

Höhere Geldmarktzinsen

Die Volatilität der Kapitalmarktkurse sowie die der Rohstoffe ist so hoch wie selten zuvor, je nach Notenbankaussagen, geopolitischen Meldungen oder Meinungen von Analysten zur Inflation bzw. möglicher Rezessionsszenarien. Tatsache ist, dass die Geldmarktzinsen bis Jahresende um ca. ein Prozent erhöht werden, in Summe wird der 3 M – Euribor (der Euribor Zinssatz für 3 Monate ist der Zinssatz, zu dem Banken einander Kredite in Euro gewähren, deren Laufzeit 3 Monate beträgt) innerhalb Jahresfrist nicht über 1,5 % steigen, da die EZB im Spannungsfeld zwischen Inflation und Rezessionsängsten keine restriktive Geldpolitik fahren wird.

Clean Energy, Rohstoffe, neue Technologien

Die meisten der wichtigsten Aktienindizes befinden sich zwar schon in einer Baisse, doch Risiken ergeben auch immer Chancen. Strukturelle Wachstumsunternehmen mit attraktiven Margen und starken Geschäftsmodellen werden auch diese Krise gut überstehen. Mittel- bis langfristig liegt die Zukunft in der New Economy. Daher sollten vor allem Clean Energy inklusive ausgewählte Rohstoff-Aktien sowie neue Technologien – Digitalisation, Robotics, Information, Automatic, Immunologie – von den angekündigten Infrastruktur-, Erneuerbare Energie- und Klimaschutz-Plänen am meisten profitieren.

Rezessionsängste oft übertrieben

Fazit: Finanzmärkte neigen zu Übertreibungen, daher sollte man immer mit ruhiger Hand an die Situation herangehen. Dadurch sind auch die Rezessionsängste oft übertrieben. Tatsache ist, dass sich die Wirtschaft aufgrund der oben beschriebenen Fakten abschwächen wird, dies muss nicht zwingend in einer Rezession münden. Aktienmarktkorrekturen könnte man durchaus auch zu selektiven Käufen bzw. Fondsinvestments (New Economy sowie Nachhaltigkeit und Ethik) nutzen. Auch bei Anleihen im mittleren Laufzeitbereich (4 bis 6 Jahre) gibt es derzeit doch wieder attraktivere Zinsen.

Christian Ratz ist Leiter des Geschäftsbereichs Treasury und Financial Markets der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich

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