Februar 2020, Abschluss einer Ehe auf Zeit (v. l.): Lance Stroll, Sergio Peréz, Racing-Point-Teamchef Otmar Szafnauer, BWT-Boss Andreas Weißenbacher

© Johann Wallner

Motorsport
01/17/2021

BWT ist aus dem Rennen

Die pinken BWT-Boliden aus Mondsee wurden in der Formel 1 ausgebremst. Von Gerhard Marschall.

Was war das für ein Spektakel! Vor knapp einem Jahr machte die Formel 1 in Mondsee Station. Nicht komplett, aber doch prominent. Der Rennstall Racing Point präsentierte in der Firmenzentrale von BWT (Best Water Technology) seine neuen Boliden.

Pink fiel auf

Wenn die Autos für die nächste Saison enthüllt werden, wird das stets pompös zelebriert. Alle Jahre wieder wird so eine großartige nächste Saison angekündigt. Das auf Wasseraufbereitung spezialisierte Unternehmen aus dem Salzkammergut stieg 2017 in den illustren Zirkus ein. Zur Saison 2020 wurde die Partnerschaft mit Racing Point erweitert und vertieft, BWT war fortan Titelsponsor und bekam jede Menge Publicity retour. Ob weiter vorne im Feld oder eher hinten, die Boliden in den pinken Firmenfarben fielen jedenfalls auf.

Erster Sieg

Mit Fortdauer der Saison drängten sie immer mehr in Richtung Spitze, zum Finale fuhr der Mexikaner Peréz gar den ersten Sieg für das Team ein. Trotzdem wurde er abserviert. Racing Point ging im Werksteam der britischen Traditionsmarke Aston Martin auf. Als Fahrer wurde von Ferrari der zuletzt eher glücklose Vierfach-Weltmeister Sebastian Vettel geholt. Für ihn musste ein Cockpit freigemacht werden, der Sohn des US-Milliardärs und Teameigentümers Lawrence Stroll stand nicht zur Disposition.

Sponsor ausgewechselt

Wie Pérez erging es BWT, auch der Hauptsponsor wurde ausgewechselt und durch Cognizant ersetzt. Das IT-Unternehmen mit Sitz in New Jersey/USA erwirtschaftete 2019 mit rund 280.000 Mitarbeitern einen Umsatz von knapp 17 Mrd. US-Dollar, bringt also um einiges mehr auf die Waage als die Österreicher. Die Autos werden von pink auf grün umgefärbelt.

Kostspieliges Abenteuer

BWT-Boss Andreas Weißenbacher mag die Ausbootung trotz längerfristigem Vertrag nicht kommentieren. Vielleicht kommt es dem 61-Jährigen ohnedies gelegen, dass das kostspielige Abenteuer zu Ende geht. Kolportierte 30 Mio. € müssen für ein Sponsoring dieses Formats pro Jahr hingeblättert werden. Corona hat auch BWT nicht verschont und den Umsatz (697 Mio. € im Jahr 2018) einbrechen lassen. Von einer Umstrukturierung im Herbst waren 100 der insgesamt 800 Stellen betroffen, am Standort Mondsee wurden 60 Jobs gestrichen.

Sportsponsoring bleibt

Um die Einbußen wettzumachen, setzt BWT aber weiterhin stark auf die Werbeschiene Sport. Aus der Formel 2 hat man sich zwar verabschiedet, der Porsche Supercup bleibt aber auf der Agenda. Ebenso Wintersport querbeet. So sind 30 Skispringer – etwa der Pole Dawid Kubacki, der Japaner Ryoyu Kobayashi oder der Norweger Daniel-André Tande – unter Vertrag. Auch im Fußball sind die Mondseer Wassermacher präsent. Der LASK, die SV Ried, der französische Erstligist Stade Rennes und der SV Sandhausen aus der zweiten deutschen Liga tragen Pink. Das alles zusammen hat jedoch nicht annähernd die Reichweite und die Imagepower der Formel 1. Dank ihr habe man „die Marke um die Welt gebracht“, sagt Marketingchef Lutz Hübner. Deshalb wolle man weiterhin in der rasanten Branche mitmischen. „Wir sind noch am Arbeiten“, erklärt Hübner. Auch eine weitere Kooperation mit Aston Martin sei möglich. „Ob wir auf dem Auto bleiben, ist noch in Schwebe. Es gibt aber noch ein paar andere Optionen.“

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