Bürgermeister gibt Brandopfern Asyl

Franz Schmeißer (li.) mit Bürgermeister Gnigler. © Bild: Thomas Leitner

Bei einem Brand in einem Heim in Unterach verloren eine Rentnerin und ihr behinderter Sohn ihr Dach über dem Kopf.

Unbewohnbar: Die Räume im 2. Obergeschoß müssen saniert werden.
© Bild: Philipp Wiatschka/salzi.at

Erika Schmeißer hatte am Mittwochabend gegen 22.30 Uhr mit einem Speziallift gerade ihren Sohn Franz in sein Bett gehoben, als sie ein Nachbar lautstark vor einem Feuer am Balkon warnte: „Bei euch brennt es.“

Die 75-jährige – selbst gehbehinderte – Rentnerin hatte nicht bemerkt, dass in ihrem Heim für betreutes Wohnen in Unterach am Attersee ein gefährliches Feuer ausgebrochen war. Eine Windböe hatte ein Öllicht umgeworfen und ein Holzregal in Flammen gesetzt. Der Brand breitete sich rasch von dem Balkon im zweiten Obergeschoß bis auf den Dachstuhl aus. Die enorme Hitze ließ die Terrassentür schmelzen, die Rauchgase strömten ins Wohnzimmer. Die alte Dame bewahrte jedoch Ruhe und hob den schwer beeinträchtigten 52-Jährigen wieder aus dem Bett in seinen Rollstuhl.

In dem Moment kamen ihr der 72-jährige Nachbar sowie der Bürgermeister von Unterach, Engelbert Gnigler, und dessen Vater zu Hilfe. Sie brachten Mutter und Sohn in Sicherheit. „Wir wohnen nur 50 Meter vom Heim entfernt und haben die Flammen auf dem Dachstuhl gesehen“, erzählt der 47-jährige SPÖ-Politiker.

Er schnappte sich einen Feuerlöscher und versuchte noch erfolglos bis zur Ankunft der Einsatzkräfte die Flammen einzudämmen. „Meine Frau und die Töchter sind nachgekommen und von Tür zu Tür gerannt. Sie haben die anderen 16 Bewohner aufgeweckt und ins Erdgeschoß in einen Aufenthaltsraum gebracht.“Alle Betroffenen blieben unverletzt und konnten, mit Ausnahme der Familie Schmeißer, nach Beendigung der Löscharbeiten zurück in ihre Wohnungen.

Mutter und Sohn wurden in einer leer stehenden Wohnung im Haus des Bürgermeisters untergebracht. „Sie bleiben bei  uns, bis ihre Zimmer saniert sind.“ Für seine Hilfsbereitschaft verlangt Gnigler keinen Cent Miete: „Das ist doch selbstverständlich – zum Glück geht es mir selbst ja nicht schlecht.“

( Kurier ) Erstellt am 05.01.2012