Ein Lastkahn wird am Freitag den 1000 Tonnen schweren Brückenteil zur Voestbrücke bringen

© ASFINAG/Mike Wolf

Chronik Oberösterreich
06/19/2019

Brücken als einziger Trost für Pendler

Schiff „liefert“ 1000 Tonnen-Brückenstück an, derzeit drei Donaubrücken in Bau, Tristesse bei Öffi-Plänen

von Wolfgang Atzenhofer

Ein 1000 Tonnen schwerer Brückenteil wird am Freitag in Linz per Schiff in die offene Lücke des „Bypasses“ der Voest-Brücke über die Donau eingepasst. Ein spektakuläres Ereignis, dem die maßgeblichen Verkehrspolitiker der Stadt und dem Land OÖ beiwohnen werden.

Drei Straßenbrücken-Baustellen über die Donau gibt es derzeit in Linz. Nach der Fertigstellung sollen die Pendler etwas entlastet werden, die derzeit regelmäßig im Stau stehen.

Um die großen notwendigen Entlastungsvorhaben im öffentlichen Verkehr, die Linz dringend braucht, herrscht allerdings Funkstille. Dazu später mehr.

Bei dem 180 Millionen Euro teuren Umbau der Voest-Brücke ist der kommende Freitag ein Schlüsseltag. Die sechsspurige Voest-Brücke wird links und rechts bis Sommer 2020 durch jeweils eine zweispurige Straßenbrücke ergänzt. Die 4500 Tonnen schwere Tragfläche des ersten „Bypasses“ ist damit geschlossen und wird in den nächsten Wochen in die Brückenlager eingepasst, berichtet Asfinag-Projektleiter Martin Pöcheim. Nach der Verkehrsfreigabe der beiden Zusatzübergänge im Sommer 2020 werden sie provisorisch mit drei Spuren markiert und genutzt, weil dann die Voest-Hauptbrücke saniert werden muss.

Eisenbahnbrücke

Ende 2020 soll auch die gerade in Bau befindliche einstige Eisenbahnbrücke (Kosten: rund 60 Mio. €) Entlastung für den Pendlerverkehr zwischen Urfahr und Linz bringen. Es könnte aber Verzögerungen geben. Der Linzer Verkehrsreferent Markus Hein (FPÖ) hat im Frühjahr bekannt gegeben, dass 500 Tonnen Stahl mehr als geplant verbaut werden müssen. 20.000 Autofahrten soll dann ab 2023 die neue Westring-Brücke der geplanten neuen Linzer Stadtautobahn A26 abfangen. Der Baustart für die 240 Mio. Euro teure Brücke westlich vom Linzer Zentrum war zu Jahresbeginn.

Wieder massiv ins Wanken geraten sind die großen Öffi-Projekte im Linzer Großraum. Offenbar ist mit dem Platzen der türkis-blauen Bundesregierung auch die für Städte zugesagte Nahverkehrsmilliarde nicht mehr gesichert. Allein die für Linz und das Mühlviertel in der Pipeline steckenden Schienenprojekte haben einen Investitionsbedarf von einer Milliarde Euro. „Alles steht und fällt mit der Durchbindung der Mühlkreisbahn bis zum Linzer Hauptbahnhof. Doch da geschieht nichts“, kritisiert der Grüne Verkehrssprecher Severin Mayr den Stillstand bei der zweiten Schienenachse durch die Stadt.

Sie soll Pendlerzüge über die Eisenbahnbrücke ins Zentrum bringen. Längst fällig sei auch die Ertüchtigung der über 50 Kilometer langen Mühlkreisbahn. Während Verkehrslandesrat Günther Steinkellner (FPÖ) für diese Strecke mit den ÖBB über die Teilelektrifizierung verhandelt, ist es um die Sanierung der Sumerauerbahn Richtung Freistadt still geworden. So wie über den Neubau der Stadtbahn (RegioTram) von Linz nach Gallneukirchen im östlichen Mühlviertel.