Chronik | Oberösterreich
29.10.2017

Brandheißes Thema: Narzissmus an der Macht

Das Linzer Musiktheater spielt Giuseppe Verdis Rigoletto ab Samstag, 4. November.

Regisseur Andreas Baesler setzte sich den hohen Anspruch, Giuseppe Verdis Oper Rigoletto mit einem Text nach dem Drama Der König amüsiert sich von Victor Hugo neu zu denken. "Es ist wichtig, dieses Stück über die Zeit hinaus zu denken. Ich will die Aktualität von Narzissmus zeigen, der an die Macht kommt und Menschen verbrennen lässt, in seiner Nähe", sagt Baesler im Gespräch mit dem KURIER. "Die Erstellung von Psychogrammen verschiedener Charaktere betreffend, finde ich, dass Rigoletto eine der gelungensten Opern ist."

Machtkampf in Mantua

Die Geschichte spielt sich im Palast des politisch skrupellosen und amourös zügellosen Herzogs von Mantua ab. Rauschende Feste werden gefeiert und die anwesenden Männer erheben Besitzanspruch auf die anwesenden Frauen. Rigoletto unterhält als Hofnarr nicht nur die Gäste, sondern verhöhnt auch entehrte Väter und gehörnte Ehemänner. Er selbst führt jedoch ein Doppelleben und verschweigt sein Geheimnis um seine im Haus eingesperrte Tochter Gilda. Ausgerechnet der gefürchtete Herzog hat ein Auge auf Gilda geworfen. Die Geschichte um vermeintlichen Schutz, Liebe, Besitzansprüche und Eifersucht endet im tragischen Tod Gildas.

Gedankenprozess

Trotz des tragischen Endes ist es Baesler ein Anliegen, dass das Publikum nicht nur diesen Aspekt mit nach Hause nimmt. "Das Stück erzählt von der Fehlbarkeit des Menschen. Ich hoffe, es bringt einen Gedankenprozess bei den Menschen in Gang. Es geht um eine moralische Frage und darum, wie wir unsere Kinder erziehen."

Bei Rigoletto denke Baesler nicht nur an die Geschichte des Piloten Charles Lindberg, der drei Ehen geführt habe. Die Geschichte um ein junges, eingesperrtes Mädchen mit nur einer Bezugsperson habe ihn an den Fall Kampusch erinnert. "Ich habe Rigoletto schon einmal inszeniert, aber er ist für mich immer wieder aufwühlend."

Trump Tower inspiriert

Die Figur bei Hugo sei eine nach narzisstischen Befriedigung suchende Person. Die Frauen seien für ihn eher ein Material zur Bestätigung. "Wir sind in der Vorbereitungszeit natürlich über Donald Trump gestolpert, der ja quasi eins zu eins diese verbalen Vorlagen gibt." Die erste Arie des Herzogs in Rigoletto sei fast eine Paraphrase zu bestimmten Aussagen von Donald Trump. "Dass Menschen in einer solchen Machtposition andere Menschen zerstören können, einfach durch ihre psychische Befindlichkeit, wurde schon bei Rigoletto gezeigt." In dieser Hinsicht inspirieren ließ sich Harald Thor bei der Gestaltung des Bühnenbildes. Dramaturgin Magdalena Hoisbauer verweist auf die starke gesangliche Besetzung.