650 Pädagogen sollen in Berlin ab Herbst zusätzlich eingestellt werden.

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Oberösterreich
02/19/2016

Berlin-Mitte statt Linz-Urfahr: 50 Lehrer sollen nach Berlin

852 Volksschullehrer ohne Job: Landesschulpräsident rät zu Auslandseinsatz.

von Christoph Weiermair

Grundschule statt Volksschule, Berlin-Mitte statt Linz-Urfahr könnte es in Zukunft für so manchen oberösterreichischen Junglehrer heißen: Wie der KURIER berichtete, sucht die deutsche Bundeshauptstadt Berlin händeringend nach Grundschullehrern. 650 Pädagogen sollen dort ab kommendem Herbst zusätzlich eingestellt werden.

"Wir haben in Berlin eine sehr positive demografische Entwicklung und allein 160.000 Kinder in den Grundschulen", erklärt Beate Stoffers, Sprecherin der Bildungsverwaltung. Um den Lehrer-Bedarf, der sich durch Pensionierungen und die vielen Flüchtlingskinder zusätzlich erhöht, auch in Zukunft decken zu können, wolle man auch über den Tellerrand schauen: "Bewerbungen von Volksschullehrern aus Österreich sind jederzeit willkommen", sagt Stoffers.

Diese Lockrufe aus Berlin stoßen beim oberösterreichischen Landeschulratspräsidenten Fritz Enzenhofer auf offene Ohren: Anders als in Berlin gibt es in Oberösterreich aktuell mehr Volksschullehrer als verfügbare Stellen. 852 ausgebildete Pädagogen warten auf einen Job. Ihnen legt Enzenhofer einen Auslandseinsatz ans Herz, "weil ich es lieber habe, dass sie in der Wartezeit woanders einen Job als Lehrer haben, als dass sie irgendeine andere Tätigkeit ausführen müssen". Zumindest 40 bis 50 Volksschullehrer könnten dem Ruf aus Berlin folgen, glaubt der Landesschulratspräsident. "Ich werde jedenfalls Kontakt mit den Kollegen in Deutschland aufnehmen, um den tatsächlichen Bedarf abzuklären."

4340 Euro Gehalt

Auf den ersten Blick dürfte Berlin für österreichische Pädagogen eine attraktive Alternative sein: Das monatliche Einstiegsgehalt ist mit 4340 Euro brutto fast doppelt so hoch wie hierzulande. "Allerdings sind die Kollegen auch 28 Stunden in der Schule, bei uns sind es nur 22 Stunden. Wenn ein österreichischer Lehrer so viel unterrichten würde, käme er ungefähr auf den selben Betrag", relativiert Enzenhofer.

Auf ewig sollen die heimischen Pädagogen ohnehin nicht nach Berlin "verliehen" werden. "Ich möchte eine Regelung, dass Junglehrer ihren Platz auf unserer Warteliste nicht verlieren. Sie sollen keinen Nachteil durch einen Auslandseinsatz haben und zurückkehren können", sagt Enzenhofer. Das ist nicht ganz uneigennützig: Auch in Oberösterreich könnte sich das Blatt in vier bis fünf Jahren wenden. Dann ist durch eine Pensionierungswelle mit einem erhöhten Lehrerbedarf zu rechnen.